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Urlaub im Norden: Auf nach Helgoland!

  • 24. Juni 2020
  • Von Johanna
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Urlaub im Norden: Auf nach Helgoland!

Ich liebe Urlaube, die mit einer Schiffsreise beginnen – zumindest dann, wenn die See mir wohlgesonnen und die Überfahrt ruhig ist. Dementsprechend war ich ein wenig aufgeregt, als wir im letzten Jahr einige Tage auf der Hochseeinsel Helgoland buchten. Letzte Woche war es dann soweit: der Wecker klingelte um 05:30 und wir machten uns bei schönstem Wetter auf den Weg zu den Hamburger Landungsbrücken, von denen aus unser Katamaran ablegen sollte.

Um kurz vor 09:00 nahmen wir dann Platz an Bord des „Halunder Jets“ und es ging los. Vorbei an Blohm und Voss, dem Elbstrand, dem Treppenviertel und den stattlichen Villen von Blankenese bis nach Cuxhaven, wo das Schiff noch einmal kurz anlegt, bevor es raus geht auf die offene Nordsee (die netterweise sehr ruhig war).

Von da an hat man um sich herum nur noch Meer, bis irgendwann eine kleine Insel am Horizont auftaucht: Helgoland.

Die knapp einen Quadratkilometer große Insel, die übrigens zum Kreis Pinneberg gehört, mit ihrer etwas kleineren Nachbarinsel Düne liegt rund 50 Kilometer entfernt vom Festland und bis auf ein paar Containerschiffe und Windräder sieht man am Horizont nichts als Meer.

Die Insel gliedert sich in das Unter- und Oberland. Um vom einen Inselteil zum anderen zu kommen, muss man erstmal ein paar Höhenmeter überwinden. Das geht entweder mit einem Fahrstuhl im Zentrum – oder man steigt sehr viele Treppen.

Um einmal entspannt die ganze Insel zu umrunden braucht man gerade einmal eine gute Stunde – wenn man zwischendurch viel stehen bleibt und noch kurz den Gipfel der Insel besteigt. Perfekte Voraussetzungen für einen schnellen Tagestripp – oder dafür bei einem mehrtägigen Urlaub einfach mal so richtig abzuschalten.

Blick vom Oberland ins Unterland Helgolands

Das Gipfelkreuz Helgolands – und mit 61,3 Metern über dem Meeresspiegel die höchste Erhebung im Kreis Pinneberg – daher auch liebevoll der „Pinneberg“ genannt.

Wir können übrigens von Glück reden, dass man auf Helgoland heute wieder Urlaub machen kann. Nachdem die Insel im zweiten Weltkrieg militärisch genutzt wurde, wollten die Briten in der Operation „Big Bang“ 1947 mit der größten nicht-nuklearen Sprengung der Geschichte, sämtliche Bunkeranlagen der Insel unwiederbringlich zerstören und hätten auch das komplette auslöschen Helgolands in Kauf genommen. Aber die Insel blieb standhaft und ließ sich nicht mal eben so dem Boden gleich machen.

Bis heute sichtbare Folge der Detonation ist allerdings – neben einem großen Bombenkrater – das es hier so gar keine Altbauten gibt. Auf Helgoland findet man – abgesehen von einigen, wenigen Neubauten – hauptsächlich Häuser aus den 50er und 60er Jahren, die das Inselbild prägen und einen ganz besonderen Charme haben. Es fühlt sich ein wenig an, als sei die Zeit stehen geblieben. Sowohl im Ober- als auch im Unterland gibt es viele kleine Geschäfte, viele von ihnen mit Zollfreien waren – Helgoland gehört nämlich nicht zum Zollgebiet der EU und somit ist hier der „Duty Free“-Einkauf möglich.

Neben dem zollfreien Einkauf hat Helgoland allerdings auch noch reichlich Natur zu bieten. Die Insel ist, aufgrund ihres Vogelreichtums, ganzjährig ein beliebtes Reiseziel für Ornithologen, besonders zur Brutzeit im Juni verschlägt es auch viele Touristen auf die Insel, die sich das bunte Treiben vieler Hochseevögel nicht entgehen lassen wollen.

Zu dieser Jahreszeit finden sich viele Hochseevögel auf der Insel ein, die auffälligsten von ihnen sind die Basstölpel, die ihre Nester auf den Klippen bauen und die Trottellummen, die ihr Leben eigentlich auf der offenen See verbringen und nur zum Brüten und für die Aufzucht der Jungen nach Helgoland kommen. Sie legen ihre Eier einfach auf die Felsvorsprünge und brüten dort. Sind die Jungen alt genug, ist es für sie an der Zeit sich zu den Altvögeln auf dem Wasser zu gesellen. Um dorthin zu kommen, müssen sie allerdings von den bis zu 50 Meter hohen Klippen Helgolands ins Meer springen. Der sogenannte Lummenprung zieht jährlich viele Touristen auf die Insel.

Brütender Basstölpel auf dem Lummenfelsen.

Der Sprung der kleinen Lummen spielt sich meist in den späten Abendstunden ab. Dann, im Schutze der Dämmerung, ist die Gefahr durch die herumfliegenden Möwen geringer und die Chance der Kleinen lebend im Wasser anzukommen ist größer, als bei Tage. Aufgrund ihres Körperbaus überleben auch diejenigen kleinen Lummen, die unten auf die Felsen aufschlagen und nicht direkt ins Meer fallen. Diesen Tieren helfen jährlich Mitglieder des Verein Jordsand ins Meer.

Normalerweise gibt es zu dieser Zeit auch spezielle Lummenführungen und Infostände vom Verein Jordsand, diese sind in diesem Jahr jedoch aufgrund der Pandemie teilweise entfallen. Ohne die Hilfe von Experten ist es gar nicht so leicht im Halbdunkel zu erkennen, ob eine erwachsene Lumme losfliegt, oder ob ein Kleines springt. Aber so oder so ist es ein riesiges Spektakel das Treiben an den Felsen zu beobachten und wir haben jeden Abend auf den Klippen verbracht, bis die Sonne hinter der langen Anna im Meer versunken ist. Ich persönlich bilde mir ein, dass ich auch zwei Lummen habe springen sehen, aber wer weiß das schon?

Ein weiteres, kleines Highlight der Insel sind die Helgoländer Kleingarten, die auf dem Oberland stehen. Die Lauben befinden sich inzwischen teilweise direkt an der Abbruchkante der Klippen, was die Helgoländer Laubenpieper allerdings nicht davon abhält hier fleißig zu gärtnern.

Womit wir bei der Buchung unserer Reise so gar nicht gerechnet hatten, war, dass unser kleiner Helgoland-Trip sich anfühlen würde, wie Urlaub im Mittelmeer. Bei konstant über 20 Grad entschlossen wir uns an zwei unserer vier Urlaubstage jeweils einen kleinen Ausflug auf die Nachbar- und Badeinsel Düne zu machen. Helgoland selbst hat nämlich nur einen sehr kleinen Badestrand am Hafen, am Nordstrand der Insel ist das Baden aufgrund der Strömung leider verboten. Das macht aber nichts, denn die Düne erreicht man vom Hafen aus binnen weniger Minuten mit der Dünenfähre „Witte Kliff“. Dort gibt es schönste Sandstrände!

Auf der Düne befindet sich auch der Flugplatz Helgolands, ebenso wie ein kleiner Campingplatz mitten in den Dünen. Ansonsten besteht die kleine Insel hauptsächlich aus langen Sandstränden, die sich die Badegäste mit einer Kolonie Kegelrobben teilen müssen. Geht man den Strand entlang tauchen immer wieder kleine, dunkel glänzende Köpfe aus dem Meer auf und hier und da kommen ein paar der Robben an den Strand, um sich zu sonnen.

Aus Respekt vor den Tieren ist man als Gast in ihrem Lebensraum dazu angehalten immer mindestens 30 Meter Abstand zu den Tieren zu halten. Damit sie auch im Wasser ihre Ruhe haben, ist das Baden nur in zwei bestimmten Bereichen der Insel erlaubt und teile des Strandes sind zudem komplett für den Besucherverkehr gesperrt.

Am Badestrand kann man es den Robben gleich tun und es sich gemütlich machen. Entweder im Sand – oder in einem der Strandkörbe, die man Mieten kann. Für das leibliche Wohl sorgt ein kleines Strandrestaurant. Ich habe sogar einen kleinen Hüpfer in die mit gerade einmal 13 Grad Wassertemperatur doch sehr frische Nordsee gewagt (da merkt man dann, dass man doch nicht im Mittelmeer gelandet ist).

Apropos Verpflegung: auf einer Insel mitten im Meer kommt natürlich hauptsächlich Fisch auf den Tisch. Besondere Spezialität der Insel sind die Knieper – gekochte Scheren von Taschenkrebsen, die mit leckeren Saucen und frischem Brot serviert werden. Auch wenn wir hier ebenfalls von Schalentieren sprechen, ist der Verzehr zum Glück weitaus weniger komplex, als der eines ganzen Hummers. Traditionell gehört zum Tischbesteck allerdings auch hier ein Hammer, mit dem man die Scheren öffnet. Wir hatten das Glück, dass unsere Knieper bereits in der Küche aufgebrochen wurden, sodass es einfach war, an das leckere Fleisch zu kommen.

Und so ziehen die Tage auf dem kleinen Felsen im Meer dann ins Land und von Tag zu Tag wird man entspannter und entspannter, bis man eigentlich gar nicht mehr weg will, aber leider doch muss. Zurück auf’s Schiffchen, ab nach Hamburg und zurück ins eigene Bettchen nach Kiel.

Helgoland, es war wunderschön mit dir und eins kann ich dir garantieren: wir kommen ganz bestimmt wieder!

Wege nach Helgoland:

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten nach Helgoland zu kommen – mit dem Schiff oder mit dem Flugzeug. Letzteres fliegt Gäste vom Flugplatz Heide/Büsum aus binnen dreißig Minuten auf die Insel.

Beim Schiff gibt es gleich mehrere Optionen. Wir haben den Katamaran „Halunder Jet“ der FRS Helgoline von Hamburg aus genommen, der einen kleinen Zwischenstopp in Cuxhaven einlegt. Weitere Verbindungen gibt es mit der Reederei Cassen Eils ab Bremerhaven und Cuxhaven und mit der „MS Funny Girl“ ab Büsum. Und von den Nordfriesischen Inseln Sylt und Amrum gibt es Verbindungen mit den Schiffen der Adler Schiffe.

Eine Übersicht aller Angebote inclusive der Abfahrtzeiten gibt es auf der Website der Insel. Hier findet man auch eine Übersicht über die Übernachtungsangebote auf Helgoland.

 

Johanna

Ich bin Johanna, bin 27 Jahre alt und lebe im schönen Kiel. Ich bin ein gebürtiges Nordlicht und finde, dass es kaum einen schöneren Ort zum Leben gibt, als unser Bundesland zwischen den zwei Meeren. Ich liebe es mir an der See den Wind um die Nase pusten zu lassen – und das bei jedem Wetter. Ansonsten schlägt mein Herz für schönes Wohnen. Ich liebe gutes Design und baue auch gern mal das ein oder andere Möbelstück selbst.

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