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Mach dir die Stadt zu deinem Dorf

  • 25. August 2022
  • Von Johanna
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Mach dir die Stadt zu deinem Dorf

Ich komme vom Dorf. Dorf ist, wo man einfach jede*n grüßt. Dementsprechend verwirrt war ich als junges Ding, als ich das erste Mal mit Freundinnen in der Stadt war und alle grüßte – aber niemand grüßte zurück. Klar, die Stadt ist weitaus anonymer, als ein kleines Dorf. Aber muss das so sein?

Zugegeben: als ich dann nach Kiel zog, dachte ich das gehört so. Die Nachbar*innen nur sehen, wenn man mal ein Paket abholt und sonst auch eher mit Scheuklappen an den Leuten auf der Straße vorbeigehen. Doch seitdem ich in meiner Nachbarschaft wohne, hat sich da etwas verändert. Ich habe gemerkt: dieser Kiez ist irgendwie anders. Dieser Kiez, ist wie ein kleines Dorf in der Stadt.

Aber was kann man tun, um es sich mitten in der Stadt ein bisschen heimeliger zu machen. In einigen Genossenschaften gibt es z.B. Nachbarschaftstreffs, wo man sich zum Geselligsein treffen kann. Oft haben Viertel aber keine unkomerziellen Anlaufstellen mehr, wo man sich außerhalb von Freundeskreisen treffen oder kennenlernen kann. Hier kommen ein paar Tipps, für die es sich lohnt über denen eigenen Schatten zu springen:

Einfach mal „Hallo!“ sagen
Zum Start einmal direkt zurück zur 13-Jährigen Johanna. Wir sollten alle ein bisschen mehr sein, wie sie. Einfach mal den Leuten im Viertel „Hallo!“ sagen – oder zumindest freundlich nicken. Angefangen bei Verkäufer*innen und den Nachbar*innen, denen man ständig über den Weg läuft. Das verändert was – wirklich! Und was soll schon passieren? Im Zweifelsfall wird eben nicht zurück gegrüßt. Und wenn doch, dann ist man sich plötzlich nicht mehr ganz fremd. Vielleicht bleibt’s bei einem freundlichen hin und her Gegrüße – vielleicht entwickelt sich irgendwann auch mal ein kleiner Schnack. So oder so: Ein freundliches Lächeln hat noch niemandem geschadet.

Räume „erobern“ – klein Anfangen im eigenen Haus
Bei uns im Haus fing’s mit einem Zettel der Nachbarn im Treppenhaus an. Ob man sich nicht mal um den Garten im Hof kümmern wolle – alle helfenden Hände seien willkommen. Wie schön! Die Idee dort mal etwas liebe reinzustecken schwirrte mir schon länger im Kopf herum. Und so haben wir gemeinschaftlich unseren Hofgarten umgekrempelt. Eine ungenutzte Sandkiste wurde kurzerhand zum kleinen Hochbeet mit Tomaten und Salat für alle.

Tisch, Stühle und ein paar Blumen dazu – fertig ist der grüne Hinterhof. Ich sitze hier inzwischen super gern mit meinem Laptop – denn praktischer Weise reicht das W-Lan aus der Wohnung bis zur kleinen Sitzecke. Ab und an gibt’s auch mal Kaffee mit Freund*innen oder einen Plausch mit den Nachbar*innen. Ja, es ist nur ein kleiner Fleck im Innenhof, aber so ein Garten mitten in der Stadt: ein Träumchen.

Zugegeben: nicht jedes Stadthaus hat so einen Garten – manchmal ist es nur ein Hinterhof – doch auch hier kann man durchaus kreativ werden und vorhandenen Platz nutzen. Gibt’s ein OK vom Vermieter kann auch ein kleines Höflein zur Oase werden. Ein paar Blumentöpfe, Bank und Tisch. Es braucht gar nicht viel, um solch einen ungenutzten Raum wohnlich zu machen!

Holt euch den öffentlichen Raum zurück!
Kein Innenhof – kein Problem. Die Stadt gehört uns allen – Zeit sie auch so zu nutzen. Urban Gardening auf kleinen Beetflächen am Straßenrand, Sitzecken an der Straßenkreuzung – alles ist möglich, sofern man ein paar Spielregeln beachtet. Will man zum Beispiel ein Beet in der eigenen Straße pflegen ist es sinnvoll sich vorab kurz beim Grünflächenamt grünes Licht zu holen. Spontan ein paar Stühle rauszustellen und mit Freund*innen zusammenzusitzen ist immer erlaubt – sofern sich an Ruhezeiten gehalten und anfallender Müll wieder mitgenommen wird.

Hübsche Beete vor dem Atelier „Kleine Freiheit“ im Kieler Jungfernstieg

Die Steigerung von einem kleinen Beisammensein am Abend ist ein großes Straßenfest. So eines planen wir hier gerade im Viertel – und es ist so aufregend! Unsere Straße wird für einen ganzen Tag uns gehören. Autos raus – Menschen rein.  Jede*r bringt etwas mit, es gibt Musik und hoffentlich auch gutes Wetter. Vorbild sind für uns unsere Nachbar*innen aus dem französischen Viertel ein paar Straßen weiter. Hier findet seit einigen Jahren regelmäßig der „Parking Day“ statt und es ist immer wieder ein Fest.

Die perfekte Deko zum Fest – DIY Girlande aus Stoffresten

Damit es im Viertel bunt wird habe ich mich schonmal daran gemacht ein wenig Deko zu produzieren – ganz ohne Nähmaschine ist bereits diese Girlande aus Stoffresten entstanden. Wer selbst keine Rest da hat, kann diese auch günstig im Stoffladen kaufen. Ich habe mich für bunte Stoffe entschieden, damit es so richtig sommerlich aussieht. Die Farbwahl kann aber natürlich jede*r selbst entscheiden. Dazu noch eine lange Schnur und Schere und schon kann es losgehen:

Den Stoff in ca. 3cm breite und etwa 50-60cm lange Streifen schneiden. Das muss nicht auf den Millimeter genau sein. Ich habe eine Zackenschere genutzt, damit es nicht ganz so geradlinig aussieht.

Als nächstes wird der Stoff einfach in Schlaufen um die lange Schnur gelegt, gleichmäßig verteilt und festgezurrt. Und dann ist die Girlande auch schon fertig!

 

Johanna

Ich bin Johanna und lebe im schönen Kiel. Ich bin ein in den frühen 90'ern geborenes Nordlicht und finde, dass es kaum einen schöneren Ort zum Leben gibt, als unser Bundesland zwischen den zwei Meeren. Ich liebe es mir an der See den Wind um die Nase pusten zu lassen – und das bei jedem Wetter. Ansonsten schlägt mein Herz für schönes Wohnen. Ich liebe gutes Design und baue auch gern mal das ein oder andere Möbelstück selbst.

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