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Im Rahmen des Naturgenussfestival Schleswig-Holstein auf den (Kräuter-) Spuren der Wikinger!

  • 16. August 2022
  • Von brittarolfs
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Im Rahmen des Naturgenussfestival Schleswig-Holstein auf den (Kräuter-) Spuren der Wikinger!

Sommerzeit ist Festivalzeit. Auch in unserem schönen Schleswig-Holstein. Dass diese aber nicht immer zwangsläufig mit lauten Tönen und harten Beats verbunden sein müssen, beweist das Naturgenussfestival auf seine ganz eigene Art. Hier überwiegen die leiseren Töne und im Vordergrund steht unsere schöne Natur.

Was genau ist denn eigentlich das Naturgenussfestival?

Das Naturgenussfestival ist damit also kein Festival im eigentlichen Sinne, sondern eher eine alljährlich stattfindende Veranstaltungsreihe der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, mit dem Ziel, den Naturschutz im nördlichsten Bundesland zu fördern und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mit Unterstützung ausgewählter Partner wie z.B. bekannten Gastronomen, Sterneköche und anderen Experten hat die Stiftung auch in diesem Jahr wieder ein umfangreiches und abwechslungsreiches  Programm auf die Beine gestellt.

Naturfreunde, aber auch Genussliebhaber können zwischen Mai und September aus einer breiten Palette von weit über 100 Veranstaltungen auswählen, darunter Erlebniswanderungen, Exkursionen, Radtouren aber auch kulinarische Highlights wie Weintastings, Genussmenüs und/oder Gourmetpicknicks.

Die Veranstaltungsorte wechseln, allen gemein ist aber das gemeinsame Ziel: die Schönheit und Vielfalt in der Natur Schleswig-Holsteins erlebbar zu machen, und sie gleichzeitig zu schützen und zu bewahren:

Im Mittelpunkt steht das Stiftungsland. Das sind die Wilden Weiden, Wilden Wälder und Wilden Moore der Stiftung. Sie sind oft der letzte Zufluchtsort für viele bedrohte Arten wie Zauneidechse, Küchenschelle oder das Braunkehlchen. Die Stiftung erwirbt diese Flächen und verwandelt bisher intensiv bewirtschaftete Äcker und Wiesen wieder in natürliche Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen“ so heißt es hier auf der Internetseite der Stiftung die Stiftung Naturschutz in Schleswig-Holstein. Darunter fallen bekanntere Gegenden wie z.B. die Küstenlandschaft der Geltinger Birk mit ihren Wildpferden, aber auch kleinere und der breiten Öffentlichkeit weniger geläufigere Landstriche wie die für das ökologische Gleichgewicht so wichtigen Moorflächen unter anderem im Dosen- oder Himmelmoor oder aber auch wilde Wälder wie z.B. der wilde Urwald in Stodthagen.

Das Stiftungsland selbst kann natürlich ganzjährig besucht und auch auf eigene Faust erkundet werden, aber im Rahmen des Genussfestivals habt Ihr die Möglichkeiten, dies mit fachkundiger Begleitung zu erleben. Experten zu lauschen, Fragen zu stellen und so einen ganz anderen, viel tieferen  Einblick in die sensiblen ökologischen Systeme unseres Landes zu erhalten.

Auf den Spuren der Wikinger: kleine Kräuterkunde in Haithabu

Auch wir waren für Euch im Rahmen des Naturgenussfestivals unterwegs, allerdings nicht im Stiftungsland, sondern in Haithabu auf den Spuren der Wikinger. Genauer gesagt auf den Kräuterspuren, wir haben uns nämlich mitnehmen lassen von der Kräuterexpertin Ulla Hasbach auf eine Reise in die Welt der wilden (Wikinger-) Kräuter. Als Inhaberin einer Staudengärtnerei, dies sich auf Wildkräuter spezialisiert hat, ist Frau Hasbach dabei eine wirkliche Fachfrau auf ihrem Gebiet, und teilt ihr Wissen sehr gerne und mit einer großen Portion Enthusiasmus.

Zunächst aber zum Ort des Geschehens: Das Wikinger Museum Haithabu  ist eines der bedeutendsten archäologischen Museen Deutschlands und  vielen Schleswig-Holsteiner:innen sicherlich ein Begriff. 2018 ist das historische Gelände sowie das Grenzbauwerk Danewerk von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden und vermutlich hat es jede/n Schüler:in des Landes mindestens einmal in Form eines Wandertages hierhergeführt. Hier haben im Frühmittelalter die Wikinger gesiedelt und gehandelt – und noch heute berichten ein Ausstellungshaus sowie sieben rekonstruierte Häuser auf eindrückliche Weise vom Leben in der damaligen Zeit.

Pflanzen am Wegesrand: Kräuterkunde vom Frühmittelalter bis heute

„Pflanzen am Wegesrand“ – mit diesen Worten beginnt Ulla Hasbach ihre Ausführungen, und schnell wird klar, worum es geht. Nämlich nicht um Kulturpflanzen, sondern tatsächlich um diejenigen Pflanzen und Kräuter, die damals wie heute (oft relativ unbeachtet) unseren Wegesrand säumen. Der große Vorteil von Wildkräutern: sie sind extrem durchsetzungsfreudig – ihre weite Verbreitung ist Zeugnis dafür – und außerdem Lebensraum für eine Vielzahl an Faltern und anderen Insekten. Vielleicht auch ein Grund, darüber nachzudenken, ab sofort ein kleines Eckchen im Garten für heimische Wildkräuter zu reservieren?
Darüber hinaus werden sie noch heute gerne in der Medizin eingesetzt und sind Bestandteil unzähliger Arzneimittel. Besonders spannend: jede wissenschaftliche Erkenntnis lebt eigentlich damit bzw. dafür, dass sie im nächsten Moment schon wieder obsolet, widerlegt oder einfach weiterentwickelt wird. Die Kräuterkunde hingegen ist heute genauso aktuell wie vor Hunderten von Jahren und erlebt in den letzten Jahren sogar einen regelrechten Aufschwung  (Stichwort alternative Medizin).

Aber begeben wir uns doch mal auf Wanderschaft. Was  genau wächst denn nun an unseren Wegesrändern bzw. an denen der Wikinger? Und was genau können diese Wildkräuter für uns tun? Hier eine kleine Auswahl:

  1. Engelwurz: Eine der wichtigsten Pflanzen des Mittelalters und auch heute noch in vielen Ländern hoch geschätzt. Der Engelwurz wird, wie der Name schon vermuten  lässt, eine beschützende Wirkung nachgesagt. Sie enthält viele Bitterstoffe und findet  vor allem bei Störungen des Verdauungstraktes Verwendung, außerdem stärken ihre Wirkstoffe das Immunsystem und kommen bei Erkältungen zum Einsatz.  Auf den Färöer Inseln kocht man -ähnlich wie Rhabarber- aus den Stängeln sogar Marmelade.
  2. Meerkohl: Der Meerkohl ist den meisten sicherlich schon mal bei einem Strandspaziergang begegnet. Die hübschen blau-grünen Blätter wirken entzündungshemmend (wie andere Kohlsorten auch. Stichwort Kohlwickel!) und können äußerlich angewendet werden, genau wie Kohl aber auch als Gemüse zubereitet werden. Dabei bitte beachten: Meerkohl steht unter Naturschutz, deswegen bitte nicht einfach am nächsten Strand ernten gehen!
  3. Schafgarbe: war schon den Griechen als 1000-blättriges Soldatenkraut bekannt, weil es als Tinktur aufgrund seiner blutstillenden Wirkung bei Kriegern zur Wundheilung eingesetzt wurde. Aus den Blättern kann man einen Tee aufgießen (10 Min ziehen lassen), der krampflösend und verdauungsfördernd wirkt. Die jungen Blätter können aber auch in der Küche zum Würzen eingesetzt werden, für Suppen oder Saucen oder aber um z.B. Salz zu aromatisieren.
  4. Thymian: eine der wohl am stärksten antibakteriell wirkenden Pflanzen, die es gibt. Und dabei eins der wenigen „alten“ Wildkräuter, die tatsächlich den Übergang zur Kulturpflanze geschafft haben. Thymian verleiht unseren Speisen aber nicht nur einen leckeren, leicht mediterran anmutenden Geschmack, sondern verfügt auch über einen extrem hohen Anteil an ätherischen Ölen. die zum Einen schmerz- und krampflindern, gleichzeitig aber auch schleimlösend wirken können und deswegen besonders gut auch gegen Beschwerden der Atemwege helfen.
  5. Odermennig: Diese hübsche, leuchtend gelb blühende Pflanze wurde früher als Teeersatz genutzt, zum Färben von Wolle, und enthält viele Gerbstoffe.  Odermennig wirkt als Tinktur entzündungshemmend, aber auch blutstillend bzw. adstringierend. Kann mit heißem Wasser übergossen als Tee aber auch  hilfreich sein bei u.a. Menstruationsbeschwerden.
  6. Beifuß: „Wer Beifuß im Haus hat, dem kann der Teufel nichts anhaben“ lautet eine alte Weisheit. Dem Beifuß wird eine starke Schutzwirkung nachgesagt, weswegen es heute sehr gerne zum Räuchern, aber auch für Kräuterkissen verwendet wird. Er wirkt aber auch verdauungsfördernd, weswegen er auch  auch in der Küche zum Würzen von fetten Speisen wie zB. Enten- oder Gänsebraten zum Einsatz kommt.
  7. Spitzwegerich: Ist heute noch in vielen Hustensäften enthalten, und soll Atemwegsbeschwerden lindern. Aber wusstet Ihr, dass die zerriebenen Blätter auf kleinere Wunden und/oder Insektenstiche aufgetragen auch eine heilende Wirkung entfalten können? Und der Spitzwegerich aus diesem Grund auch „Waldpflaster“ genannt wird? Ich nicht – und werde es bei nächster Gelegenheit aber ganz sicher mal ausprobieren! Den (länglichen) Knospen wird ein leichtes Pilzaroma nachgesagt, und sie sie lassen sich sogar wie ein Pilzragout in der Pfanne braten.
  8. Mädesüß: Dieses hübsche zartblühende Kraut wächst im Juli hauptsächlich auf feuchten Böden, gerne in Gräben und entfaltet besonders in der Sonne einen ganz feinen Duft, der ein wenig an Holunderblüten erinnert. Mädesüß eignet sich deswegen auch hervorragend zum Aromatisieren von Getränken (dafür die Blüten einfach über Nacht in z.B. Apfelsaft einlegen, am nächsten Tag abseihen und mit Mineralwasser und Zitronensaft aufgießen.)Mädesüß enthält darüber hinaus aber auch Salicylsäre, und kann als Tee eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung bei zB. rheumatischen Beschwerden und/oder Erkältungskrankheiten entfalten.
  9. Blutweiderich: diese hübsch blühende Pflanze geht mit ihren leuchtend lilafarbenen Dolden auch gerne als Zierpflanze durch. Durch ihren hohen Anteil an Gerbstoffen ist sie aber auch ein gutes Mittel gegen Durchfall, ist hilfreich bei z.B. Magen- und Darmerkrankungen und gilt auch als Färbemittel.
  10. Wasserdost: eine äußerst dankbare und weit verbreitete Staudenpflanze, über deren hübsche rosafarbenen Blütenköpfe sich im Garten vor allem Schmetterlinge freuen! Als Tee aufgegossen, aktiviert der Wasserdost die körpereigene Abwehr, und steigert darüber hinaus auch die Produktion der weißen Blutkörperchen, die z.B. für die Wundheilung verantwortlich sind.
  11. Wegwarte, auch „wilder Chicoree“ genannt gehört zu den nachtduftenden Pflanzen. Ihre hübschen, hellblauen Blüten öffnen sich nur von morgens 5 Uhr bis gegen Mittag, was sie besonders attraktiv für alle nachtaktiven Insekten macht.
    Bekannt ist sie aber auch als Bachblütenessenz und wirkt als Sud verdauungsfördernd und appetitanregend. Aber auch die Blüten sind essbar – und machen sich bestimmt sehr hübsch auf einem frischen Salat, aber auch auf Süßspeisen.

Das war jetzt eine ganze Menge an Information. Einiges konnten wir tatsächlich selber testen wie z.B. einen Tee aus aus wilden Malven- und Erdbeerblättern, Odermennig, Thymian und Schafgarbe oder dieses aromatisierte Salz mit Beifuß, Thymian und Schafgarbe. Sehr lecker hier auf einem einfachen Butterbrot und getoppt mit ein paar Brennnesselsamen:

Rezept Kräutersalz: 1 Teil Kräuter , 5 Teile Meersalz. Bei den frischen Kräutern die Stiele entfernen und mit dem salz in der Küchenmaschine mit dem Messer möglichst fein schneiden. Auf einem Blech ausbreiten und trocknen lassen. Ergibt in kleine Gläschen abgefüllt übrigens auch ein sehr hübsches & nachhaltiges Mitbringsel!

 

Und für den Rest heißt es jetzt, auf eigene Faust loszuziehen. Und tatsächlich. Bisher botanisch relativ unbeleckt, begegne ich den Pflanzen am Wegesrand plötzlich mit ganz anderen Augen.  Entdecke und staune, was ich bisher lange links liegengelassen habe und werde vor allem auch direkt fündig. Hier die weißen oder blassrosa Köpfe der Schafgarbe, die sich vorwitzig durch Gräser und Stauden schieben, dort die unzähligen sternförmigen und schon leicht verblühten Blüten des Johanniskrauts:

Auf dem schmalen Fußweg zum Wikingerdorf komme ich sogar an einer ganzen Wiese flaumig-weichen Mädesüß vorbei, in dem sich anscheinend auch die Galloways extrem wohlfühlen:

Und selbst den verhassten  Brennnesseln begegne ich plötzlich mit anderen Augen und in meiner Küche warten tatsächlich ein paar getrocknete Brennnesselsamen darauf, demnächst als Topping auf’s Butterbrot zu wandern:

Insgesamt eine sehr spannende Materie, in die ich gerne nochmal tiefer eintauchen möchte.
Falls Ihr jetzt auch Blut geleckt habt: auf der Seite der Staudengärtnerei Hasbach könnt Ihr Euch weitere Infos holen oder Euch auch für einen Kräuterkunde-Newsletter eintragen. Oder aber Ihr schaut mal bei Heger & Sammler vorbei. Auch Isabel teilt auf ihrer Seite umfangreiches Kräuterwissen & veranstaltet  entsprechende Workshops in Kiel & Umgebung.

Wer sich für das Naturgenussfestival und die dahinterstehende Idee interessiert, der findet hier eine Übersicht über die noch anstehenden Veranstaltungen. Guckt gerne mal rein und informiert Euch über die ausgesprochen wertvolle Arbeit, die der Verein leistet. Naturschutz geht uns schließlich alle an!

 

Wer den Weg zur Natur findet – findet auch den Weg zu sich selbst.

(Klaus Ender)

 

Ein sehr wahrer Satz, grade in unserer schnelllebigen Zeit. Und so tut es einfach gut, mal innezuhalten und zu sehen, wie alles verbunden ist. Mit offenen Augen durch die Natur zu streifen, sie so gut, wie wir es eben können zu achten und zu erhalten und offen dafür zu sein, was sie an Schätzen für uns bereithält. Vieles von dem was dort wächst, ist nämlich nicht nur fürs Auge schön!

Ich hoffe, ich konnte Euch hier einen kleinen Einblick in die Kräuterkunde vermitteln. Wichtig: Die hier geteilten Informationen sind dabei lediglich als Anstoß gedacht – und ersetzen bei ernsthaften Beschwerden keinen Arztbesuch!

Habt Ihr bereits Erfahrungen mit Wildkräutern?

Falls ja – teilt sie doch gerne mit uns in den Kommentaren. Wir sind wie immer neugierig und sehr gespannt!

 

 

 

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