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Alkoholfreier Alkohol: 3 erfrischende Cocktails für den Sommer

  • 28. Juli 2021
  • Von Martin Plenz
  • 0 Kommentare
Alkoholfreier Alkohol: 3 erfrischende Cocktails für den Sommer

Stricken, Tomaten anbauen oder eine neue Sprache lernen – im Lockdown haben sich viele ein neues Hobby zugelegt. Ich bin zum Cocktails mixen gekommen. Angefangen hat das mit einem improvisiertem Old Fashioned mit ei­nem Freund, mittlerweile besitze ich eine Bar (ein altes Vertiko) und etwa 20 Flaschen Sirup, Bitter-Extrakten und Alkohol.

Mit dabei: Alkoholfreie Spirituosen. Klingt erst mal paradox, ist aber ein immer größer werdender Trend in diesem Bereich. Denn auch an das Trinken werden mittlerweile andere An­sprüche gestellt. So wie es für Fleisch veganen Ersatz oder Verdampfer für Rauchen*innen gibt, so entsteht gerade eine interessante Rubrik mit alkoholfreien Alkoholsorten. Das Versprechen: Der Ge­schmack des hochprozentigen Getränks ohne den Alkoholrausch oder die Schäden, ange­fangen beim Kater am nächsten Tag.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns kurz mit der Frage, was Alkoholersatz ist und wie er ansteht. Anschließend stelle ich euch drei Produkte vor: Einen alkoholfreien Gin, einen alkoholfreien Rum und ein Destilat, welches eigene Wege geht und nicht versucht, Bekanntes zu immitieren.

 

Was sind alkoholfreie Spirituosen?

Genau genommen ist die Kategoriebezeichnung „Alkoholfreier Alkohol“ ein Widerspruch in sich, denn in der EU dürfen sich nur Getränke mit mindestens 15% Alkohol „Spirituose“ nennen. Das bedeutet: Die im Trend liegenden Getränke sind quasi nur Wasser mit Geschmack. Durch den Zusatz von Aromen wird ver­sucht, den Geschmack von Alkohol zu imi­tieren.

Wasser mit Geschmack – das klingt erst mal nicht so vielversprechend. Aber: Viele Hersteller*innen nutzen für die alkoholfreien Alternativen die gleichen Techniken, wie für das Original. Der Geschmack kommt also durch Destilations- und Mazerationsverfahren ins Wasser. Der einzige (noch) bleibende Unterschied ist somit der fehlende Alkohol.

 

Alkoholfreier Gin: Der Laori Juniper No. 1

In den vergangenen Jahren hat der Wacholderbeerschnaps einen unfassbaren Hype erlebt. Das liegt sicher auch daran, dass Gin je nachdem, welche Kräuter und Gewürze in der Destillation verwendet werden, komplett unterschiedlich schmeckt – anders als bei­spielsweise Vodka, welcher wenig Eigengeschmack besitzt. Um den Gin-Genuss auch ohne schlechtes Gewissen zu ermöglichen, bieten viele Hersteller mittlerweile Alternativen ohne Alkohol an.

Eine der bekanntesten Alternativen: Der Juniper No. 1 vom Berliner Startup Laori. Wie das Vorbild spielt Wacholder hier eine tragende Rolle, darüber hinaus werden Rosmarin und Kardamom desti­lliert. Der Juniper No. 1 hat eine etwas trübe Farbe, die an Bitter Lemon erinnert und so riecht er auch etwas: Bitter, würzig aber auch blumig und nach Limonade. Pur trinken kann man ihn, macht aber nicht so Spaß – ein klassischer Gin Tonic muss her!

Gin Tonic mit Juniper No. 1

Der Gin Tonic ist wohl einer der be­kanntesten aber auch einfachsten Longdrinks. Tonic Water ist meist eher zurückhaltend im Geschmack, so kann der Gin besonders gut wirken.

Das benötigt man:

  • Ein hohes Glas (Highball-Glas)
  • Etwas zum Abmessen (das kann wie hier ein Jigger sein, muss aber nicht)
  • 50 ml Laori Juniper No. 1
  • 150 ml Tonic Water
  • Ein paar Eiswürfel
  • Deko (z.B. Gurke und Wacholderbeeren)

So gehts:

  • Eiswürfel ins Glas
  • Gin ins Glas
  • Auffüllen mit Tonic (nach Auge, misst man die Menge ab geht viel Kohlensäure verloren)
  • Einmal sehr kurz aber kräftig umrü­hren (sonst geht auch hier Kohlensäure verloren)
  • Dekorieren nach Wahl

So schmeckt es:
Super lecker! Das „limonadige“, was man davor im Gin riechen konnte, tritt zurück, es bleibt ganz viel Wacholder. Der Gin schmeckt nicht wie ein klassischer London Dry Gin – aber dennoch wie ein Gin. Bei gutem Wetter und Sonne kann ich mir nichts erfrischenderes vorstellen!

 

Alkoholfreier Rum: Der Undone Nr. 1 Sugarcane Type

Ich liebe Gin – noch mehr haben es mir aber Whiskey, Rum und Cognac angetan. Der Undone Nr. 1 Sugar Cane Type versucht so nah wie möglich an einen echten Rum heranzukommen. Der Hamburger Hersteller nutzt dazu unter anderem Rum, aus dem der Alkohol herausdestilliert wird, nur die Aromen des Getränks aus Zuckerrohr bleiben.

Nicht nur die Farbe, auch der Geruch ist täuschend echt! Der Undone hat einen typischen Jamaicarum-Geruch. Auch hier merkt man: Zum pur trinken ungeeignet. Für Cocktails jedoch perfekt!

Planters Punch mit Undone Nr. 1 Sugar Cane Type

Der Planters Punch ist einer der bekan­ntesten Tiki-Cocktails und schmeckt einfach super lecker, trotz simpler Zutaten. Ein Stück Urlaub im Glas!

Das benötigt man:

  • Ein großes Glas (Highball-Glas)
  • etwas zum Abmessen
  • ein paar Eiswürfel
  • einen Shaker (ein kleineres und ein größeres Glas zussamengesteckt funktionie­ren auch)
  • eine Saftpresse
  • ein Sieb (engmaschig)
  • 20 ml Limettensaft (wenn möglich frisch)
  • 80 ml Orangensaft (wenn möglich frisch)
  • 50 ml Undone Nr. 1 Sugarcane Type
  • 10 ml Grenadinen (z.B. von Monin)

So geht es:

  • Limettensaft, Orangensaft, Undone Nr. 1 Sugar Cane Type und Grenadin in den Shaker geben
  • Ein paar Eiswürfel hinzugeben und 15 Sekunden kräftig schütteln
  • Durch ein Sieb ins Glas gießen, Eiswürfel dazugeben
  • Strohhalm dazu und ein Stück Orange an den Rand klemmen

So schmeckt es:

Ehrlich gesagt: Der Drink schmeckt fast wie das Original! Sehr fruchtig (nicht pappig süß!) aber durch den Rum mit einer angenehm würzig-herben Komponente – klare Empfehlung für einen Sonnenuntergang am Meer (in der Thermoskanne) oder auf Balkonien!

Die Wildcard: Seedlip Garden 108

Nach den Klassikern Gin und Rum folgt nun die Wildcard: Seedlip Garden 108. Der Gründer des Unternehmens, Ben Branson, war einer der ersten, der Destillation nutzte, um alkoholfreie Spirituosen herzustellen. Die Kreationen des Unternehmens wollen bewusst nicht Bekanntes wie Gin imitieren. Der Garden 108 enthält Aromen aus Erbsen, Heu, Pfefferminze, Hopfen und vielem mehr.

Das klare Getränk riecht beim Öffnen wirklich wie ein Garten – und zwar ein frisch gemähter, dann das Heu kommt deutlich durch. Auch den Seedlip würde ich nicht pur trinken.

Garden Sour mit Seedlip Garden 108

Mein Lieblingsdrink mit den Garden 108 ist ein Rezept von der Website des Herstellers, hier finden sich viele leckere Drinks! Heute mixen wir den Garden Sour. Der Drink ist etwas aufwändiger, es lohnt sich allerdings definitiv!

Das braucht man:

  • Idealerweise ein Coupe-Glas, also eine Champagnerschale, ein kleines Glas (Tumbler) tuts aber auch
  • Ein Shaker
  • etwas zum Abmessen
  • ein paar Eiswürfel
  • eine Saftpresse
  • 60 ml Seedlip Garden 108
  • 30 ml trüber Apfelsaft
  • 1 Esslöffel Zitronensaft (frisch wenn möglich)
  • 1 Teelöffel Apfelessig
  • 1 Zweig Rosmarin (oder eine Prise als Gewürz)
  • 1 Zweig Thymian (oder eine Prise als Gewürz)
  • 2 Teelöffel Zuckersirup (Rezept unten)
  • 1 Esslöffel Aquafaba (das Wasser, in dem Kichererbsen eingelegt werden; das kann man übrigens super einfrieren, so hält es sich monatelang)

So gehts:

  • Für den Zuckersirup: 50 ml Wasser und 50 g Zucker vermischen, aufkochen und unter rühren etwa 3 Minuten köcheln lassen. Dieser Sirup ist eine Standardzutat für Cocktails und hält sich im Kühlschrank monatelang
  • Alle Zutaten in den Shaker mit Eis geben und 20 Sekunden lang kräftig schütteln
  • In das vorher im Kühlfach gelagerte Glas geben, mit einem weiteren Zweig Rosmarin und Thymian garnieren

So schmeckt es:

Ich liebe diesen Drink! Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Sauer und er­frischend, aber auch ein bisschen süß, dazu die grünen Kräuteraromen vom Garden 108 – super ausgewogen und super lecker. Der Schaum des Aquafaba macht den Drink außer­dem zum echten Hingucker!

Das waren meine liebsten Cocktails mit den alkoholfreien Spirituosen, die in meiner Bar ein festes Zuhause haben. Ob Cocktail-interessiert oder nicht, diese Drinks lohnt es sich aus­zuprobieren. Bei Fragen helfe ich in den Kommentaren gerne weiter!

Was haltet ihr von diesem Trend? Habt ihr schonmal alkoholfreie Spirituosen probiert? Schreibt es uns in die Ko­mmentare!

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