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„Hast du Zeit zum Spielen?“ oder „How to survive Spielverabredungen“

  • 22. Februar 2022
  • Von Regina
  • 2 Kommentare
„Hast du Zeit zum Spielen?“ oder „How to survive Spielverabredungen“

Wir schreiben das Jahr 2011. Das Herbstwetter zeigt sich von seiner besten Seite. Nicht. Mein Mann und ich sind seit zwei Wochen stolze Eigenheimbesitzer. Die Räume riechen noch nach Neubau, die Wände erstrahlen im minimalistischen Weiß, dem (ebenfalls weißen) Sofa fehlt noch der gemütliche Sitzabdruck. Als es überraschend an der Tür klingelt, steht eine Bekannte von uns (vielmehr Nachbarin meiner Schwiegereltern) vor der Tür. Sie sei in der Nähe gewesen und wolle uns nun spontan im neuen Heim besuchen. Mitgebracht hatte sie Blumen. Und ihre drei kleinen Kinder im Alter von 5, 4 und 2 Jahren…

Long story short: Etwa fünfundvierzig Minuten, drei zerbrochene Gläser, ein schokoladenbeflecktes, nicht mehr ganz so weißes Sofa und sämtliche im Schlafzimmer durchwühlten und offen stehenden Schubladen später, stand für mich fest, dass dies die letzten Kinder waren, die unser Haus jemals betreten haben. Die (irgendwann) Eigenen natürlich ausgenommen.

Mein zukünftiges Ich wird in diesem Moment sicher laut gelacht haben, denn da kannte ich Spielverabredungen noch nicht. „Hast du heute Zeit zum Spielen?“ ist die Frage, die es einige Jahre später gratis mit der Eingewöhnung im Kindergarten gab. Zugegeben eine Hassliebe. Mittlerweile bin ich seit fast neun Jahren Mutter und habe etliche Spielverabredungen in meinem Haus erlebt und ja, hin und wieder auch überlebt. 🙂

Warum erzähle ich das Ganze? Ja, die Frage ist berechtigt. Damit das hier also mehr als eine nette Anekdote ist, habe ich eine kleine Liste vorbereitet, damit ihr keine Playdates aus der Hölle erlebt, sondern tolle Nachmittage für eure Kids (und eure Nerven) erschafft. Alle Tipps basieren auf unseren Erfahrungen und beziehen sich hauptsächlich auf Spielverabredungen unter Kindern im Kindergartenalter, also keine Eltern-Krippenkinder-Treffs.

Los geht’s mit meinen Tipps für How-to-survive-Spielverabredungen:

Schüchternes Kind – was tun?

Die erste richtige Anfrage für eine Spielverabredungen trudelte etwa 3 Wochen nach der Eingewöhnung meiner Großen ein. Sie war zu dem Zeitpunkt 3,5 Jahre alt, ihre kleine Freundin gerade erst 3 Jahre alt geworden. Ich hatte etwas Bammel vor dem Date, weil ich nicht wusste, ob sich das Mädchen hier bei uns zu Hause, ohne eigene Eltern im Hintergrund, wohlfühlen würde. Aber alle Bedenken waren unbegründet. Die Kleine war absolut offen und meine Tochter und sie waren wenige Minuten nach der Begrüßung im gemeinsamen Spiel versunken. Jackpot.

Was aber tun, wenn das Kind, das zu Besuch kommt, plötzlich selber Bammel hat und den eigenen Elternteil partout nicht gehen lassen möchte? Mein Tipp: Wenn es zeitlich passt, die Mutter/den Vater einfach auf einen Kaffee hereinbitten. Meist verfliegt die Schüchternheit der Kleinen nach kurzer Zeit, wenn kein Trennungsstress erzeugt wird. Ein entspanntes Ankommen hilft eigentlich immer. Gleiches gilt übrigens auch für das Abholen, wenn sich nun partout die Kinder nicht von einander trennen wollen.

Dauer der Spielverabredung:

Hier gilt die Faustregel: Je jünger die Kids, desto kürzer die Spielverabredung. Aber weil keine Regeln wirklich in Stein gemeißelt sind, fließen in die Planung einer Spielverabredung mehrere Faktoren hinein: Wie gut kennen (und mögen) sich die Kinder? War das Kind schon einmal zu Besuch und fühlt sich bereits wohl? Oder auch ganz banal: Stehen im Anschluss Termine an, so dass das Zeitfenster eh begrenzt ist? Waren es im Kindergartenalter maximal drei Stunden, dauern hier die meisten Spielverabredungen inzwischen drei bis vier Stunden. Ich kann aber sagen, dass die Spielverabredungen mit dem steigenden Alter der Kinder entspannter und angenehmer sind. Das Besucherkind möchte nicht gehen? Kein Problem, dann bleibt es eben über Nacht. Spielverabredungen next level sozusagen. 🙂

Hausregeln – ja oder nein?

Ich habe mich arrangiert, dass meine Kinder ihr eigenes Sympathieding in Sachen Freunde durchziehen. Mein Einfluss darauf, mit wem sie sich anfreunden (und manchmal auch warum zum Henker??) ist verschwindend gering. Und das ist ja auch eigentlich gut so. Trotzdem muss ich nicht mehr jedes Verhalten anderer Kinder in meinem Zuhause tolerieren und Buddhamäßig weglächeln. Kinder, die zum ersten Mal zu uns zum Spielen kommen, werden direkt von meinen Kids darauf hingewiesen, dass wir gewisse Regeln im Haus haben. Das Elternschlafzimmer ist tabu, auf den Möbeln wird nicht geturnt (aus Gründen, denn gemeint ist hier nicht nur das Sofa…Leute, es gibt aber auch Kinder mit verrückten Ideen.) und die Musikinstrumente werden bittebitte vorsichtig behandelt. Ihr erinnert euch an den Spontanbesuch, von dem ich anfangs berichtet habe? Regeln sind also nicht immer böse. Sie sind gut. Für die elterlichen Nerven. 🙂

Die Luft ist raus und nun?

Mein Überlebenstipp, wenn die Luft der Kids raus ist, sie müde und/oder übellaunig werden: Rausgehen! Wer hat, lässt die Kids (eventuell sowieso von Anfang an?!) draußen im Garten toben. Wer keinen Garten hat, geht mit den Kindern auf einen Spielplatz. Gerne vorher mit den Eltern des Besucherkindes abklären, ob solche Ausflüge in Ordnung gehen. Im ersten Kindergartenjahr besuchte mein Sohn einem Kindergartenfreund, dessen Mutter beide Jungs – ohne mein Wissen – zum Shoppen und anschließendem Wocheneinkauf mitgenommen hat. Fand ich nur bedingt gut.

Die Sache mit dem Snack

Gesund oder ungesund, das ist hier die Frage? Wie die meisten Eltern, die ich kenne, achten auch wir zu Hause auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Viel Obst und Gemüse, saisonal, bio, wenig Zucker, kaum Fleisch… – das volle Programm eben. Ich finde aber, dass eine Spielverabredung eine besondere Situation ist. Ich wünsche mir, dass meine Kinder sich auch nach vielen Jahren an die Spielverabredungen als besondere und besonders schöne Momente erinnern. Und irgendwie gehört für mich persönlich ein kleiner Ausbruch aus dem Gewohnten dazu. Auch beim Snack. Daher bin ich nicht all zu streng, wenn auf dem obligatorischen Snackteller neben Obst und Rohkost auch etwas zu Naschen liegt. Bisher hat sich auch noch kein Kind beschwert. 🙂 Bitte vorher die Eltern nach Unverträglichkeiten fragen.

Wenn ich darüber nachdenke, könnte ich noch ewig über Spielverabredungen schreiben. Wie wäre es mit einem Post über die schlimmsten oder auch die schönsten Playdates ever? Oder einer über die verrücktesten Aktionen, die die Kids bereits in ihren doch recht jungen Jahren auf die Beine gestellt haben? Und was ist eigentlich mit den Eltern der anderen Kinder? Hm, aber wie sagt man immer, wenn es am Schönsten ist, sollte man aufhören. 🙂

Wie handhabt ihr die Sache mit den Spielverabredungen? Habt ihr noch weitere Tipps für ein entspanntes Gelingen? Dann schreibt sie gerne in die Kommentare.

Eure Regina

Regina

Ich bin Regina, 35 Jahre alt und ein waschechtes Nordlicht. Nordish by nature, könnte man sagen, da ich gebürtig aus Tallinn komme. Man findet mich oft am Strand, vielleicht ein Fischbrötchen in der Hand. Gemeinsam mit meinem Mann und unseren beiden Kindern erkunde ich gerne die Strände in unserem schönen Bundesland und bringe nicht selten Treibgut und Muscheln von unseren Ausflügen mit. Wie praktisch, dass sich meine Sammelei gut als DIY-Material eignet. Apropos DIY – das ist meine heimliche Leidenschaft, der ich auf meinem eigenen Blog Kleine Herzensdiebe freien Lauf lasse. Beruflich mache ich übrigens irgendwas mit Büchern und Medien. Und Worten. Und hier nun auch mit Basteleien. Seid gespannt.

2 Comments
  • Anja
    30. Mai 2022

    Ich erinnere mich immer wieder gerne an einen Nachmittag im Februar. Es ging nicht nur um ein Playdate, sondern der Geburtstag meiner 5-jährigen Zwillinge sollte und wollte gefeiert werden;
    viele Gedanken gemacht, wie man 8 lebhaften Kindern im KITA-Alter einen kurzweiligen, besonderen Tag ermöglichen kann; Klassiker wie Topfschlagen, Blindekuh etc. vorbereitet.
    Im Spielzimmer der Jungs stand eine große Kiste mit allerhand Sachen zum Verkleiden, Taschen und Accessoires. Diese weckte das Interesse der Rasselbande: Im Nu hatten sie sich verkleidet und schlüpften in entsprechende Rollen.
    Ich fotografierte das Ganze.
    Nach einer Weile wurde alles zurück in die Kiste gelegt, und jeder suchte sich dann wieder etwas Anderes heraus, zog es an und war wieder im neuen Rollenspiel. Die Kinder waren mit so viel Spaß und solch einer Begeisterung dabei, dass sie bis zum Abholen gar nichts anderes spielen wollten.
    Die Fotos ließ ich entwickeln und bestellte sie auch noch einmal für die kleinen Geburtstagsgäste als Erinnerung nach.
    Damals waren wir noch handy-frei und mit klassischer Kamera unterwegs, denn es ist schon 27 Jahre her …

    • Regina
      19. Juni 2022

      Das klingt nach einem gelungenen Fest und einer tollen Erinnerung. 🙂 Meistens sind die einfachsten Ideen auch die besten, oder? Liebe Grüße

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