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Wie „Müll“ meinen Speiseplan bunter macht

  • 9. September 2020
  • Von Imke
  • 0 Kommentare
Wie „Müll“ meinen Speiseplan bunter macht

Ein Spitzkohl, ein Mischbrot, zwei Avocado, eine kleine Packung Brombeeren, ein Bund Radieschen, drei Mandarinen, zwei Paprika, zwei Blattsalate, ein Knollensellerie, eine Packung Physalis und ein Eimer dänischer Weißkäse: Diese Leckereien habe ich diese Woche über foodsharing bekommen. Immer freitags gehe ich zur „Fairteilung“ in einem Projektraum in unserer Straße. Manchmal melde ich mich auch selbst für eine Fairteilungssschicht oder eine Abholung bei einem unserer Kooperationsbetriebe.

Überraschungen sind immer wieder einmal dabei. Diesmal: Physalis und ein Eimer dänischer Weichkäse.

Was meint ihr? Ich finde: Viel zu lecker für die Tonne!

Foodsharing, das ist eine Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, genießbare Lebensmittel vor dem Müll zu retten. Denn in Deutschland werden jede Sekunde über 300 Kilo davon entsorgt – weil Bäckereien, Obsthändler, Supermärkte, Restaurants und natürlich auch Privatleute oft wegwerfen, was noch gut ist. Sei es, weil beim Joghurt das aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder der Apfel eine braune Stelle hat. Dabei ist das meist kein Grund, die Sachen wegzuschmeißen. Auch eine gezielte Überproduktion sorgt für die Lebensmittelverschwendung, gegen die foodsharing sich einsetzt.

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, sind Lebensmittel nicht zwingend ungenießbar. Einfach mal dran riechen, genau hingucken, probieren. Ich habe schon Joghurt genossen, der sieben Monate (!) über dem Haltbarkeitsdatum war. Von Schimmel keine Spur! Nur wenn das Verbrauchsdatum überschritten ist, heißt es „Hände weg!“. Ein Verbrauchsdatum haben zum Beispiel rohe Lebensmittel wie roher Fisch und rohes Fleisch.

Reichlich Gemüse – gibt es bei fast jeder Fairteilung.

Verteilt werden die geretteten Lebensmittel privat oder über „Fairteiler“ – Orte, zu denen alle Menschen Lebensmittel bringen und kostenlos abholen dürfen. In Flensburg stehen zum Beispiel ein Kühlschrank und ein Regal im „Kulturhof“, einem ehrenamtlichen betriebenen Projektraum in der Innenstadt.

Vor einigen Monaten habe ich auch das foodsharing-Quiz erfolgreich bestanden und einen Lichtbildausweis bekommen, der bestätigt, dass ich auch Lebensmittel bei Kooperationsbetrieben direkt abholen darf – nach klaren Vorgaben zu Hygienemaßnahmen und Verhaltensregeln. Zu einer organisierten Fairteilung der abgeholten Sachen darf aber jede*r kommen – ohne Bedürftigkeitsnachweis oder so.

Dass ich seit gut einem halben Jahr aktiv dabei bin, hat nicht nur meine Einstellung zu Lebensmitteln geschärft. Mein Engagement hat auch unseren Speiseplan auf den Kopf gestellt. Habe ich vorher oft erst überlegt, was ich kochen möchte und dann eingekauft, gucke ich heute meist, was es beim foodsharing so gibt und lasse mir dann was Passendes einfallen.

Kleines „foodsharing“-Frühstück 😉

Nudeln á la foodsharing

Das Angebot ist jede Woche anders: Gemüse, Brot, Obst und Joghurt gibt es fast immer. Dazu gab es schon Würstchen und Hot-Dog-Brötchen, Senf, Eimerweise Ketchup und Milchreis, Fetakäse, Hamburger-Soße, Parmesan und sogar Honig – alles problemlos genießbar.

Ein paar Wochen hintereinander gab es immer wieder Radieschen. Eine Idee musste her… Einmachen war die lecker Lösung.

Ist das Obst schon etwas reifer, verarbeite ich es sofort – zu Stangeneis, Obstsalat oder einem reichhaltigen Smoothie.

Neben dem guten Gefühl, Lebensmittel gerettet zu haben, liebe ich es inzwischen auch, mich von dem, was es gibt, inspirieren zu lassen. Als es eine Zeit lang eine regelrechte Radieschenflut herrschte, habe ich zum Beispiel angefangen, sie einzumachen – und freue mich seitdem immer auf die scharfen roten Kugeln. Ich weiß inzwischen auch, dass man frisch geschnittene Paprika und sogar ganze Bananen prima einfrieren kann und Pastinaken und Mairübchen super als Rohkost schmecken. Zu geliebten Klassikern gehören Ofengemüse und Fruchtshakes. Zweiteres hat sich inzwischen als Belohnung für das Anstehen bei der Ausgabe etabliert: Alles Obst, was schon deutlich reifer ist, wird kleingeschnitten, Hafermandelmilch, ein bisschen Honig dazu und ab in den Mixer. Einfach nur lecker!

Ihr wollt mehr über foodsharing wissen? Kommt einfach am 13. September, 10-14 Uhr zum Kulturhof (Große Straße 42-44) in Flensburg. Dort stellt sich die foodsharing-Gruppe im Rahmen eines Aktionstages „Flensburg erleben“ vor. Infos kompakt gibt es auch unter www.foodsharing.de

 

Und hier noch mein Rezept für die eingelegten Radieschen

(für ca. 20 Radieschen)

  • 300 ml Weißweinessig
  • ½ L. Wasser
  • 100 g Kandiszucker (ich nehme immer den braunen)
  • 2 TL Salz
  • 2El Pfefferkörner
  • 1 EL Senfsaat
  • 2 Lorbeerblätter
  • 4 Gewürznelken

Alles zusammen aufkochen. Nebenbei Radieschen waschen, in dünne Scheiben schneiden und in ausgekochte Schraubgläser füllen. Die Gläser mit dem heißen Sud auffüllen und auf den Kopf stellen, bis es „ploppt“. Schon nach ein paar Tagen einfach lecker zu Salat oder auf Brot mit ein bisschen Frischkäse oder Quark.

Lasst es euch schmecken!

Imke

Ich bin Imke, studierte Germanistin, gebürtige Nordrhein-Westfälin und überzeugte Wahl-Schleswig-Holsteinerin. Ich habe im Norden mein Zeitungsvolontariat gemacht und weiß seither, dass ich „ans Wasser“ gehöre. Nach Zwischenstationen in Köln, Bamberg, Bayreuth und Oldenburg in Niedersachsen lebe ich seit 2014 mit Mann und Hund (wieder) im nördlichsten Norden – in Flensburg. Ich liebe es, direkt vor der Haustür zu Fuß auf Entdeckungstouren zu gehen und zähle seit 2018 zur Spezies der Camper. Wo unser erster Mini-Wohnwagen steht? Natürlich in Schleswig-Holstein!

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