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Vier Wochen gelbe Pracht – Rapsblüte in Schleswig-Holstein

  • 26. April 2020
  • Von Deichdeern
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Vier Wochen gelbe Pracht – Rapsblüte in Schleswig-Holstein

Wenn man Nicht-Schleswig-Holsteiner fragt, was sie mit unserem Bundesland verbinden, dann fallen meist Begriffe, die das Landschaftsbild beschreiben, ja gar prägen: „Land zwischen den Meeren“, „Deiche und Wind“ oder auch ganz schlicht die „gelbe Rapsblüte“. Die ersten goldleuchtenden Rapsfelder sind in Schleswig-Holstein zu sehen. Die Rapsblüte ist in diesem Jahr früher als im Vorjahr gestartet. Doch „der Raps kann Regen brauchen“, sagt Jenny Matthiesen vom Bundessortenamt. Raps ist nach Winterweizen und Wintergerste die drittwichtigste Winterfeldfrucht in Schleswig-Holstein. Zuvor war er seit 1987 immer auf Platz zwei hinter Winterweizen gewesen. Damals lag die „normale Anbaufläche“ von Winterraps im Land bei bis zu 100.000 Hektar. Erstmals 2019 lief ihm die Wintergerste diesen Rang ab. Nach einer Prognose des Statistikamts Nord wird in diesem Jahr Raps auf 65.200 Hektar geerntet.  Selbst Nicht-Landwirte spüren, dass der Rapsanbau in diesem Jahr stark abgenommen hat und kaum noch etwas gelb leuchtet am Feldrand. Ich habe mich mal auf die Suche nach Antworten begeben und dazu für euch Jenny Matthiesen interviewt.

Jenny ist eine wahre Perle. Kennengelernt habe ich sie, da hat sie noch eine Lehre gemacht in der Rapszüchtung und ich war Schülerin an der Landfrauenschule in Hademarschen. Das ist nun 10 Jahre her. Wir beide hatten eine große Leidenschaft für trockenen Humor, Cola-Korn und lange Tresengespräche. Mittlerweile ist sie nach Niedersachsen gezogen und arbeitet beim Bundessortenamt. Dort werden alle Sorten, die auf den Markt kommen sollen, nach intensiver Prüfung zugelassen – oder nicht. Darüber entscheidet einmal jährlich ein Gremium, die sogenannten Sortenausschüsse. Jenny und ihre Kollegen sind also eine Art Türsteher für Sorten.

Jenny, first Things first: Was wird eigentlich aus Raps hergestellt?

Raps verbindet jeder mit Rapsöl. Inzwischen ist es eines der beliebtesten Speiseöle in den deutschen Küchen. Aus dem Öl kann nicht nur Speiseöl hergestellt werden, sondern auch Biokraftstoff gewonnen werden. Aus dem Rapsschrot kann wiederum hochwertiges Proteinfutter für die Futtermittelindustrie produziert werden.

Und warum wird Raps überhaupt bei uns angebaut?

Laut dem Statistischen Bundesamt ist der Rapsanbau in Schleswig-Holstein seit 2013 rückgängig. Einer der Hauptgründe ist meiner Meinung nach der Wegfall der Neonicotinoide* und das Wetter. [*Erklärung: Neonicotinoide sollen bestimmte für den Raps schädliche Insekten davon abhalten, diesen zu befallen.]

Der Einsatz des Zungenbrecher-Pflanzenschutzmittels wurde 2013 eingeschränkt und ist nun komplett verboten. Das hatte zur Folge, dass der Raps zur Aussaat nun keinen insektiziden Schutz mehr hat. Das ist in etwa mit einer Impfung für Neugeborene zu vergleichen. Besonders der Rapserdfloh kann den Raps in dem frühen Stadium stark schädigen. Landwirte müssen fast täglich den Zuflug kontrollieren. Sind sie zu spät, kommt es im schlimmsten Fall zum Umbruch, das bedeutet, dass der Raps raus muss und eine neue Frucht rein. Der Rapsanbau ist somit mit einem immer höheren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verbunden. Ein Argument für den Rückgang der Anbaufläche.

Ein zweiter wichtiger Punkt ist das Wetter zur Aussaat. Der optimale Zeitpunkt dafür liegt zwischen dem 20. und 30. August. Wenn zu diesem Zeitpunkt die Witterung nicht passt, es beispielsweise viel zu nass ist, können die Flächen nur teilweise oder gar nicht befahren werden. Das Zeitfenster gilt es einzuhalten, sonst gibt es erhebliche Einbußen. Im vergangenen Jahr waren die Bedingungen super, wenn es auch sehr, sehr trocken war.

Aber Sonne ist ja per se nicht schlecht, oder?

Nein, das nicht, aber die Temperatursprünge wie vor zwei Jahren zum Beispiel mag er garnicht. Der Raps ist ein Kämpfer und kann allgemein sehr viel kompensieren, aber irgendwann gibt auch er auf. Dieses Jahr blüht er hervorragend, aber wenn es weiter so trocken bleibt, werden wir nicht lange gut haben von der Blüte. Das wäre vor allem schlecht für die Bienen. A propos, ich habe gerade bei Instagram einen Post gesehen von Marius, einem Junglandwirten aus Schleswig-Holstein, der sich dazu äußert. Schaut da gern mal lang. Es ist nämlich etwas komplexer.

https://www.instagram.com/p/B_Xg4NrIzsm/

Na, klar! Also erstens: Raps ist eine Kreuzung aus Kohl & Rübse und gehört zur Familie der Kreuzblütler wie auch Ölrettich und Gelbsenf. Zweitens, der Pollen des Rapses ist wertvoller Lieferant für unsere Bienenvölker. Und drittens: Raps ist wichtig für die Fruchtfolge und kann als Vorfrucht zu Winterweizen für eine Ertragssteigerung sorgen.

Schauen wir mal in die Zukunft. Haben wir irgendwann weniger oder gar keine gelb blühenden Pflanzen mehr hier?

Schwer zu sagen. Der Rapsanbau wird es auf jeden Fall nicht leicht haben in den kommenden Jahren. Der Schutz der Pflanzen muss intensiviert werden, die Preise auf dem Markt sind zurzeit auch nicht rosig. Ein Landwirt muss schon gut kalkulieren für seinen Rapsanbau.

Blüht denn der Raps zweimal oder was sehe ich zunehmend häufiger im Herbst gelb blühen auf den Äckern? Das war doch früher noch nicht so…

Inzwischen sieht man im Herbst gelbblühende Felder, das stimmt. Das ist aber kein Raps, sondern Gelbsenf oder Ölrettich. Diese werden als Zwischenfrüchte genutzt vor Zuckerrüben, Kartoffeln oder Mais. Zwischenfrüchte dienen der Förderung der Bodenfruchtbarkeit und verbessern die Bodenstrukur. Gleichzeitig werden Nährstoffe konserviert und der Boden vor Erosionen geschützt. Also ne super Sache – und schön sieht es auch noch aus.

Dein Wunsch für die Zukunft?

Ich hoffe auf bessere Zeiten für den Rapsanbau, um den Bienen ihren so wichtigen Lebensraum zu erhalten.

Vielen Dank für das Interview, Jenny.

Also, ich werde erstmal mein Lastenrad vorbereiten und gleich ein Picknick am Rapsfeldrand machen.
Wie sieht es mit euch aus?

Schönen Sonntag,
eure Deichdeern

Deichdeern

Moin, ich bin Julia! Ich lebe mit meiner Familie im Herzen Nordfrieslands und schreibe seit 2015 als Deichdeern auf meinem gleichnamingen Blog über alles, was mein Landherz höher schlagen lässt. Ich mag den Blick über den eignen Tellerrand - pardon Deich - und nehme euch deshalb gern mit auf einen Entdeckungstörn durchs heimische Gewässer, unserem schönen Schleswig-Holstein. Mein Schreibstil und mein Charakter sind sich sehr ähnlich: Authentisch. Ehrlich. Norddeutsch geradeaus. Ohne viel Schnickschnack. Also, Leinen los!

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