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Überall Nisser! Weihnachten auf dänisch

  • 5. Dezember 2021
  • Von Imke
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Überall Nisser! Weihnachten auf dänisch

Es weihnachtet – und das natürlich auch bei unseren dänischen Nachbarn. Wird in Dänemark eigentlich anders gefeiert als bei uns? Meine deutsch-dänische Freundin hat für mich auf dem Dachboden ihrer Eltern nach altem Weihnachtsschmuck gekramt Und wir haben uns zusammen zum Julehygge, einem Weihnachtsbasteln im dänischen aktivitaetshuset – einer Art Mini-VHS –, angemeldet.

Mein erstes Fazit: Dänische Weihnachten sind leckersüß und rot-weiß wie die dänische Nationalflagge, die gern auch mal in Miniatur als Schmuck im Tannenbaum hängt. Die Regie über die Weihnachtstage haben die Julenisser, kleinen Wichtelkobolde, die für ihre Dienste als Gegenleistung risengrød (süßen Reispudding) erwarten. Es heißt, selbst die dänische Königin Margrethe II. von Dänemark stellt den Kobolden immer ein Schüsselchen damit auf den Dachboden. Besser ist das, denn behandelt man die kleinen Wesen mit den Knubbelnasen und den tief ins Gesicht gezogenen roten Mützen nicht gut, fangen sie an, sich ihre Zeit mit kleinen Streichen zu vertreiben. Oder sie verlassen womöglich sogar das Haus, das sie sonst immer gut beschützen.

Aber nicht nur die Julenisser haben einen festen Platz in der dänischen Weihnachtszeit. Auch der rot-weiße Dannebrog gehört – wie auch an Geburtstagen – an Weihnachten zur Dekoration. In Deutschland undenkbar, hängt die Nationalflagge in Miniatur sogar als festlicher Schmuck im Weihnachtsbaum. Direkt neben den selbst gebastelten Julehjerter (Weihnachtsherzen) – traditionell auch in rot-weiß.

Apropos Julehjerter. Die sind zwar in eindimensional unkompliziert, aber als „Tüte“ eine ganz schöne Pfriemelie, denn der Teil mit den rot-weißen Quadraten wird geflochten. Wer es ausprobieren möchte – Anleitungen gibt es zahlreiche im Internet – sollte unbedingt nicht so festes Papier nehmen. Tonpapier ist einfach nicht biegsam genug, und wer will bei der Weihnachtsbastelei schon ständig fluchen…

Einfacher waren die Basteleien beim Julehygge. Das Motto: schnell, unkompliziert und mit viel Spaß. An den einzelnen Stationen haben wir ein Kerzengesteck mit Tannengrün gemacht, einen Kerzenständer aus einem Holzblock gesägt und angeflammt und Tannenbaumschmuck aus Glasmosaik geklebt. Vielleicht nicht besonders dänisch, aber dafür besonders hygge!

Eine dänische Besonderheit habe ich allerdings beim Gesteckbasteln kennengelernt: Die Kalenderkerzen. Das sind meist sehr hohe Kerzen, auf denen von oben nach unten die Zahlen 1 bis 24 aufgedruckt sind. Ab dem 1. Dezember wird dann jeweils das Stück Kerze bis zur nächsten Zahl abgebrannt – ein Kerzenadventskalender sozusagen.

So richtig dänisch wurde es dann auch noch in den Pausen, denn da wurden Æbleskiver serviert – mit Puderzucker und roter Marmelade. Æbleskive sind kleine runde Küchlein, die an Pförtchen erinnern und in einer speziellen Pfanne gebacken werden. Wer in Grenznähe wohnt, bekommt sie aber auch in der Tiefkühlabteilung im Supermarkt.

Apropos Essen… Es gibt eine dänische Weihnachtstradition, die mir besonders gut gefällt, denn sie ist gleichzeitig ein bisschen wie Lose ziehen. Es geht um den süßen und sehr gehaltvollen Nachtisch Risegrød. Diese Milchspeise, die auch die Nisser als Entlohnung fordern, kommt am ersten oder zweiten Weihnachtstag nach dem Hauptgang auf den Tisch. In der großen Schüssel Risegrød wird eine Mandel versteckt – und zwar tatsächlich nur eine. Denn: Wer die Mandel am Ende in seinem Schälchen findet, bekommt ein kleines Geschenk. Diese Tradition ist natürlich besonders bei Kindern beliebt.

Die Weihnachtstage starten in Dänemark übrigens schon am 23. Dezember, denn vor dem Juleaften (Weihnachtsabend) feiern unsere Nachbarn schon einmal der lille Juleaften (kleiner Weihnachtsabend). Am lille Juleaften wird traditionell der Weihnachtsbaum geschmückt – statt mit Lametta eben gern mit Girlanden aus Miniatur-Dannebrogs.

Am eigentlichen Weihnachtsabend steht dann traditionell Gans-, Ente- oder Schweinbraten auf dem Tisch, dazu Rotkohl und in Zucker glasierten Kartoffeln (brune Kartofler) , alles mit brun sovs, einer braunen Bratensoße, zu der ich persönlich gar keinen Braten mehr brauche, so lecker ist sie.

Nach dem Essen tanzt die ganze Familie Hand in Hand um den Weihnachtsbaum und singt Weihnachtslieder. Im dänischen Roklub, in dem ich Mitglied bin, sind wir vor zwei Jahren zu Weihnachten gleich Hand in Hand durch das gesamte Clubhaus getanzt – keine schlechte Idee nach all dem Essen. Erst nach Tanz und Gesang gibt es dann auch in Dänemark Geschenke.

In diesem Sinne: Jeg ønsker dig en glædelig jul og godt nytår!

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Rezept für Risegrød (auch: Ris a la mande)

  • 125 g Milchreis
  • 30 g Zucker
  • 1 l Milch
  • 500 ml Sahne
  • 100 g Mandeln (gehackt)
  • 1 ganze Mandel ganz
  • 1 GlasKirschen
  • 1 P Vanillepudding

 

Und so geht es

  1. Milchreis mit Zucker und Milch ca. 1 Stunde köcheln – dabei immer wieder umrühren, sonst brennt es an. Danach den Reis auskühlen lassen, bis er etwa schnittfest ist.
  2. Kirschen abgießen und den Saft mit Wasser auffüllen, bis ihr 500 ml Flüssigkeit habt.
  3. Puddingpulver in 2 EL der Flüssigkeit anrühren. Den Rest zum Kochen bringen und dann das angerührte Puddingpulver einrühren.
  4. Jetzt kommen auch die Kirschen in den Pudding.
  5. Sahne steif schlagen, kalten Milchreis einmal durchrühren und dann die Sahne unterheben.
  6. Gehackte Mandeln und 1 (!) Mandel unter den Reis rühren und Milchreis mit Kirschpudding (gern heiß)servieren.

Und vergesst nicht das kleine Geschenk für die/den Mandelfinder*in!

Imke

Moin, mit Jahrgang 1972 bin ich die „Seniorin“ in der Neuen Etage und fühle mich in dieser besonderen WG pudelwohl. Geboren in Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen) habe ich mich schon während meines Zeitungsvolontariats in den Norden verliebt. Nach ein paar Umwegen über Köln, Bamberg, Bayreuth und Oldenburg (Nds.) bin ich 2014 samt Mann und Hund (wieder) in Schleswig-Holstein angekommen. Inzwischen leben wir in Harrislee, einer Gemeinde direkt an der dänischen Grenze und nur einen Katzensprung von Flensburg entfernt. Wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, gehe ich am liebsten direkt vor der Haustür zu Fuß auf Entdeckungstouren oder powere mich im Kajak auf der Förde aus.

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