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Testfahrt mit E-Lastenrad: Karla Kommod und ich

  • 30. September 2020
  • Von Imke
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Testfahrt mit E-Lastenrad: Karla Kommod und ich

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Mein erstes Date hieß Fiete Flitz. Fiete ist ein langer Kerl, ein Zweiräder. Unsere Begegnung auf dem E-Mobilitätstag in Flensburg verlief etwas wackelig. Ich war unsicher. Dann lernte ich Karla Kommod kennen. Nach einigen Annäherungsschwierigkeiten sorgten ihre drei Räder für eine deutlich stabilere Beziehung. So richtig Aufwind bekam unsere junge Freundschaft dann auf unserer erste „Bergfahrt“ mit Wocheneinkauf. Aber alles von Anfang an…

Fiete Flitz, Karla Kommod, Käte Lasten, Onkel Hinnerk, Lütt Bagalutt, Frachten Hugo und Trude Twilling – die Namen der Leihräder von den Flensburger Fjordbewegern haben es mir schon lange angetan. Begegnet bin ich ihnen immer nur im Vorbeifahren. Mit Muskelkraft und Packtaschen komme ich bisher noch ganz gut zurecht. Kurz: Echten Bedarf habe ich nicht.

Fjordbeweger-Mitbegründer Timo Schmidt mit Fiete Flitz.

Neugierig bin ich aber schon, und außerdem finde ich die Fjordbeweger einfach klasse: 2018 ist das Projekt des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Schleswig-Holstein e. V. mit drei Rädern gestartet. Inzwischen gehören sieben Leihräder zum Fuhrpark, darunter mit Trude Twilling auch ein echt integratives Rad: Trude ist ein Dreiradtandem, auf dem die Nutzer nebeneinandersitzen. Eine Person lenkt, beide können treten. Das eröffnet auch für mobilitätseingeschränkte Personen die Chance auf eine komfortable Radtour durch die Fördestadt.

Aktuell sorgen rund zehn Ehrenamtliche dafür, dass die Räder in Bewegung bleiben. Unterstützt werden sie dabei vom Klimapakt der Stadt, Flensburger Unternehmen und Institutionen. Sie alle ermöglichen, dass Flensburger kostenlos ein Lastenrad leihen können. Gebucht wird online – und jeweils für einen Tag.

Der Blog hat schließlich den Anstoß gegeben für meine Premiere mit E-Lastenrad. Schließlich sollte, wer über die Fjordbeweger schreiben möchte, auch mit ihnen gefahren sein. Die zwei Minuten auf dem Parkplatz mit Fiete gelten da nicht.

Also entscheide ich mich nach dem für mich eher wackeligen Rendévous mit dem Zweiräder für die dreirädige Karla Kommod. Allein ihr Name verspricht stabile Gemütlichkeit. Die Online-Buchung geht schnell und unkompliziert.

Karlas „Zuhause“ ist der E-Bikeshop promovec in der Westerallee.

Karla steht etwas außerhalb der Innenstadt bei promovec, einem Flensburger E-Bikeshop. Ein Mitarbeiter erklärt mir die Funktion, bestückt Karla mit einem frisch geladenen Akku und dann gehört Karla mir – einen ganzen Tag.

Meine ersten vorsichtigen Runden drehe ich noch auf dem Parkplatz. Ojeh! Jetzt verstehe ich, was der promovec-Mitarbeiter meinte: Karla nimmt jedes Schlagloch mit allen drei (!) Rädern mit, und leicht schräge Wege, die ich auf zwei Rädern sofort ausgleiche, kriege ich auf ihr voll zu spüren. Da hilft nur eines: Wie ein Motorradfahrer ein bisschen in die entgegengesetzte Richtung lehnen.

Die ersten Meter werde ich mehrfach von unmotorisierten Radlern überholt. Liegt wohl daran, dass ich mich noch nicht recht traue und nur mit minimaler Unterstützung fahre.

Erst etwas wackelig, aber nach und nach gewöhnen wir uns aneinander.

Karla beansprucht deutlich mehr Platz als mein „normales“ Fahrrad. Da kann es bei Gegenverkehr schon einmal eng werden.

Apropos Überholen: Mit ihren zwei Rädern vorne ist Karla eher vollschlank und nimmt den Großteil der in Flensburg meist nicht gerade besonders breiten Radwege für sich in Anspruch. Fahre ich allerdings auf der Straße, staut sich hinter mir der Verkehr. Die Folge: Ich komme trotz Elektroantrieb ganz schön ins Schwitzen und wünsche mir mein wendiges, einfaches Reiserad unter den Hintern.

Aber so schnell gebe ich nicht auf!

Bis wir beim Supermarkt sind, habe ich deutlich an Sicherheit gewonnen. Als ich feststelle, dass in Karlas Box weit mehr passt, als in meine zwei Radpacktaschen, mit denen ich normalerweise unterwegs bin, fängt sie an, Pluspunkte zu sammeln.

Jede Menge Platz: Karla nimmt loker den Inhalt von Rucksack und zwei Packtaschen auf!

Normalerweise nehme ich einen Umweg. Mit Karla geht auch die Abkürzung mit Steigung.

Am ersten Flensburger „Berg“ bekommt unsere frische Beziehung dann so richtig Schwung: Ist schon kommod, so vollbepackt die lange Steigung zu nehmen. Inzwischen habe ich auch verinnerlich, dass ich an einer Ampel nicht mehr wie gewohnt vom Rad absteigen muss. Auf Karla kann ich einfach sitzenbleiben – den drei Rädern sei Dank!

Auch im Stehen kann man sitzen bleiben: der Vorteil eines Dreirades!

Auf dem Rückweg unserer Einkaufstour sind Karla und ich schon ein eingefahrenes Gespann. Die letzten Kilometer zurück bis zu ihrer Verleihstation brause ich dann mit voller Unterstützung jedem unmotorisierten Radler davon. Eine super Sache, so ein E-Lastenrad. Und dann auch noch zum kostenlosen Leihen. Karla und ich haben sicher nicht zum letzten Mal ein paar Stunden miteinander verbracht. Und ihre Kumpels von den Fjordbewegern will ich jetzt auch noch besser kennenlernen…

Meine neue Freundin: Karla Kommod

Die Fjordbeweger – Freie Lastenräder für Flensburg: www.lastenrad-flensburg.de

Imke

Ich bin Imke, studierte Germanistin, gebürtige Nordrhein-Westfälin und überzeugte Wahl-Schleswig-Holsteinerin. Ich habe im Norden mein Zeitungsvolontariat gemacht und weiß seither, dass ich „ans Wasser“ gehöre. Nach Zwischenstationen in Köln, Bamberg, Bayreuth und Oldenburg in Niedersachsen lebe ich seit 2014 mit Mann und Hund (wieder) im nördlichsten Norden – in Flensburg. Ich liebe es, direkt vor der Haustür zu Fuß auf Entdeckungstouren zu gehen und zähle seit 2018 zur Spezies der Camper. Wo unser erster Mini-Wohnwagen steht? Natürlich in Schleswig-Holstein!

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