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Abgetaucht im Puzzle-Flow

  • 17. November 2021
  • Von Imke
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Abgetaucht im Puzzle-Flow

Ich bin abgetaucht. Seit vier Tagen hocke ich jeden Feierabend – und manchmal auch schon in der Mittagspause – vor unserem Wohnzimmertisch. Wühle in einem Haufen mit kleinen Pappteilen mit geraden und schrägen Ecken und Kanten. Betrachte die unterschiedlichsten Ausbeulungen und staune über die unendlich vielen Varianten von „Nasen“. Ich sortiere die Teilchen grob nach Farben und Farbnuancen. Und jubele, wenn sich zwei Stücke ohne jedes Knirschen ineinander drücken lassen. Kurz: Ich bin im Puzzle-Flow!

Fast ein Jahr lang hat mein Moomin-Puzzle unbeachtet im Spieleschrank gelegen. Erst als ich neulich aussortiert habe, ist mir der Karton wieder in die Hände gefallen. Gefüllt mit 1.000 kleinen Puzzleteilen – laut Recherche ein Anfängerpuzzle.

Puzzle-Produzent Ravensburger, hat als größtes in Serie hergestelltes Puzzle eines mit 40.320 Teilen auf den Markt gebracht. Das fertige Bild ist am Ende rund 14 Quadratmeter groß.

Da bleibe ich lieber bei meinen Moomins. Wenn ich sie richtig zusammengesetzt habe, bekomme ich als Belohnung die ganze Bande aus dem Moomintal zu Gesicht: Moominmama, Moominpapa, Snorkfräulein, Klein My, Sniff und all die anderen aus den Kinderbüchern der finnischen Autorin Tove Jansson, die ich schon immer gern mochte.

Passt haargenau!

Ich ziehe den Kartondeckel ab und befreie die 1.000 Pappteilchen aus ihrem Plastikbeutel. Ab jetzt startet jede*r ihre/seine eigene Puzzle-Philosophie. Denn puzzeln ist nicht gleich puzzeln!

Die einen fangen gleich mit dem Sortieren an. Sie bilden kleine Farb- und Musterhäufchen, die sie strategisch günstig auf Tisch oder Fußboden verteilen und puzzeln dann farbweise los. Die anderen starten mit einem besonders auffallenden Motiv aus dem Puzzle, für das die Teile verhältnismäßig leicht zu finden sind und arbeiten sich das bis zu den schwierigeren Flächen vor.

Wenn du dich immer gefragt hast, ob wirklich nur ein Teil an eine bestimmte Stelle passt: Ein großer Puzzlehersteller informiert auf seinen Seiten darüber, dass tatsächlich jedes Puzzleteilchen ein Unikat ist. Rund 160 Arbeitsstunden dauert es demnach auch, die Stanzform für ein 1.000 Teile-Puzzle zu bauen.

Die meisten Puzzeler*innen setzen sich vor den unterschiedlichen Strategien einen Rahmen für ihr Projekt. Genau genommen DEN Rahmen. Vorteil dabei: Man weiß, ob die gewählte Puzzlefläche überhaupt groß genug ist. Alternativ kannst du natürlich auch vorher ausmessen. Die Größe steht meist auf der Verpackung.

Auch so eine Frage der individuellen Puzzle-Einstellung ist der Einsatz von Hilfsmitteln. Es gibt Puzzletische, Puzzle-Sortierboxen, Puzzletische mit integrierten Sortierflächen, Puzzlematten, mit denen sich das Puzzle nach dem Tageswerk zusammenrollen lässt. Und es gibt Puzzlekleber für alle, die das gepuzzelte Bild anschließend auf ewig verbunden an die Wand hängen möchten.

Ich fange immer mit dem Rahmen an. Ich mag einfach Projekte mit klaren Begrenzungen. Ist der Rahmen gesetzt, sortieren ich zwar auch ein bisschen, aber eher ohne echtes System. Ich puzzel mehr so vor mich hin. Es macht mir nichts aus, wenn ich dabei jedes Teil etliche Male in die Hand nehme und vom Kartondeckel in den Kartonboden sortiere und in der nächsten Runde wieder zurück. Ich bin ja nicht im Zeitstress. Ich bin im Puzzle-Flow. Ein Puzzle-Wwttbewerb (ja, die gibt es wirklich)? Nichts für mich!

Bei meinem Moomin-Puzzle stellt sich schnell raus: Die Figuren drängeln sich in den Vordergrund. Sie wollen gepuzzelt werden. Blumenwiese? Das geht auch später! Also such ich die Teile für Klein My & Co., bis sie vor mir auf dem Tisch erscheinen.

Ich finde es jedes Mal total spannend, wie sich meine Sinne während des Puzzelns schärfen und auf die Aufgabe einstellen. Sind die gelben Teile am Anfang noch alle eben gelb, erkenne ich nach ein paar Stunden die feinsten Nuancen. Nein, dieses gelb passt nicht zu dem anderen. Die Teile liegen nicht nah beieinander.

Spätestens, wenn ich angesichts eines unförmigen schwarzen Strichklekses auf einer ansonsten weißen Fläche absolut sicher bin, dass das ein Auge von Moominmama ist, weiß ich, dass ich im Puzzle angekommen bin. Und dann dieses Gefühl, wenn sich ein lang gesuchtes Stück mit ein bisschen Druck wie selbstverständlich in die Lücke schmiegt. Glücksflash pur, sage ich euch!

Natürlich gibt es auch die Momente, an denen ich mir ganz sicher bin: Das Teil fehlt. Ich muss es verloren haben oder – noch viel schlimmer – es war nie in dem Beutel! Diesmal ist es ein Stück aus dem Rahmen, das sich erst am zweiten Tag zu erkennen gibt.

Die Katze ist fertig. Genug für heute. Gute Nacht…

Ich puzzel übrigens pur, also ganz ohne Hilfsmittel. Tisch und der Karton – mehr brauche ich nicht. Nach getaner Arbeit nehme ich dann alles wieder auseinander, trenne die Teile und fülle sie wieder in den Karton – bis zum nächsten Mal…

Imke

Moin, mit Jahrgang 1972 bin ich die „Seniorin“ in der Neuen Etage und fühle mich in dieser besonderen WG pudelwohl. Geboren in Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen) habe ich mich schon während meines Zeitungsvolontariats in den Norden verliebt. Nach ein paar Umwegen über Köln, Bamberg, Bayreuth und Oldenburg (Nds.) bin ich 2014 samt Mann und Hund (wieder) in Schleswig-Holstein angekommen. Inzwischen leben wir in Harrislee, einer Gemeinde direkt an der dänischen Grenze und nur einen Katzensprung von Flensburg entfernt. Wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, gehe ich am liebsten direkt vor der Haustür zu Fuß auf Entdeckungstouren oder powere mich im Kajak auf der Förde aus.

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