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Kleine Apfelkunde

  • 19. September 2021
  • Von Johanna
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Kleine Apfelkunde

Weltweit gibt es Schätzungen zur Folge etwa 20.000 Apfelsorten. Etwa vierzig davon finden sich im Naturerlebnisraum Kollhorst in Kiel. Gepflegt werden sie vom Verein Akowia, der sich den Schutz und die Erhaltung von Streuobstwiesen zum Ziel gesetzt hat. Seit ein paar Jahren führt der „Pfad alter Apfelsorten“ interessierte Besucher*innen über das Gelände des Naturerlebnisraumes und bringt ihnen das beliebte Obst näher.

Ich gehe hier gern mit dem Hund spazieren und nehme mir jedes Mal auf’s neue vor endlich mal das Rezept von der Infotafel des „Pfannkuchenapfels“ nachbacken, wenn ich nach Hause komme. An diesem sonnigen Spätsommertag streife ich jedoch nicht allein über das Gelände, sondern habe Gesellschaft von Jan-Hajo Teten vom Verein Akowia, der mich mit in die Welt der Äpfel nimmt.

Die Idee für den Apfelpfad war es einen Pfad zu schaffen, der durch den gesamten Naturerlebnisraum Kollhorst führt. Das Gelände erstreckt sich von dem alten Fachwerkhaus auf dem Gelände eines ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes bis auf die Fläche der ehemaligen Kieler Stadtgärtnerei. Dazwischen liegen Bauerngärten, Kuhweiden und Bienenstöcke, die von den Besucher*innen entdeckt werden wollen. Der Pfad verbindet all diese Stationen und damit auch einen schönen Spaziergang mit ganz viel Wissen. Einige der Bäume stehen hier noch aus Zeiten, als der Hof um Kollhorst herum noch von einem Landwirt bewirtschaftet wurde, andere stammen noch aus der Zeit der alten Stadtgärtnerei, wieder andere wurden frisch gepflanzt und ein kleiner Apfelbaum ist ein kleines Zufallsprodukt.

Wir starten unsere Tour beim Holzapfel „Malus Silvestris“ – der Apfel aus dem früher Met gemacht wurde. Dieser wird oftmals als der Urapfel bezeichnet. Das ist allerdings nicht ganz richtig. Den kleinen, sauren Holzapfel gibt es zwar schon seit Wikingerzeiten, der Ursprung für unsere kultivierten Apfelsorten ist er allerdings nicht. Der Ursprungsapfel für die Apfelsorten, die wir heute im Garten, auf dem Markt oder in der Auslage des Supermarktes finden, ist der Asiatische Wildapfel (Malus sieversii).

Aus diesem Asiatischen Wildapfel, der seinen Ursprung im Kaukasus hat, sind die Apfelsorten entstanden, die wir heute kennen. Unter anderem auch einer von Jan-Hajos Lieblingsäpfeln, der nur wenige Meter entfernt steht. „Juwel von Kirchwerder“ heißt er – ein stattlicher, alter Baum – wahrscheinlich an die 70 Jahre alt – an dem knackige, rote Äpfel hängen. „In den kann man so richtig knackig reinbeißen. Der hat diese Süße!“ schwärmt er mir vor.

Apfelbäume können übrigens an die 100 Jahre alt werden – dieses Exemplar hat also, mit guter Pflege, noch ein paar Jahre vor sich. Das Ende eines Apfelbaumes erkennt man z.B. daran, dass große Äste absterben oder sich im Bodenbereich Pilze ansammeln „Dann kann man schon davon ausgehen, dass auch die Wurzeln rott sind.“ erklärt er mir. Aber nicht jeder Baum, der mal ein schlechtes Jahr hat, muss direkt gefällt werden. „Einer der Bäume hier stand vor ein paar Jahren ganz schlecht da, aber dem habe ich etwas Zeit gegeben und jetzt sieht er wieder gut aus.“ erklärt er mir und zeigt auf einen großen, stattlichen Baum, der früher der Hofbaum des landwirtschaftlichen Betriebes war.

Nur weil ein Baum stirbt, muss er jedoch nicht sofort entsorgt werden. „Das finde ich dann immer so schade. Viele Leute denken ja: der Baum ist tot, den nehmen wir weg. Man zerstört in dem Moment aber dann auch wieder einen kompletten Lebensraum.“ sagt er. Denn in Totholz siedelt sich schnell ganz neues Leben an.

Unser nächster Halt ist „Grahams Jubiläumsapfel“ – „Das ist so ein Massenträger.“ erklärt mir Jan-Hajo. Hier hängen die Äpfel dicht an dicht. Man möchte sich am liebsten sofort einen schnappen und reinbeißen – aber leider sind sie noch nicht ganz reif. Noch ein paar Wochen, dann wird geerntet.

Aber wie entsteht eigentlich so ein sortenreiner Apfelbaum? Man könnte nun meinen: Apfel essen, Kerne behalten, aussähen und zack wächst der nächste Apfelbaum der Sorte. So einfach ist es aber nicht. Denn: „Aus jedem Apfelkern ergibt sich ein neues Individuum mit eigener genetischer Zusammenstellung.“ Will man eine Edelsorte vermehren, schneidet man von ihr im Winter Reiser, also besondere Triebe, ab. Diese werden dann im Frühjahr an kleine Bäume gesetzt, die aus Samen gezogen wurden. Das Ganze wird umwickelt und mit etwas Glück wird aus zwei Teilen ein Baum. „Es gibt aber auch Exemplare,“ erklärt mir Jan-Hajo, „bei denen die Wurzel eine andere Sorte ist, als der Stamm und oben findet sich eine dritte Sorte.

Macht man das nicht, entsteht aus jedem Apfelkern, der keimt, ein neuer Apfelbaum. Die Sorten, die auf diesem Wege entstehen, sind jedoch selten besonders schmackhaft. „Meistens sind die eher ein bisschen hart, grün und sauer.“ sagt Jan-Hajo. So einen kleinen, grünen Gartenapfel findet man auch im Naturerlebnisraum Kollhorst. Jan-Hajo hat ihn beim Aufräumen eines Knicks gefunden. „Das ist keine Edelsorte. Der ist einfach so hier im Knick aus einem Apfelkern gewachsen.“ – theoretisch könnte man dieses Bäumchen jetzt nach sich selbst benennen und es als neue Sorte führen.

Alle Apfelsorten werden nämlich im Pomologen Verein geführt. Dort sitzen die Menschen mit dem Auge für den Apfel. „Die gucken sich die Äpfel alle an und bestimmen sie. Und manchmal kommt es auch vor, dass sie eine Sorte nicht kennen. Ist das über mehrere Jahre der Fall und der Apfel hat Qualitäten, wie Geschmack, Form oder Farbe, die ihn einzigartig machen, dann können sie akzeptieren, dass es sich um eine neue Sorte handelt.“ – so passiert das gerade bei dem „Akowia Apfel“, der von einer Baustelle gerettet und in den Naturerlebnisraum umgepflanzt wurde. „Das ist definitiv eine Edelsorte, aber keine, die wir bisher kennen.“ erklärt er mir. Dementsprechend gibt es aktuell Bestrebungen des Vereins diesen einzigartigen Apfel als eigenständige Sorte anerkennen zu lassen.

Eines haben die Äpfel hier auf dem Gelände jedoch gemeinsam: sie sind bald reif und können geerntet werden. Einige der Äpfel werden vom Verein im Rahmen von Führungen mit Kindern und Jugendlichen geerntet, der Großteil wird nach der Ernte zu Saft gepresst und verkauft. Wer auf dem Spaziergang mal verköstigen möchte, ist herzlich dazu eingeladen sich einen oder mehrere Äpfel zu pflücken, sobald diese reif sind und solange es im Rahmen bleibt.

Für alle, die selber einen Baum im Garten haben, aber nicht wissen, um welche Sorte es sich handelt, gibt es alljährlich die Kieler Apfelbörse, die in diesem Jahr am 25. September in der Kieler Innenstadt stattfindet. An der Holstenstrasse Ecke Europaplatz können Interessierte von 11-14 Uhr ihre Äpfel bestimmen lassen oder sich durch alte Apfelsorten probieren und diese gegen eine Spende mit nach Hause nehmen.

Alle Informationen zu der Veranstaltung findet ihr hier: https://www.akowia.de/termine/

 

Johanna

Ich bin Johanna, bin 30 Jahre alt und lebe im schönen Kiel. Ich bin ein gebürtiges Nordlicht und finde, dass es kaum einen schöneren Ort zum Leben gibt, als unser Bundesland zwischen den zwei Meeren. Ich liebe es mir an der See den Wind um die Nase pusten zu lassen – und das bei jedem Wetter. Ansonsten schlägt mein Herz für schönes Wohnen. Ich liebe gutes Design und baue auch gern mal das ein oder andere Möbelstück selbst.

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