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Klein aber oho! – Mircogreens aus dem Norden

  • 31. Januar 2021
  • Von Johanna
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Klein aber oho! – Mircogreens aus dem Norden

Na, hattet ihr früher auch immer eine kleine Schale mit Kresse in der Küche stehen? Ein bisschen Wasser, etwas Licht und Watte – schon wächst es. Meine Eltern haben solche Kresseschalen früher als Experiment für „klein Johanna“ aufgesetzt und ich habe den Samen dann über Tage beim Keimen zugesehen. Zum Abschluss der „wissenschaftlichen Beobachtungen“ gab es dann ein leckeres Butterbrot mit den Keimlingen.

Was für mich eine der schmackhaftesten Kindheitserinnerungen ist, ist inzwischen zum Trend in der Küche geworden. „Microgreens“ heißen die kleinen Keimlinge, die voll mit Vitaminen und Nährstoffen sind. Gekeimt werden hierfür schon lange nicht mehr nur Kressesamen. Rucola, Broccoli, Rote Beete – die Auswahl ist riesig. Felix Doobe aus Mönkeberg bei Kiel hat die kleinen Pflänzchen zum Geschäft gemacht. Mit der Verture Farm hat er eine Indoor-Farm ins Leben gerufen, in der er Microgreens anbaut und in lokalen Läden verkauft. Im Interview erzählt der 33-jährige Familienvater, wie es zu der Idee kam:

Ich habe einen Bachelor in Elektrotechnik und mache gerade meinen Master in Data Science. Ich interessiere mich für Ernährung, gutes Essen und Vertical Farming. Mein Startup Verture Farm verbindet meine technischen Skills mit meinen Interessen und schafft mir die Möglichkeit andere am guten Essen teilhaben zu lassen und etwas für die Zukunft zu schaffen.“, sagt er.

Felix Doobe (33) aus Mönkeberg bei Kiel hat mit der Verture Farm ein Startup für Microgreens gegründet. (Foto: Felix Doobe/Verture Farm)

Aktuell arbeiten in der Verture-Farm drei Mitarbeiter:innen. Neben Felix Doobe haben auch Alexander Rudolf und Jessica Biß ihre Finger mit im Spiel. Gemeinsam sorgen die drei dafür, dass rechtzeitig neue Greens heranwachsen und das diese rechtzeitig im Verkauf landen. Doch was unterscheidet einen Rucola-Keimling von ausgewachsenem Rucola?

Das besondere an Microgreens ist, dass Sie um das Äquivalent an Vitaminen zu ausgewachsen Gemüse zu erzeugen ca. 200 mal weniger Wasser und 90% weniger Zeit brauchen.“ erklärt Felix mir. „D.h. wir können mit sehr wenig Wasser und in geringer Zeit jede Menge an natürlichen Vitaminen erzeugen und das auf sehr kleinem Raum. Wenn man sich überlegt das z.B. die Rucola Microgreens 100 mal mehr Vitamin E enthalten als die ausgewachsen Rucola Pflanzen dann bräuchte man von den Microgreens nur 100 g essen um 10 kg Rucola zu essen. Das ist einfach klasse und ein Muss für jeden Speiseplan.“

Bis zur eigenen Microgreens-Farm war es jedoch ein langer weg. Nach dem Bachelor ging es für Felix erstmal für sieben Monate auf Weltreise.

„Eine Station war Japan und durch die Katastrophe in Fukushima sind die Leute dort sehr wählerisch mit Ihrem Essen. Teilweise wurde das Gemüse schon in den Restaurants angebaut. Ich hab das gesehen und dachte mir damals schon: klasse!

Eine weitere Station war Canada. Ich war zu Zeit der Legalisierung von Cannabis im Land und es herrschte eine Hochstimmung. Das interessante war das die meisten Indoor Farmen dort zu der Zeit auf LED umgestiegen sind. LED Pflanzenlampen verbrauchen ca. 40% weniger Strom um dieselbe Leistung zu erzeugen.“

Zuhause angekommen war für Felix klar: er möchte ein Startup gründen. Ziel von seinem Businesspartner und ihm war eine LED-Pflanzenlampe für Europa. Doch die Fianzierungsphase stellte sich als schwierig heraus – zu schwierig für das junge Unternehmen, welches schlussendlich zerbrach. Doch die Anstrengungen sollten nicht umsonst gewesen sein:

„In der Endphase bin ich über die Microgreens gestolpert. Geringe Einstiegskosten, wieder Verwendbarkeit der entwickelten LED Technologie, super lecker und Gesund, das waren die Argumente die mich sofort für das Thema begeisterten.“ erzählt Felix. „Ich habe mich dann sehr viel damit beschäftigt und ein eigenes Startup für Microgreens gegründet mit dem Zeil dieses tolle Produkt für jeden zugänglich zu machen. Denn ich wollte Microgreens essen und ich wollte das andere Microgreens essen und das all von den tollen Effekten Profitieren.“

Für den kommerziellen Anbau von Lebensmitteln benötigt man normalerweise ein großes Feld und schweres Gerät. Bei den Microgreens – das verrät bereits der Name   – geht das platzsparender. Wie sieht es denn bei euch in der Farm aus, will ich von Felix wissen:

Aktuell können wir in zwei Regalblocks auf 8 m² ca. 60 m² anbauen. Natürlich benötigen wir für die ganze Logistik drum herum auch Platz aber im Verhältnis zu Anbaufläche bleibt dieser Platz gleich während die Anbaufläche weiter wachsen kann. Unsere Farm benötig aktuell einen Platz von 50 m² mit allem. Da drin enthalten sind auch die 60m² Anbaufläche. Wir sind gerade bei einer Auslastung von  ca. 40% und wollen im nächsten Jahr gerne die auslastung auf 100% hochfahren um noch mehr Menschen in den Genuss von Microgreens kommen zu lassen.

Blick in die Indoor-Farm – platzsparend wachsen hier die Microgreens heran. (Foto: Felix Doobe/Verture Farm)

Während ich mir zwischendrin schonmal eine Stulle mit Frischkäse und einem Microgreen-Mix gemacht und diese für lecker befunden habe, möchte ich zum Abschluss natürlich auch noch wissen, welche der Microgreens Felix besonders gut schmecken.

Aktuell sind meine Lieblinge: Rucola, Rotkohl und Radieschen rot. Ich esse sie am meisten einfach überall mit drauf. D.h. einfach eine kleine Schale mit Greens zu jeder Mahlzeit mit auf den Tisch stellen und einfach überall mit rauf werfen. Gibt deinen Gerichten den extra Kick frische und natürlich auch die extra Portion Vitamine.“ sagt er, und gibt mir den Tipp auf den Weg doch mal Sommerrollen auszuprobieren.

Gesagt – getan.

Aus Reisnudeln, eingeweichtem Reispapier, etwas frischem Gemüse und gebratenem Räuchertofu habe ich mir ein paar schnelle Sommerrollen mit Microgreens gewickelt.

Dazu einfach die Reisnudeln nach Packungsanleitung zubereiten, Gemüse nach Wahl klein schneiden und Räuchertofu kurz anbraten. Dann die Reisblätter einzeln kurz in Wasser einweichen und anschließend belegen. Dazu gibt’s einen schnellen Dip aus Erdnussbutter, Wasser und einem Schuss Sojasauce. Sehr, sehr lecker!

 

 

Johanna

Ich bin Johanna, bin 30 Jahre alt und lebe im schönen Kiel. Ich bin ein gebürtiges Nordlicht und finde, dass es kaum einen schöneren Ort zum Leben gibt, als unser Bundesland zwischen den zwei Meeren. Ich liebe es mir an der See den Wind um die Nase pusten zu lassen – und das bei jedem Wetter. Ansonsten schlägt mein Herz für schönes Wohnen. Ich liebe gutes Design und baue auch gern mal das ein oder andere Möbelstück selbst.

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