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Frauen helfen Frauen Sandesneben | Die Frauenberatungsstelle im Herzogtum Lauenburg

  • 24. Mai 2022
  • Von Franzi
  • 0 Kommentare
Frauen helfen Frauen Sandesneben | Die Frauenberatungsstelle im Herzogtum Lauenburg

Triggerwarnung: In diesem Post geht es u.a um das Thema Gewalt an Frauen, aber auch darum wie bzw. wer in so einem Fall helfen kann. Wenn du dich gerade emotional nicht stabil für dieses Thema fühlst, lies am besten nicht/nicht alleine weiter, der Inhalt könnte dich stark belasten.

Ihr Lieben,

auch wenn wir hier in Schleswig-Holstein so idyllisch, ländlich und sicher leben, so trügt der Schein doch leider öfter, als uns das lieb wäre und es wäre vermessen anzunehmen, dass es Themen wie Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt hier nicht geben könnte.

Es gibt diese Gewalt. Zu oft.

Aber es gibt auch Menschen, die sich diesem Thema angenommen haben und Betroffenen aktiv helfen.

Menschen wie Miriam Peters, die 2020 – gemeinsam mit 10 weiteren Frauen – den Verein „Frauen helfen Frauen Sandesneben“ gründete und mit der Beratungsstelle „Land-Grazien“ DIE Anlaufstelle für betroffene Frauen, Kinder und Jugendliche im Herzogtum-Lauenburg ist.

Die Beratung bei den Land-Grazien ist unkompliziert, sicher und diskret. Diskret vor allem, weil es keine feste Beratungsstelle gibt, deren Adresse jede*r kennt.

Es gibt eine Beratung, die dahin kommt, wo ihr sie braucht.

Anonyme und diskrete Beratung

Die Beratung der Betroffenen findet in einem ausgebauten, anonymen und nicht erkenntlichem Beratungsmobil statt, mit welchem Miriam an die Orte kommt, die für betroffene Personen einfach erreichbar und sicher sind. Der Bus ist gemütlich ausgebaut mit einer Sitzecke, einem kleinen Ofen. Alle die in den Bus kommen, können sich sicher und aufgehoben fühlen. Es gibt Tee, Kaffee und Kekse, ein offenes Ohr, Hilfe und vor allem immer den Satz: „Ich glaube dir und hör dir zu!“

Bevor Miriam mit dieser Form der Beratung startete, gab es keine wirklich diskrete Form der Beratung im Landkreis bzw. deutschlandweit.

Gerade im ländlichen Bereich kann es fatal sein, auf dem Gang zu einer Beratungsstelle gesehen zu werden und diese Hürde überwinden viele Betroffene ihr ganzes Leben lang nicht.

Typischer Fall: Eine Frau geht zu einer Beratungsstelle und wird von anderen Menschen dabei beobachtet.

 

Sollte euch die Arbeit des Vereins – auch ganz grundsätzlich –  interessieren, auf den zugehörigen Social Media Kanälen des Vereins findet ihr sehr wichtige Präventionsarbeit, Tipps für den Notfall und immer ein offenes Ohr! Schaut also gern mal vorbei!

 

Für euch habe ich mit Miriam gesprochen und noch ein wenig tiefer hinter die Kulissen des Vereins und dessen Arbeit geschaut.

Liebe Miriam, was war der Hauptgrund für die Gründung des Vereins?

Der Hauptgrund für die Gründung des Vereins war der, dass wir für die Beratungsstelle einen Trägerverein brauchten. Bei uns lief das nämlich alles etwas anders herum als allgemein üblich. Als ich im Autonomen Frauenhaus in Lübeck gearbeitet habe, mussten wir aufgrund von knappen Ressourcen, Personal und Zeit, immer wieder Frauen aus dem Herzogtum abweisen. Das hat mich so sehr gestört, dass ich mal geresearched habe, was wir für Angebote bei uns im Kreis haben. Dabei stellte ich fest, dass wir keine flächendeckende Versorgung haben und das die Frauen, die in den ländlichen Gebieten leben, in der Vergangenheit vollkommen vergessen wurde. Also haben wir selbst ein Konzept geschrieben und sind auf die Suche nach einem Träger gegangen. Da das aber nicht geklappt hat, haben wir einfach einen neuen Verein gegründet.

Wo findest du immer noch Schwierigkeiten im Alltag der Beratungsstelle ?

Eine besondere Herausforderung im Alltag in der Beratungsstelle ist die Unterfinanzierung des Projektes. Wir werden zwar von Aktion Mensch mit 300.000€ aufgeteilt auf die nächsten 5 Jahre sowie vom Kreistag gefördert, aber das Geld reicht hinten und vorne nicht. Demnach sind wir ständig auf der Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, wie z.B. bei Stiftungen, Unternehmensspender etc. Die Suche und die Antragsstellung kostet uns jedoch sehr viel Arbeitszeit. Arbeitszeit, die wir eigentlich für die Frauen und Kids benötigen.

Wie sieht die Zukunft von FhF / den Land-Grazien aus?

Die Zukunft sieht spannend und aufregend aus 🙂 Derzeit kämpfen wir für den Erhalt einer nachhaltigen Landesfinanzierung. Diese Landesfinanzierung sollte natürlich nicht nur den Kreis Herzogtum-Lauenburg zur Verfügung stehen, sondern für das gesamte Bundesland Schleswig-Holstein. Schließlich gibt es hier sehr viele ländliche Regionen, die genau dieses Angebot dringend benötigen.

Was wünscht du dir für die Zukunft deutschlandweiter Beratungsstellen?
Ich wünsche mir von ganzen Herzen, dass unser Projekt solch eine Strahlkraft hat, dass ganz viele Menschen unser Konzept in ihrer ländlichen Region initiieren und implementieren. Es muss endlich Schluss damit sein, Projekte, die in der Stadt erfolgreich funktionieren 1 zu 1 auf dem Land umsetzen zu wollen. Das funktioniert nämlich nicht.

 

Solltet ihr irgendwann in eurem Leben einmal Hilfe zu diesem Thema brauchen, dann wendet euch an den Verein „Frauen helfen Frauen | Die Land-Grazien“.

Ihr könnt sicher sein, dass euch kurzfristig geholfen wird und euer Anliegen ernst genommen wird.

Wenn ihr keine Möglichkeit für ein persönliches Treffen mit den Land-Grazien habt, dann könnt ihr euch auch für eine Online-Beratung entscheiden.

Die Hauptsache ist: Meldet euch im Fall der Fälle und seid euch sicher, dass euch geglaubt wird! Alles was ihr sagt wird von den Beratenden weder bezweifelt, noch bewertet! 

Ihr könnt euch auch ganz einfach über Social Media und den Kanal der Land-Grazien melden!

 

PS: Die Fotos, die ihr hier seht sind im Zuge einer Kampagne entstanden, die ich als „Franzi Schädel Fotografie“ für den Verein fotografieren durfte. Wir haben viele Situationen des Alltags in der Beratung von Frauen nachgestellt, um für die Social Media Kanäle wirklich 100 % passendes Storytelling nutzen zu können.

 

Franzi

Ich bin Franzi, Jahrgang 1985 und selbstständige Fotografin, sowie Autorin und Bloggerin. Seit über 10 Jahren lebe ich im Norden des Landes und könnte mir keinen schöneren Ort mehr vorstellen. Ich liebe Themen rund um Nachhaltigkeit, grünes Leben, faires Reisen und bin ganz mächtig verliebt in Eichhörnchen.

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