Back to home
in Allgemein

Die Welt der Buchstaben – Zu Besuch bei Marleen Krallmann

  • 29. April 2022
  • Von Johanna
  • 0 Kommentare
Die Welt der Buchstaben – Zu Besuch bei Marleen Krallmann

Vor etwas mehr als zwei Jahren war meine Kollegin Aenne bereits in den Atelierräumen im Kieler Kirchenweg zu Besuch. Damals allerdings noch bei Constanze Voigt, die damals in den Räumlichkeiten der Baugenossenschaft Mittelholstein ein Zuhause für ihre Kunst gefunden hatte. Seit gut einem Monat ist ein neues Gesicht in das von der Stadt Kiel gepachtete Atelier im Erdgeschoss der Hausnummer 23 eingezogen: Marleen Krallmann mit ihrem »Scriptmar«.

Wer von euch mit offenen Augen durch Kiel läuft, wird vermutlich schon einmal über eine Arbeit von Marleen gestolpert sein. An etwa vierzig Fenstern in Kiel und Umgebung prangte bereits der von ihr kunstvoll geschriebene Schriftzug »Leave no one behind«. Das Kalligrafie-Projekt besteht aus dem plakativen Schriftzug und einem Info-Plakat. Es macht auf die Situation der Menschen aufmerksam, die an den Außengrenzen der EU in Lagern, z.B. auf der griechischen Insel Lesbos, auf ihre Weiterreise warten und dort unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Doch das ist längst nicht alles, was Marleen so macht. Bei meinem Besuch in ihrem neuen Atelier habe ich mich auf eine kleine Reise in die Welt der Buchstaben und Schriften begeben dürfen.

Seit knapp einem Monat ist Marleen nun im Kirchenweg 23 im Kieler Stadtteil Gaarden eingezogen. Der Umzug war für Marleen kein weiter – ihr altes Atelier liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit Eistee und Keksen haben wir uns ein wenig über ihre Arbeit unterhalten.

Studiert hat Marleen Kommunikationsdesign an der Muthesius Kunsthochschule hier in Kiel, wo sie zum Bereich Schrift und Schiftgestaltung bei Albert-Jan Pool gelernt hat. „Der unterrichtet hier in Kiel. Und das ist vielen gar nicht so bekannt, aber der hat eine der meistverkauften Schriften der Welt gestaltet – die ‚FF DIN‘, die zum Beispiel die Hausschrift der CAU und der Elbphilarmonie in Hamburg ist.“ erklärt mir Marleen.

Darüber ist sie dann zur Schriftgeschichte gekommen, ein Thema zu dem sie bereits ein Buch-Skript geschrieben hat und zu dem sie auch selbst Vorlesungen gibt. „Ich kann daher ziemlich viele europäische Schriften bestimmen und dadurch auch viele Schiften selbst schreiben. Dazu braucht man im Grunde nur zwei Werkzeuge: die Breitfeder und die Spitzfeder und der Rest sind ’nur noch‘ auswendig lernen und üben.

Das sie selbst so viel schreibt war nicht unbedingt geplant. „Ich bin selbst linkshändig, daher hatte ich am Anfang gar nicht gedacht, dass ich viel selbst schreiben würde. Ich habe dann sehr viel geübt. Tatsächlich können Linkshändige genauso gut schreiben wie Rechtshändige, wenn sie die richtige Technik nutzen.“ erzählt mir Marleen. Inzwischen schreibt sie nicht nur auf verschiedenste Weisen, taucht in verschiedene Schriftwelten ein und probiert sich aus. Ihr Favorit: die Frakturschrift, die sie mit Einflüssen aus der Welt der Streetart und dem Stylewriting kombiniert.

Als ich mich dann entschieden habe, mich mit Schreiben und Schrift selbständig zu machen, dachte ich, ich mache jetzt ja nur noch eine Sache. Dabei mache ich gern so viele Dinge.“ erzählt Marleen. Ganz so kam es dann nicht. Die Welt der Schiften und des Schreibens ist nämlich riesig. „Ich kann nun ja nicht nur Kalligrafie machen, was allein schon mindestens 50 Schriften sind, die man lernen kann, sondern auch Brush- und Handlettering.“ fährt sie fort. Dazu gehört zum Beispiel das Gestalten von Kund*innenwünschen, aber auch die grafische und typografische Gestaltung von Büchern. Zusätzlich dazu gibt sie noch die Vorlesungen und bietet Kurse, unter anderem für linkshändige Kinder, an. „Und dann entwickle ich gerade noch eine eigene, inklusive Lernschrift namens ‚Efi‘.“ fügt Marleen hinzu. Es wird also nie langweilig.

‚Efi‘ soll, wenn sie fertig ist, eine vereinfachte Lernschrift für Kinder und Erwachsene werden. Was sie zum Beispiel von den Schriften, mit denen ich noch in der Schule gelernt habe, unterscheidet ist, dass sie vom Schriftbild intuitiver und näher dran am eigentlich Schreiben ist. Viele der Buchstaben, z.B. das kleine ‚r‘ oder das ‚b‘,  werden hier aus einer Bewegung heraus geschrieben.

Und so reden wir weiter über Schriften und ihre Geschichte und tauchen von einem Aspekt des Themas in das nächste ein. Was Marleen alles macht, das kann man übrigens in ihrem neuen Portfolio sehen, dass am 06. Mai erscheint.

Marleens Portfolio wurde von White Title Studio gestaltet und mit Fotos vom Kieler Fotografen Kjell Kantak bestückt. Gefördert wurde das große Projekt von der Stadt Kiel, der Bürgerstiftung Kiel und dem Kultur- und Kreativrat Gaarden und schafft einen Überblick über ihre Arbeiten.

Ich lerne auf jeden Fall, dass die Welt der Schriften ebenso vielfältig ist wie die Dinge, die Marleen so macht – von wegen „nur noch Schrift“.

Wenn ihr etwas mehr über Marleens Arbeit sehen wollt, schaut unbedingt mal auf ihrem Instagram-Account oder ihrer Website vorbei. Poster mit dem „Leave no one behind“-Schriftzug für Zuhause gibt’s gegen eine Spende beim Buchladen Zapata oder dem Kosmos-Shop in der Kieler Innenstadt.

 

Johanna

Ich bin Johanna und lebe im schönen Kiel. Ich bin ein in den frühen 90'ern geborenes Nordlicht und finde, dass es kaum einen schöneren Ort zum Leben gibt, als unser Bundesland zwischen den zwei Meeren. Ich liebe es mir an der See den Wind um die Nase pusten zu lassen – und das bei jedem Wetter. Ansonsten schlägt mein Herz für schönes Wohnen. Ich liebe gutes Design und baue auch gern mal das ein oder andere Möbelstück selbst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Please check your instagram details.