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Ausflugstipp: Wildes Moor bei Osterrönfeld

  • 21. Februar 2021
  • Von Laura
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Ausflugstipp: Wildes Moor bei Osterrönfeld

Moore. Sie gelten oft als mystische Landschaften, die durch Nebelrauch und Stille geprägt werden. Man verbindet sie mit sumpfigen, geheimnisvollen Orten, an denen Moorleichen nach Hunderten von Jahren gefunden werden. Mit schauderhaften Geschichten aus Romanen und Filmen. Woran die wenigsten denken, sind weite Wiesen, die als Refugien seltener und besonderer Tier- und Pflanzenarten dienen. Feuchtlandschaften, die unser Wasser säubern, unsere Luft reinigen und natürliche Zeugen der Landschaftsgeschichte darstellen.

Auf der Suche nach einem weiteren coronakonformen Ausflugsziel stieß ich beim Wälzen der Karte auf das Wilde Moor bei Osterrönfeld. Die Lust hatte mich sofort gepackt. Bei wunderschönem Sonnenschein und eiskalten Temperaturen von -9 Grad Celsius ging es mit dem vor den Bauch geschnürten Kind rein ins Abenteuer.

Die Anfahrt zum „Ausguck Wildes Moor“ ist bei verschneitem Winterwetter nichts für Autofahrer mit schwachen Nerven, die nur Stadtrouten gewohnt sind. Entlang zahlreicher Felder ging es auf schmalen Landwegen, vorbei an vereinzelten Bauernhöfen ins Nichts. Bei ordentlichem Eis kann die Fahrt schnell in einer Schlitterpartie enden, fährt man allerdings vorsichtig und langsam, so lässt sich diese zum Glück vermeiden! Da ich auf dem Dorf aufgewachsen bin und am A**** der Welt meine Fahranfänge hatte, sind mir derartige Strecken zum Glück nicht unbekannt. Aber einmal zur Beruhigung: Es klingt eventuell schlimmer, als es war. Trotzdem sollte man sich den Umständen der Strecke bewusst und ihnen gewachsen sein.

Nun aber zum eigentlichem Thema – Dem Moor. Als Ausflugsziel während dieser verrückten Corona-Zeit eignet sich dieser wundervolle Ort alle Mal. Die Wege sind breit genug, um anderen Spaziergängern aus dem Weg zu gehen. Auch lassen sich dort entgegen meiner Befürchtung Kinderwagen schieben oder Schlitten ziehen. Der Sonntag war herrlich. Die Sonne schien uns ins Gesicht, wir bewunderten die Natur und ihre Schönheit. Verschiedene Abzweigungen bieten lange und auch kurze Spazierrouten an.

Moore – Klimaschützer und Geschichtenerzähler

Manchmal bin ich erstaunt darüber, wieso so viele Menschen gar nichts anderes über das Moor kennen, als das, was einem in wilden Krimis geboten wird. Ich muss mich dann immer wieder selbst daran erinnern, dass ich oft in meiner kleinen Blase lebe und ausblende, dass ich mich eben mit diesen Themen im Studium (Geographie als Bachelor & Umweltgeographie und -management als Master), aber auch in meiner Freizeit viel beschäftige. Schließlich habe ich auch keine Ahnung über Buchhaltung oder Verwaltungsrecht. So lebt halt jeder in seinem Element.

Zudem glaube ich auch, dass das Wissen und Interesse über diese Landschaftsform weiter verbreitet wäre, wenn wir Menschen seit dem 17. Jahrhundert nicht damit angefangen hätten, Moore zu zerstören und zu kultivieren. So wurden 99% der Moore entwässert, abgebaut und land-/forstwirtschaftlich genutzt. Kein Wunder, dass es einem kaum auffällt, wenn man entlang vieler Felder auch mal an einem Moor vorbeikommen kann. Moore mögen auf dem ersten Blick unscheinbar wirken, doch der Schein trügt.

Moore sind Feuchtgebiete, in denen der Boden aufgrund von z.B. Niederschlägen oder Grundwasserzuflüssen dauerhaft wassergesättigt ist.

Tritt man leicht auf den Boden eines Moores (sollte dies erlaubt sein!), so hört man manchmal das typische „Subschen“. Trägt man -aus welchem Grund auch immer- durchnässte Schuhe und/oder Socken und tritt auf den Boden, so hört es sich genauso an.

Abgestorbenes organisches Material (Lebewesen oder abgestorbene Pflanzen) wird wegen Sauerstoffmangels im wässrigen Boden nur langsam, unvollständig oder gar nicht zersetzt. So entsteht Torf, die Grundlage eines Moores. Moore bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die häufig nur noch in diesen Landschaftsformen zu finden sind. Zudem speichern Moore Unmengen an CO2 (mehr als Wälder), reinigen die Luft und säubern das Wasser. Sie fungieren als Klimaschützer und Speicher von Landschaftsgeschichte.

Häufig sind Moore ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete, da sie so aufgrund der Seltenheit und besonderen Bedeutung für Tiere, Pflanzen und Menschen unter Schutz gestellt werden. Daher darf man auch nicht jedes Moor betreten und den „Subsch-Test“ machen. Manchmal sind auch Teile der Wege aufgrund der Brut- und Rastzeiten seltener Vogelarten gesperrt.

Leider bringt man die Grundlage eines Moores oft mit etwas ganz anderem in Verbindung. So kennen viele Gärtner den Begriff Torf aus der Abteilung für Blumen- und Pflanzenerde. Wer allerdings nachhaltig und mit gutem Gewissen gärtnern möchte, der kauft torffreie (!) Erde. So können wir super easy einen kleinen Beitrag leisten, um dem Abbau von Torf und damit der Zerstörung der Moore keinen Zuspruch zu geben.

Mir hat der Ausflug zum „Ausguck Wildes Moor“ unheimlich gut getan und wieder einmal gezeigt, wie wunderschön und einzigartig scheinbar langweilige Landschaften sein können.

Während ich gerade so über diesen Beitrag fliege, um zu schauen, ob ich euch auch kein Bild vorenthalte, fällt mir ein Spruch ein, den ich im Praktikum in einem Nationalpark-Haus gehört und mir zu Herzen genommen habe:

Nur das, was du kennst, wirst du lieben und nur das, was du liebst, wirst du schützen.

In diesem Sinne: Rein in die Winterjacke und ab ins Wilde Moor.

Eure Laura

Laura

Ich bin Laura, ein echtes Kieler Nordlicht mit einer Leidenschaft zum Schreiben, Reisen, schönen Wohnen und zur Natur. Süchtig bin ich nach gutem Kaffee, leckerem Essen und meinen vier kleinen Neffen. An Sonntagen stöbere ich gern auf Flohmärkten, während ich unter der Woche in einer Rösterei als Barista Latte Art serviere und neben meiner Arbeit an der Uni an meinem Abschluss in Umweltgeographie und -management tüftle.

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