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Ausflugstipp: Wanderung durch das Tunneltal

  • 11. Juli 2021
  • Von Imke
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Ausflugstipp: Wanderung durch das Tunneltal

Drei Kanonenkugeln in einer Gartenmauer, Reste einer Burg, ein Grenzstein mitten im Vorgarten, eine Bühne im Wald und ein krummer Weg mit Pflastersteinen, über die schon im 17./18. Jahrhundert etliche Ochsen getrieben wurden – im Tunneltal und drumherum gibt es jede Menge zu entdecken.

Struppi noch in Harrislee, ich schon in der dänischen Gemeinde Bov.

Das Tunneltal liegt seit meinem Umzug nach Harrislee – einer Gemeinde, die direkt an Flensburg grenzt – fast vor der Haustür. Entstanden ist das Tal der Krusau, das von Padborg bis zur Flensburger Förde reicht, in der letzten Eiszeit. Bis zu drei Kilometer hoch sollen hier einst die Eismassen gelegen haben, deren Schmelzwasser die Landschaft nachhaltig geformt hat.

Gleich mehrere Wanderwege führen durch das Tal, darunter auch der Gendarmstien, dem auch wir immer mal wieder ein Stückchen folgen. Der über 70 Kilometer lange Wanderweg verläuft entlang der deutsch-dänischen Grenze an der Flensburger Förde. Früher haben hier die Grenzpatrouillen Ausschau nach Schmugglerbooten gehalten. Heute nutzen Naturliebhaber*innen ihn für Kurzausflüge oder Tagestrips. Wir haben uns für einen rund drei Stunden dauernden Ausflug rund um den Niehuuser See entschieden – mit ein paar kleinen, interessanten Abstechern.

Länderreise auf dem eigenen Grundstück: Dieser Grenzstein steht in einem Vorgarten kurz hinter Harrislee.

In einer Viertelstunde sind wir von uns aus am Ortsausgang Harrislee und damit an der deutsch-dänischen Grenze. Einer der Grenzsteine steht mitten im Vorgarten eines bewohnten Hauses. Mal ehrlich: Wer kann schon im eigenen Garten eine Länderreise machen?

Schon nach ein paar Kilometern Weg haben wir einen ersten Blick auf den malerisch im Tal liegenden und teils mit Seerosen bedeckten Niehuuser See – und auf den insgesamt 70 Kilometer langen „Wildschweinzaun“. Der 2019 fertiggestellte Zaun soll dafür sorgen, dass keine Wildschweine nach Dänemark einreisen und zum Beispiel die Afrikanische Schweinepest in die heimische Schweinefleisch-Industrie einschleppen. Nach wie vor steht der hohe Zaun entlang der Grenze zu Schleswig-Holstein jedoch zumindest von deutscher Seite aus wegen seiner Symbolpolitik deutlich in der Kritik.

Auf dem Weg kommen wir noch an einem kleinen friluftscene (Freiluftbühne) vorbei, das im Sommer unter anderem mit kleinen Konzerten bespielt wird. Etwa auf halber Höhe des Sees machen wir einen Abstecher in den Ort Padborg und steuern Oldemorstoft an, eine hübsche, Reet gedeckte weiße Hofanlage aus dem 15. Jahrhundert. In den Gebäuden ist ein kleines Heimatmuseum zur Grenzregion und der Landwirtschaft in dieser Region untergebracht. Zur Anlage gehört auch Oldemors Abildgård – eine Obstwiese, auf der alte Apfelsorten aus der Region wachsen.

Zahlende Museumsgäste dürfen in der alten Kaffeestube des Hofes ihre mitgebrachten Sachen essen und trinken. (Informiert euch aber angesichts der Pandemielage unbedingt, ob es zu Einschränkungen kommt!) Zeit für eine Kaffeepause! Wer nicht selbst etwas mitnehmen möchte oder den Kaffee gern da trinkt, wo sich die Einheimischen zum Klönschnack treffen, geht in das Bäckereicafé des naheliegenden SuperBrugsen. Das ist ein dänischer Supermarkt, in dem ihr euch auch gleich noch mit dänischen Lakritze und andere landestypischen Leckereien eindecken könnt.

Von Padborg aus machen wir einen weiteren Abstecher – diesmal nach Bov. Auf dem Weg kommen wir noch an einem echten „Grüntunnel“ vorbei. Es ist ein Abschnitt der umwachsenen alten Bahnstrecke von Padborg Richtung Sønderborg. Heute verläuft hier ein Radweg – ein lohnenswerter Ausflugstipp für alle, die lieber auf zwei Rädern als auf zwei Beinen unterwegs sind.

Unser Ziel in Bov ist eine kleine Kuriosität: Im Ortszentrum, ganz in der Nähe eines Gedenksteins zur schleswig-holsteinischen Erhebung (1848-1851), stecken drei rote Kanonenkugeln in einer niedrigen Gartenmauer. Sie sollen aus eben diesem Krieg zwischen der deutschen Nationalbewegung und dem Königreich Dänemark stammen.

Für uns geht es jetzt aber wieder zurück ins Tunneltal und Richtung Harrislee. Das Tunneltal gilt übrigens als besonders wertvoller Naturraum. 2003 bis 2006 wurden mit dem grenzüberschreitenden INTERREG-Projekt „Krusau Tunneltal“ die Grundlagen dafür gelegt, dass die typische Tunneltallandschaft erhalten bleibt. Die Krusau wurde dank einer Fischtreppe für Fische und andere Kleintiere wieder passierbar gemacht, neue Biotope wurden angelegt und so etliche Naturerlebnisräume geschaffen.

Zu den besonderen Erlebnissen entlang der Strecke gehören auch der Krumme Weg und das grenzüberschreitende Erdtelefon beim Grenzübergang Rønsdam. Ein paar Meter hinter der Grenze – wieder auf der deutschen Seite – statten wir noch der Burg Niehuus einen Besuch ab. Außer der Wallanlage ist allerdings von der Burg nichts mehr zu sehen. Ein bisschen Fantasie gehört eben dazu, um sich auf eine Zeitreise ins 14. Jahrhundert zu begeben.

Auf dem Rückweg kommen wir dann endlich auch einmal direkt an den Niehuuser See. Ein Ausgucksteg führt bis zu der Seerosenfläche, die ich schon ganz zu Beginn unserer kleinen Tour vom Hügel aus bewundert habe.

Ein schöner Abschluss!

Imke

Moin, mit Jahrgang 1972 bin ich die „Seniorin“ in der Neuen Etage und fühle mich in dieser besonderen WG pudelwohl. Geboren in Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen) habe ich mich schon während meines Zeitungsvolontariats in den Norden verliebt. Nach ein paar Umwegen über Köln, Bamberg, Bayreuth und Oldenburg (Nds.) bin ich 2014 samt Mann und Hund (wieder) in Schleswig-Holstein angekommen. Inzwischen leben wir in Harrislee, einer Gemeinde direkt an der dänischen Grenze und nur einen Katzensprung von Flensburg entfernt. Wenn ich nicht am Schreibtisch sitze, gehe ich am liebsten direkt vor der Haustür zu Fuß auf Entdeckungstouren oder powere mich im Kajak auf der Förde aus.

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