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Abstellraumatmosphäre gepaart mit Garagenflair, kalte Wände ohne Dämmung, die Räume gefüllt mit Fahrrädern und Krimskrams – so sah das Innere des kleinen Atelierhauses vor seinem Umbau aus. Mittlerweile empfängt das Gebäude seine Besucher mit einer hellen und warmen Ausstrahlung. Viele der alten Wände sind verschwunden, einige wenige sind geblieben. So in Szene gesetzt, verleihen sie dem Gebäude einen ursprünglichen, authentischen Charme. Auch an die Decke des Dachbodens erinnern nur noch einige alte Balken, die freigestellt den Raum zieren. Das Kieler Häuschen im Innenhof der Hardenbergstraße 51 a wandelte sich innerhalb von eineinhalb Jahren vom Abstell- zum Kunstraum. Am 1. Dezember 2019 eröffnete der Künstler Rainer Gröschl hier seine Werkstatt-Galerie. Zwei Wochen später, an einem kühlen Nachmittag Mitte Dezember, traf ich ihn im kleinen Atelierhaus und wir sprachen über seine neue Wirkungsstätte und das Leben als Künstler.

Kleine Atelierhaus im Innenhof der Hardenbergstraße

Das kleine Atelierhaus im Innenhof der Hardenbergstraße 51 a

Lieber Herr Gröschl, zum jetzigen Zeitpunkt sind Sie 66 Jahre alt. Die meisten Menschen gehen in diesem Alter in Rente aber Sie starten voll durch. Was treibt Sie an?

Warum sollte ich in Rente gehen? Ich sehne mich gar nicht nach der Pension und bin voller Tatendrang. Wenn ich Klischee-Rentnerpaare mit gleicher grauer Jacke und schlurfendem Gang sehe, stelle ich manchmal erschreckend fest, dass ich genauso alt bin. Bei mir geht es aber gerade richtig los. Ich habe meine Online-Galerie „EDITIONBERLIN“ ins Leben gerufen und in der Werkstatt-Galerie will ich mich ganz meiner Arbeit widmen.

Sie sagen, dass für Sie von der Kunst noch nicht genug abfällt zum Leben, wie finanzieren Sie Ihren Lebensunterhalt?

Meine Leidenschaft galt immer der Kunst und der Architektur. Dem Gestalten. Nebenher plane und baue ich Häuser. Während der Schulzeit habe ich schon als Künstler gearbeitet und damit Geld verdient. Zu gestalten war immer mein Lebensmittelpunkt – unabhängig davon, ob es sich um Kunst, Wohnraum oder Häuser handelt. Als Selbstständiger jeden Tag nach dem Frühstück entscheiden zu können, was ich mache und worauf ich Lust habe, das sehe ich als Privileg an. Genug Zeit und eine interessante Arbeit zu haben, empfinde ich als Luxus. Selbstbestimmt sein zu können, habe ich mein ganzes Leben lang so halten können.

Innere Werkstatt-Galerie Hardenbergstraße

Das Innere der Werkstatt-Galerie.

Was sind Ihre konkreten Pläne für die Zukunft?

Bis zum 9. Februar 2020 ist die Eröffnungsausstellung mit Lithografien von renommierten internationalen Künstlern und Künstlerinnen geöffnet. Danach möchte ich anfangen, hier zu arbeiten und die nächste Ausstellung zu planen. Insgesamt möchte ich sechs bis acht Ausstellungen im Jahr veranstalten. Das bedeutet viel Planung für mich. Allerdings empfinde ich das nicht als Arbeit, weil ich das gerne mache. Deshalb nenne ich das Gebäude auch nicht Atelier, sondern Werkstatt-Galerie, weil ich hier arbeite und ausstelle. Mein Ziel ist es, dass Leute hierherkommen, die sich für Kunst interessieren. Durch die zurückgezogene Lage im Innenhof habe ich so gut wie gar keine Laufkundschaft, sondern lediglich Kunden, die bewusst und zielgerichtet für die präsentierten Werke herkommen.

Rainer Groeschl Kupfertiefdruckpresse

Rainer Gröschl verleiht seine Kupfertiefdruckpresse auch an andere Künstler und Künstlerinnen.

Wie sind Sie zu einer Werkstatt-Galerie in dieser zentralen Lage gekommen?

Glück und Zufall. Vorher hatte ich meinen Arbeitsraum im Atelierhaus im Anscharpark. Als Mitglied des Kunstvereins Haus 8, den ich acht Jahre lang geleitet habe, saß ich mit der Atelierhausgesellschaft zusammen. Auch die Baugenossenschaft Mittelholstein eG (bgm.) ist Mitglied der Atelierhausgesellschaft. So kam ich mit einem Vertreter der bgm. in Kontakt. Ich erzählte ihm, dass ich aus dem Atelier im Anscharpark ausziehen möchte, weil es für mich nicht mehr genug Platz bot. Das lag auch an der großen Kupfertiefdruckpresse, die ich von einem anderen Künstler erhielt. Der Vertreter der bgm. schlug mir daraufhin vor, dass ich in das kleine Atelierhaus, wie er es nannte, ziehen könnte. Mir gefiel der Gedanke, aus den Räumen etwas zu machen, das hoffentlich auch das Umfeld bereichern kann. Bei der Besichtigung vor eineinhalb Jahren konnte ich mir das Resultat zunächst schwer vorstellen. Mittlerweile bin ich begeistert von der Entwicklung.

Das Gebäude hat schöne, große Fenster und ist dadurch sehr hell aber ich würde mich beobachtet fühlen von den Nachbarn. Wie sieht es mit Ihnen aus?

Dazu kann ich eine Anekdote erzählen. Vor kurzem lud ich spontan eine Nachbarin ein, mal vorbeizukommen, um die Werkstatt-Galerie zu besichtigen. Sie antwortete mir: „Ich kriege doch von Oben schon alles mit.“ (lacht) Tagsüber ist es nicht so schlimm aber da ich gerne abends und nachts male, muss ich mir noch etwas überlegen, damit ich nicht so auf dem Präsentierteller sitze. Andererseits können maximal 20 Wohnungen hier reingucken. Für die wird es sicher nach einiger Zeit langweilig, mich zu beobachten. Außerdem gefällt mir das Licht und die Helligkeit. Das trägt zu der positiven Ausstrahlung des Gebäudes bei.

Mir ist wichtig, zu betonen, dass ich die Bewohner der umliegenden Wohnungen herzlich dazu einlade, spontan vorbeizuschauen. Ich hoffe, es wird ein offenes Haus und weckt Interesse für Kunst.

Atelier Werkstatt bgm.

Das kleine Atelierhaus vor dem Umbau. (Foto: bgm.)

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