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Es ist 10 Uhr morgens, die Herbstsonne scheint vom Himmel und ich spaziere in die Lille Brauerei in Kiel. Es werden Fässer gespült und Paletten mit neuen Flaschen aus einem LKW geladen. Ich muss gestehen: normalerweise ist es deutlich später am Tag, wenn ich hier bin. Dann steht das Personal hinter’m Tresen und im Gärbereich arbeitet nur noch die Hefe. Diesmal gibt es für mich statt einem frisch gezapften Bier einen schwarzen Kaffee im Besprechungsraum mit Blick über die Brauerei. Mir gegenüber sitzt Flo, einer der Gründer der Brauerei, mit dem ich verabredet bin. Seitdem der Schankraum der Brauerei im letzten Winter offiziell eröffnet hat, bin ich sehr oft und gern hier gewesen. Grund genug euch den Ort von dem das Bier für Kiel kommt, einmal vorzustellen.

Max Kühl und Florian Scheske – die Gründer von Lillebräu aus Kiel. Foto: Lillebräu

Die Brauerei, die im letzten Herbst im Gewerbegebiet am Kieler Eichkamp eröffnet hat, liegt in einer alten Lagerhalle, in der früher Coca Cola abgefüllt wurde. Jetzt ist die Halle in zeitlosem dunkelgrau gestrichen und bei schönem Wetter stehen die großen Rolltore weit offen. Draußen stehen Tische und Bänke und drinnen ist der Schankraum zu sehen, neben dem bereits der Biernachschub in riesigen silbernen Tanks heranreift. Den Innenhof teilt sich Lillebräu mit einer Autowerkstatt und andere Gewerbeflächen. Umringt wird das Areal von Wohnhäusern. Das passende Essen zum Bier gibt’s aus wechselnden Foodtrucks.

Als die Gründer Max und Flo 2017 die Idee hatten ihr Bier-Startup auf’s nächste Level zu bringen und ihre eigene Brauerei zu bauen, wussten sie sofort, dass diese nicht vor den Toren Kiels entstehen sollte, sondern mitten in der Stadt. So wie es in anderen Ländern – zum Beispiel in Neuseeland – oft der Fall ist. Also machten sie sich auf die Suche nach einer leerstehenden Lagerhalle, die ihren Ansprüchen genügen würde.

Gefunden haben sie diese Mitte 2017. „Man konnte das Potential der Halle erahnen.“ erzählt mir Flo. „Hier war noch eine zweite Ebene eingezogen und wenn man von da runter geschaut hat, konnte man sich schon vorstellen, was hier entstehen kann.“ Sowohl die Größe der Halle passte gut ins Konzept, als auch der Standort. Der Eichkamp ist zusammen mit dem Grasweg eines der wenigen innerstädtischen Gewerbegebiete Kiels und sehr gut erreichbar. Mit einem Mix aus Gewerbe, Einkaufsmöglichkeiten und angrenzenden Wohneinheiten ist es ein sehr vielfältiges Quartier. „Mit der Brauerei wollten wir die Mischstruktur des Viertels erhalten. Früher war es völlig normal, dass sich Gewerbe in den Hinterhöfen ansiedelten – an vielen Orten kann man das heute noch sehen – zum Beispiel anhand der alten Schokoladenfabrik in einem Hinterhof in der Gerhardstraße.“ erklärt mir Flo. Mit der Brauerei wollen die Gründer zeigen, dass auch heute noch eine Mischung von Wohnen und Gewerbe möglich – und sogar gut ist. Und so wurde die 750 qm große Halle angemietet und ab Anfang 2018 begannen die Umbauarbeiten.

Die Lagerhalle während des Umbaus Foto: Lillebräu

Zu diesem Zeitpunkt war eine Brauerei mit einem kleinen Schankraum geplant. „Wir haben aber schnell gemerkt, dass der Standort viel mehr Potential hat.“ sagt Flo. Und so wurde umgeplant. Aus einer Brauerei mit einer kleinen Bar sollte mehr werden: Ein Ort, an dem Bier lokal produziert wird und an dem Menschen zusammenkommen können. Die ersten Kalkulationen zeigten aber schnell, dass dieser Traum seinen Preis haben würde. Um das Projekt trotzdem verwirklichen zu können, haben Max und Flo 2018 eine Genussschein-Aktion gestartet und sich von ihren zukünftigen Gästen unterstützen lassen.

Die fertige Brauerei. Foto: Lillebräu

Mit 666 verkauften Genussscheinen konnte das Projekt schlussendlich umgesetzt werden und im Spätsommer 2018 floss das erste eigene Bier durch die Zapfhähne des Schankraumes.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie es war, als ich das erste Mal dort war. Es war ein ungewöhnlich warmer Oktobertag und ich spazierte mit meinem Freund in den Hinterhof der Eichhofstraße – einen Teil Kiels, an dem ich bisher nie war. Die Rolltore der Lagerhalle standen offen, die Leute saßen in der Sonne und tranken Bier und ich meinte nur: „Oh, das sieht so gar nicht aus, als wären wir gerade noch in Kiel.“ Aber genau das waren wir und genau das hatte Kiel bisher gefehlt. So gemütlich unsere kleinen Kneipen hier auch sind, ein moderner Biergarten in der Stadt hatte noch gefehlt.

Und das sah nicht nur ich so. Die Brauerei wurde von Tag 1 an gut angenommen – und das Publikum könnte durchmischter nicht sein. Im Schankraum trifft man Stammtischrunden, Studenten und auch Familien mit Kindern kommen gern vorbei. Auch beim Programm neben den regulären Öffnungszeiten ist für jeden etwas dabei: Vom exklusiven Dinner mit Sternekoch Mathias Apelt über Konzerte und Filmabende bis hin zu Pubquiz-Abenden bietet die Brauerei für jeden Geschmack etwas im Programm. Wer mehr über die Brauerei erfahren will, kann bei einer Brauereiführung mit anschließendem Tasting lernen, wie Bier entsteht – oder aber bei einem Braukurs lernen, wie man sein eigenes Bier braut.

Die Brauerei ist schnell mehr geworden, als nur ein Ort, an dem man ein Bier trinkt. Sie ist ein Treffpunkt für Kielerinnen und Kieler geworden, bringt die Menschen zusammen und hat das Viertel am Eichhof bereichert. Was vielen von Beginn an klar war, wurde Flo allerdings erst viel später bewusst. Zu viel war noch zu regeln, zu eingespannt waren beide Gründer in den ersten Monaten nach der Eröffnung. „Das war schon extrem Anstrengend.“, gibt er zu. „So richtig realisiert habe ich das, was wir hier auf die Beine gestellt haben, erst bei unserem Chili-Fest im Mai diesen Jahres. Da saß ich das erste Mal einfach hier und habe die Leute beobachtet, die es sich hier haben gut gehen lassen. Das war ein schönes Gefühl.“ sagt Flo und muss schmunzeln. Seine Hoffnung für die Zukunft? „Ich glaube dieses Quartier hat sehr viel potential und ich hoffe, dass es sich weiterhin so bunt entwickeln wird.“

Foto: Lillebräu

Foto: Lillebräu

Jetzt, da sich das Tagesgeschäft in der Lille Brauerei eingegrooved hat, ist trotzdem kein Stillstand in Sicht. Die Brauerei soll sich in den kommenden Monaten und Jahren stetig weiterentwickeln. „Und dafür wollten wir auch wieder unsere Gäste mit einbeziehen.“ sagt Flo. Diese können seit einigen Wochen wieder finanzielle Unterstützung für neue Projekte gegen Bier eintauschen.

Mit dem Verkauf des „Kieler Bier Papier“ soll die Brauerei weiter entwickelt werden. Der Deal: der Käufer bekommt für 175 Euro einen limitierten Kunstdruck und für die nächsten 25 Jahre pro Jahr 12 Bier – im Gegenzug haben die Gründer dadurch die Möglichkeit neue Investitionen zu stemmen. Von 3333 Stück waren innerhalb kurzer Zeit schon über 1000 Bierpapiere verkauft.

Foto: Lillebräu

Das Geld ist schon verplant: „Wir möchten in Zukunft noch regionaler produzieren können und neue Biere mit regionalem und saisonalem Charakter brauen.“ zusätzlich soll auch in neue Technologien investiert werden, die beispielsweise das Brauen von alkoholfreien Bieren ermöglichen. Eine erste Neuerung gibt es bereits: durch zwei neue Brautanks können ab jetzt statt 21.000 Litern ganze 33.000 Liter Bier im Monat gebraut werden.

Foto: Lillebräu

Was jetzt schon passiert ist, ist, dass ein Kieler Start-Up es geschafft hat binnen weniger Jahre zu einer festen Institution Kiels zu werden, die nicht mehr aus der Stadt wegzudenken ist. Prost!

Die Lille Brauerei hat in der Regel Donnerstags bis Samstags ab 17:00 geöffnet. Zum frisch gezapften Bier gibt’s Verpflegung aus wechselnden Foodtrucks. Das jeweilige Wochenprogramm findet ihr auf der Facebook-Seite der Brauerei. Prost!

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