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Schwerelos durch die Ostsee

Vergangener Samstag, 11:00, bereits knapp 30 Grad in der prallen Sonne (kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen). Ich fahre mit meinem Auto auf einen Parkplatz in Strande – so wie viele, die hier heute den Tag am Strand verbringen wollen. Sie parken neben mir ein, laden ihre Strandtaschen aus dem Auto, schlüpfen aus den Straßenschuhen in ihre Flip Flops und pilgern zum Strand.

Ich aber bleibe noch kurz auf dem Parkplatz und halte Ausschau nach dem Mann, mit dem ich hier verabredet bin. Als ich sehe, wie ein junger Herr eine große Sauerstofflasche aus seinem Kofferraum hebt weiß ich, dass er nicht mehr weit sein kann. Verabredet bin ich nämlich mit Klaus Knodt, dem Inhaber von Aquarius Tauchservice und dem Organisator des Kieler Tauchtreffs, der sich regelmäßig samstags zum Tauchen trifft.

Ich frage kurz rum und erfahre: „Klaus, der kommt gleich! Das ist der mir dem Bus.“ Also halte ich nach einen Bus Ausschau und gucke schonmal etwas rum. Es sind bestimmt an die zwanzig Taucher, die sich hier gerade fertig machen. Vom Frischling bis hin zum Profi ist alles dabei.

Getaucht wird, so lerne ich von Hobbytaucher Jens, immer im Team mit einem sogenannten „Tauchbuddy“. Also einem anderen Taucher, mit dem man sich Unterwasser verständigen kann und mit dem man den gesamten Tauchgang über zusammenbleibt. Passiert etwas außerplanmäßiges kommt der eine Buddy dem anderen zur Hilfe.

Jens‘ Tauchbuddy hat sich gerade einen Trockentauchanzug für den Winter zugelegt. „Normalerweise taucht man ja mit einem Neoprenanzug.“ erklärt mir Jens. „Dabei wird man aber nass. Um das bei kälteren Wassertemperaturen zu vermeiden gibt es diese Trockentauchanzüge.“ Die bestehen aus einem wattierten Anzug, den man unter einem wasserdichten Taucheranzug anzieht. An den Enden hat dieser jeweils enge Gummimanschetten und geschlossen wird er mit einem wasserdichten Reißverschluss, sodass auch ja kein Wasser reinkommt. So lässt es sich auch im Winter, bei kälteren Wassertemperaturen, tauchen.

Da so ein Taucheranzug sich unter Wasser aber ganz anders verhält, will das Tauchen in ihm gelernt sein. Und genau das wollen die beiden heute üben.

Zunächst einmal muss alles vorbereitet werden. Jens steckt Bleigewichte in seine Taucherweste, an der auch die Sauerstoffflasche befestigt ist. Durch die Gewichte hat er im Wasser weniger Auftrieb. Über die Weste kann er später darüber hinaus seinen Auftrieb regulieren. Will er aufsteigen, kann er aus der Sauerstofflasche Luft in die Weste Pumpen und treibt so an die Oberfläche.

Danach legt er sich zurecht, was sonst noch mit muss: ein Kompass, ein Tauchcomputer, eine Taschenlampe und eine kleine Boje, die er aufsteigen lassen kann, bevor er auftaucht „Dann wissen vorbeifahrende Boote, dass dort jemand im Wasser ist„, erklärt er mir. Insgesamt wiegt die Ausrüstung, die er heute tragen wird, um die 30 Kilogramm.

Bei knapp 30 Grad schlüpfen Jens und sein Tauchbuddy dann in die dicken Anzüge – und kommen dabei ganz schön ins schwitzen.

Währenddessen kommt auch schon Klaus angefahren. Er ist bereits seit 1980 Berufstaucher und ist unter anderem auch als Kameramann Unterwasser im Einsatz. Seit 1994 hat er sich den Traum eines eigenen Tauchfachgeschäfts mit angeschlossener Tauchschule erfüllt. Den Tauchtreff organisiert er bereits seit vielen Jahren. Warum sie sich meistens hier in Strande treffen? „Hier sind einfach ideale Bedingungen.“ erklärt er mir. „Wir haben es vom Parkplatz aus nicht weit zum Strand und der Einstieg ist einfach. Gerade für meine Schüler ist es hier perfekt.“ Getaucht wird hier auf bis zu sieben Meter tiefe.

Dann ist Klaus auch schon bei seinen Schülern und gibt diesen eine kurze Einweisung. Heute wird er mit einigen von ihnen den Ernstfall üben: ein Taucher muss den anderen retten.

Ich mache mich, so wie viele andere Taucher, langsam auf zum Strand und treffe auf dem Weg Volker und Jost, die gleich zusammen tauchen werden. Volker taucht bereits seit über 20 Jahren und kann schon weit über 1000 Tauchgänge vorweisen. Für seinen Tauchbuddy Jost ist es erst das achte Mal, dass er untertaucht. Er wird also noch viel von Volker lernen können.

Es ist schon irgendwie ein witziges Bild, als wir am Strand ankommen. Es ist voll mit Badegästen, Kinder spielen im Flutsaum, andere ziehen ihre Bahnen und weiter draußen sind einige Standup-Paddler unterwegs. Es ist heiß, die Menschen haben wenig an und dazwischen: schwer bepackte Taucher in voller Montur.

Und dann geht es auch für Jost, Volker, Jens und seinen Tauchbuddy ab ins Wasser. Wenig später kommt auch Klaus mit seinen Tauchschülern hinterher. Es sind so viele Taucher, dass ich schnell den Überblick verliere, wer wer ist.

Kurze Zeit später sind fast alle Taucher im Wasser angekommen. Die Buddy-Paare besprechen sich noch kurz und wenig später ist von den Tauchern nichts mehr zu sehen, außer die ein oder andere Boje, die anzeigt, wo jemand untergetaucht ist.

Und ich? Ich sitze jetzt eineinhalb Stunden – so lange hält der Sauerstoff nämlich ungefähr – am Strand und warte, dass sie wieder auftauchen. Eventuell ärgere ich mich auch ein kleines bisschen, dass ich keine Badesachen eingepackt habe – es scheint der vorerst letzte perfekte Sommertag zu sein und ich sitze in langer Hose und T-Shirt am Strand und warte.

Und dann tauchen sie langsam wieder auf. Die ersten, die ich erkenne sind Jost und Volker, die patschnass über den Strand gestapft kommen. „Und, wie war’s?“ frage ich. Jost strahlt „Phantastisch! Ganz tolle Sicht und sehr viele Fische gesehen.“ Beide zählen mir von Heringsschwärmen über Krabben einiges an Fischen auf, die ihnen vor der Taucherbrille entlanggeschwommen sind.

Auch Jens treffe ich kurz nach seinem Tauchgang auf dem Weg zum Auto nochmal wieder. Im Trockentauchanzug lief auch alles glatt und er hat es sogar noch geschafft ein paar Eindrücke von der Unterwasserwelt für mich zu knipsen. Seine nächsten Tauchgänge werden übrigens keinen Trockentauchanzug erfordern – für ihn geht es bald ab in die Karibik, wo die Unterwasserwelt bestimmt auch einiges zu bieten hat.

Aber ich finde auch unsere Ostsee „von unten“ sehr faszinierend. Ein Einblick, den man nicht häufig hat:

Fotos: Jens Glöer

Ich muss zugeben: so habe ich die Ostsee noch nie gesehen. Insbesondere die kleine Seenadel hat es mir sehr angetan.

Vielleicht sollte ich mir das mit dem Tauchkurs doch nochmal gut überlegen. Schwerelos im Wasser bewegen, ganz neue Eindrücke von unserer Flora und Fauna gewinnen – schon irgendwie reizvoll.

Seid ihr schonmal getaucht?

 

 

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