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Die nordfriesische Antwort auf die Backstreet Boys: Die Stedesander Seevagabunden

Ob „New Kids on the Block”, „Take That”, „Backstreet Boys” oder „One Direction” – nichts polarisiert und fasziniert so sehr wie Boybands. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich das Phänomen Boyband auch auf dem platten Land durchsetzt. Gestatten, die Stedesander Seevagabunden. Die 24-köpfige Shanty-Truppe rund um Präsident Marc-André ist die nordfriesische Antwort auf Nick, Robbie und wie sie alle heißen. Ihr Credo: Lieber gut genuschelt als schlecht gesungen. Step by Step und Hit für Hit erobern sie die Bühnen der Westküste und die Herzen des Publikums. Ich durfte die Shanty’s einen Abend bei einem exklusiven Wohnzimmerkonzert begleiten und habe mit ihnen über ihren Erfolg und ihre Anfänge als maritime Boyband bei einer Knackwurst mit Senf gesprochen.

Warmsingen

Es ist 18.55 Uhr an einem Montagabend. Ich stehe auf dem Parkplatz des TSV Stedesands. Hier treffe ich gleich knapp zehn junge Bagaluten um die 30 Jahre alt, die den 75-jährigen Geburtstag eines treuen Fans richtig einheizen wollen. Doch vorher: Warmsingen. Der Mappenminister teilt die Mäppchen mit den liebevollen schwarz-weiß-Kopien aus. Eifrig wird geblättert, dann gibt Präsident Marc-André Michaelsen (hier 3.v.r.) das Zeichen.

Zum Warmsingen gehört immer ein Bierchen. „Das ölt die Stimme“, sagen die Profis. Die jüngsten sind übrigens 18 Jahre alt. Im Altersdurchschnitt kommen sie auf unter 30 Jahre.

„Wir singen heute Abend diese drei Lieder.“ Er zeigt drauf. Sieben Elbsegler-Köppe nicken zustimmend. Dann gibt es erstmal Bier. Für jeden eins, für die Fahrer alkoholfrei. Ihr Look ist einfach und einprägsam: Elbsegler, Fischerhemd, Bart – wer hat. „Ist aber kein Muss“, sagt Marc-André. Sein Blick wandert zu Sonja. Sie ist das einzige weibliche Mitglied des Stedesander Seemannschores. „Ohne Sonja geht hier nix. Sie spielt das Schifferklavier. Generell dürfen Frauen gerne mitmachen bei uns – aber nur wenn sie ein Instrument spielen. Steht so in der Satzung“, erklärt der Präsident und nimmt einen großen Schluck des kalten Gerstensaftes zu sich.

Chor-Gründung im Wohnzimmer

Die Satzung wurde bei Marc-André im Wohnzimmer geschrieben. „Das war am 1.Januar 2016“, ergänzt er und fährt fort: „Alle waren bei Kuddel Struve zur Silvesterfeier in der Halle eingeladen. Nach ein paar Bierchen und Cognäckchen kam es irgendwie zur Sprache, dass unser schönes Dorf Stedesand einst einen Hafen hatte. 1512 wurde er das das letzte Mal urkundlich erwähnt.“ Shanty Nils klingt sich ein spielt verbal mit Marc-André Doppelpass: „Da fragt man sich doch zurecht, warum wir kein Hafenfest haben?!“ – „Genau.“ – „Und wer ein Hafenfest hat, der braucht auch einen Shantychor.“ Ja, und so kam es dann, dass wir am Neujahrstag die Stedesander Seevagabunden gegründet haben.“ Er trinkt aus. Kommando Abfahrt.

 

Ihr Credo: „Lieber gut genuschelt als schlecht gesungen.“

Im Konvoi nach Riddorf

Ich fahre dem Trupp hinterher. Mit mir im Auto sitzt Nils. Er ist fast von Anfang an dabei. Ich will von ihm wissen, was ihn daran reizt, bei den Shantys mitzumachen. Ist es die Liebe zur Musik? Nils schmunzelt. „Die Kameradschaft“, antwortet er einsilbig und lässt eine Gedankenpause. „Ja, und die Geselligkeit.“ Danach grinst er verschmitzt aus dem Fenster. Sein Grienen spricht Bände. Dann sind wir in Riddorf angekommen. Eine Dame öffnet uns die Tür – wir wurden schon erwartet. Normalerweise singen die Jungs in Gaststätten und auf größeren Veranstaltungen, wie Feuerwehrbällen oder DRK-Festen. Heute ganz intim im Wohnzimmer vor 12 Gästen.

Sonja am Akkordeon. Sie ist die einzige Frau in dem Seemannsliederchor.

Unplugged in Omas guter Stube

Der Präsident ergreift strumpfsock das Wort: „Wie man merkt, ist die Stimmung gut eingeheizt.“ Er spielt auf die Wohnzimmertemperatur von zirka 32 Grad an und hat die ersten Lacher auf seiner Seite. Der Mappenminister teilt die Mäppchen aus. Sonja schnappt sich das Akkordeon und legt los. Aus ihrem Handzuginstrument ertönen die Akkorde von „Wir lagen vor Madagaskar“.

Ihr erstes Wohnzimmerkonzert seit der Gründung am 1.1.2016. Die Jungs geben alles.

Voller Inbrunst singen die Herren das Seemannslied. Nach einem kurzen Schluck aus der Knolle kommt der nächste Gassenhauer: „Schnee von gestern“. Die Gäste schunkeln seicht auf den gut gepolsterten Wohnzimmerstühlen. Der Präsi schüttelt vor dem Publikum in den Pausen immer mal wieder ein, zwei Gags aus dem Ärmel. „Die Leute wollen das so“, hat er mir vorher selbstsicher bescheinigt. Zu recht. Der Präsi kennt das Publikum und weiß als altes Showpferd was sich gehört. Es folgt der dritte Song: „Nordseewellen“. Rumstata – jetzt gibt ne tüchtige Schunkelei. Auch ich schunkel mit, obwohl ich eigentlich Fotos machen wollte. Dann folgt der Abschluss – die Zugabe. Marc-André sagt „den Jungen mit dem Tüddelband“ an und alle sind hellauf begeistert. Manche Shantys legen sogar ihre Mappen beiseite. Der Song sitzt wie ne knackige Jeans.

Ein Klassiker: An de Eck steiht n Jung mitm Tüddelband wird natürlich auch gesungen

Ihr Lohn: Ein Knackwurst-Gedeck

Die Gastgeberin, sichtlich gerührt, verschwindet mit ihrer Enkeltochter in die Küche. Als sie wieder in die Stube kommt, trägt sie in ihren Händen ein oppulentes Knackwurst-Gedeck. Dazu gibt’s Congnac und Bier. Wie es sich gehört, winken die Herren zunächst ab und verweisen ganz nach nordfriesischer Understatement-Manier darauf, dass sie schon zu Abendbrot gegessen hätten. Das hält Oma aber nicht davon ab, die Wurst doch nochmal rumzuschicken und siehe da: Zwei bis vier pro Kopf passen doch noch rein. Kleine Colaschorle hinterher. Passt. Präsident Marc-André ist sichtlich zufrieden mit seinen Bagaluten. Das nächste Großereignis steht ihm noch bevor, denn er soll in 60 Tagen heiraten. Vieles ist noch in Planung, aber ein Programmpunkt steht bereits schon fest: Der Auftritt seiner Shantys.

Alle bei Oma in der Stube aufgereiht für das Knackwurst-Gedeck.

Ahoi!

Eure Deichdeern
Julia

 

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