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Mit dem Fahrrad um die Welt – für den den guten Zweck

Ich bin ganz ehrlich: ich bin nicht so der große Radfahrer. Wenn’s hoch kommt, fahre ich mal mit dem Rad ins Büro oder in den Garten – das sind dann zwei, drei Kilometer und dann reicht’s mir eigentlich auch. Ähnlich wie mir ging es da – bis vor ein paar Monaten – auch Nono aus Eckernförde. Der 25-jährige war bisher auch kein großer Radler und auch für ihn waren die fünf Kilometer zur Uni und wieder zurück das weiteste, wofür er sich auf dem Rad erwärmen konnte – wenn überhaupt. 

Umso verrückter klingt das Projekt, in das er sich zusammen mit seinem Kumpel Max gestürzt hat: eine Fahrradtour von Berlin bis nach Peking. Rund 15.000 Kilometer und das ohne sowas jemals zuvor gemacht zu haben. 

Nono (li.) und Max (re.) sind von Berlin aus aufgebrochen, um für den guten Zweck bis nach Peking zu radeln. (Foto: Biking Borders)

Das ganze machen sie natürlich nicht nur zum Spaß, sondern als Projekt, um Spenden für ein Herzensprojekt der beiden zu sammeln: während ihres Studiums im Ausland haben sie nämlich mit eignen Augen gesehen, dass nicht jedes Kind einen Zugang zu Bildung hat. Das wollen sie mit ihrer Fahrradtour ändern und Spenden für den Bau von Schulen sammeln.

Aktuell befinden sich die zwei ungefähr auf der Hälfte ihrer Strecke und verweilen einige Tage in der Iranischen Hauptstadt Teheran, wo sie Visa für ihre Weiterfahrt durch Turkmenistan und China beantragen.

Biking Borders – das bedeutet nicht nur Ländergrenzen zu überqueren, sondern auch persönliche Grenzgänge. (Foto: Biking Borders)

Währenddessen bleibt ihnen praktischer Weise noch ein wenig Zeit für Interviews, sodass ich Nono und Max ein wenig über ihre Reise und den Reisegrund ausfragen konnte. 

Also, ihr zwei, wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, dass ihr so ein Projekt ins Leben rufen wollt und wie waren die Reaktionen darauf, dass ihr einfach so drauf los radeln wollt?

15.000km ohne Training und ohne jegliche Fahrraderfahrung. Ohne zu wissen was auf uns zukommen wird und worauf wir uns dabei überhaupt eingelassen haben. Klingt erst einmal verrückt oder? 

Das dachten auch alle in unserem Umkreis. Freunde und Familie titulierten uns als absolut verrückt. Die meisten konnten nicht verstehen warum wir Komfort und Sicherheit aufgeben wollen, um Fahrrad zu fahren. Kaum einer hat daran geglaubt, dass wir es bis zu ersten Landesgrenzen schaffen – geschweige denn bis nach China. Doch unser Traum, und der Wille diesen umzusetzen, ist und bleibt größer als alles was uns Komfort oder Sicherheiten zu Hause bieten könnten. Es ging uns nie um die Radreise. Wir wollten etwas aus eigener Kraft erreichen. Unsere eigenen Grenzen überschreiten, um Gutes tun. Kindern die Chance auf langfristige Bildung zu ermöglichen und unseren Beitrag leisten, die Welt positiv zu verändern. Denn wir alle können einen Unterschied bewirken. 

Genau aus dem Grund, das ihr eben eigenen Grenzen überschreiten wollt, heißt das Projekt ja auch „Biking Borders“ – also nicht nur Landesgrenzen überfahren, sondern eben auch persönliche. Warum habt ihr euch am Ende denn dazu entschieden diese Reise mit dem Rad anzutreten?

Um so möglichst vielen Kindern zu helfen, brauchen wir eine große Reichweite. Daher waren wir auf der Suche nach einer völlig verrückten Idee, bei der jeder direkt denkt „Die Jungs spinnen doch“. Eines Abends saßen wir zusammen und schauten eine Doku von jemandem der mit dem Fahrrad von Oregon nach Patagonien fuhr. Wir waren hin und weg und scherzten, dass wir genau sowas verrücktes für den guten Zweck machen sollten. Ein paar Wochen vergingen aber die Idee ließ uns einfach nicht mehr los. Also nahmen wir all unserem Mut zusammen und entschieden uns um die Welt zu radeln. 

Foto: Biking Borders

… und mit dieser Idee seid ihr inzwischen ja bereits ziemlich weit gekommen! Ihr sagtet gerade, dass ihr möglichst vielen Kindern helfen wollt. Für welches Projekt sammelt ihr denn konkret?

Wir sind dankbar für die Tatsache, dass wir eine tolle Bildung erfahren durften. Deshalb sammeln wir Geld für die Hilfsorganisation „Pencils of Promise“. Mit diesem Geld können Schulen in Guatemala gebaut werden. Die Hilfsorganisation arbeitet mit der Regierung in den Ländern und den lokalen Communities zusammen.  Dank des unglaublichen Supports haben wir bereits unser anfängliches Ziel von 50.000€ erreicht und die Schule kann finanziert werden! Die erste Schule wird in Paraje Xoljoc stehen und ermöglicht 602 Kindern eine bessere Zukunft. In Paraje Xoljoc liegt das derzeitige Problem darin, dass das Gebäude kurz vor dem Einsturz steht. Häufig wird der Unterricht abgesagt, da die Wetterbedingungen keinen Unterricht zu lassen. Es bestehen keine Finanzielle Mittel, um ein neues Gebäude für die Kinder in Paraje Xoljoc zu errichten. Doch obwohl wir bereits vor unserer Ankunft in Peking unser Fundraising-Ziel erreicht haben, sind wir uns einig: Wir radeln weiter bis nach Peking, um den Bau einer weiteren Schule in Guatemala zu ermöglichen. 

Yeah! Das erste Ziel der Reise ist bereits geschafft. Durch Spenden konnte der Bau einer Schule bezahlt werden. (Foto: Biking Borders)

So eine Radtour über 15.000 Kilometer kann man ja nicht „mal eben so“ planen. Wie seid ihr da vorgegangen und wie habt ihr euch im Vorfeld informiert?

Ein Glück leben wir im 21. Jahrhundert. Alles was wir über eine Radreise wissen mussten, findet man online. Unzählige Blogs schreiben über unterschiedliche Erfahrungen, Welches Equipment am besten ist welche Route sich man nehmen soll. Wir haben unsere Route von Berlin nach Peking ungefähr geplant. Doch während unserer Recherche haben wir uns dazu entschieden, nicht jedes Detail zu planen. Sind wir doch ehrlich. 10 Monate bis ins letzte Detail planen? Nicht mit uns. Viele Dinge können sich in 10 Monaten ändern und wir wollten uns auf das Abenteuer einlassen. Das bedeutet auch gewisse Dinge so zu nehmen wie sie kommen. Die Route, die wir tatsächlich nehmen entscheiden wir basierend auf unserem derzeitigen Gemütszustand, unseren Interessen und Empfehlungen von Einheimischen. 

Apropos Equipment: Was ist – neben euren Rädern – das wichtigste, was ihr dabei habt?

Definitiv Winterhandschuhe und unsere Schlafsäcke. Als wir draußen bei minus 15 Grad mit gefrorenen Augenbrauen mitten in den Bergen schlafen mussten, haben uns Handschuhe und Schlafsack auf jeden Fall vor dem Einfrieren bewahrt. Jedenfalls hat es sich so angefühlt für uns.  Was wir am häufigsten und für jede Reparatur benutzen ist Duct Tape. Man kann nie genug davon dabeihaben.  

Foto: Biking Borders

Foto: Biking Borders

Das klingt auf jeden Fall nach Abenteuer pur! Wie sieht denn bei euch gerade so ein typischer Tagesablauf auf der Reise aus? Habt ihr bestimmte Routinen, die sich eingependelt haben?

In der Regel schlafen wir 4/5 Tage die Woche im Zelt und die restlichen Tage in einer günstigen Unterkunft. Häufig werden jedoch auch von einheimischen eingeladen die Nacht zu verbringen. Das sind immer ganz besondere Momente für uns. Zu Beginn unserer Reise war das Wildcampen in der Regel verboten. Daher waren wir immer auf der Suche nach einem abgelegenen Waldstück oder ähnlichem. Mittlerweile bauen wir unser Zelt auf wo es uns gefällt, da es die Leute nicht mehr stört. Wir stehen morgens gegen 7:30 auf. Vor allem während der Winterzeit ist der Moment am schlimmsten. Es ist kuschelig warm und das letzte was man in dieser Situation will, ist den Schlafsack zu verlassen und die Wärme gegen minus Temperaturen und taube Finger einzutauschen. Aber uns bleibt ja nichts anderes übrig. 

Foto: Biking Borders

Dann gilt es das Zelt abzubauen, alle Sachen zu packen und die Taschen am Fahrrad zu befestigen. Gefrühstückt wird entweder bevor es losgeht oder wir suchen uns ein Supermarkt auf dem Weg. Im Anschluss radeln wir los und hören Podcasts oder Hörbücher. Sobald der erste Hunger eintritt suchen wir nach einem Restaurant oder Supermarkt. In abgelegenen Gebieten tragen wir jedoch genügend Essen und Trinken mit und machen dann einfach eine Pause wie und wo es uns gefällt. 

Foto: Biking Borders

Foto: Biking Borders

Während unserer Pause, gehen wir durch Content und beantworten Nachrichten. Im Anschluss geht es wieder los. Bis Einbruch der Dämmerung versuchen wir wieder Kilometer zu machen und Suchen dann einen geeigneten Schlafplatz. Zeit zum Kochen. Danach kriechen wir auch schon in unsere Schlafsäcke. Abends beantworten wir weiter Nachrichten, telefonieren mit unseren liebsten oder lesen. Darüber hinaus, führen Sowohl Nono als auch ich, Tagebuch. Das wird auch immer Schlafsack erledigt.  Jeden Tag woanders aufzuwachen, unterschiedliche Landschaften zu sehen und neue Leute kennenzulernen ist unglaublich schön und vor allem sehr intensiv. Während wir radeln filmen wir auch sehr viel, um unsere Reise dokumentarisch festzuhalten.

So viele Momente und Erlebnisse. Könnt ihr in Worte fassen, was euch bisher die schönsten Momente der Reise waren?

Auf diese Frage haben wir keine genaue Antwort.  Wir haben so viele unglaublich schöne und bewegende Momente erleben dürfen. Von abgelegenen Landschaften, Gastfreundschaft von Fremden und dem Support von allen Leuten, die an uns Glauben. Der Moment als wir realisierten, dass die erste Schule finanziert werden kann war etwas ganz Besonderes. Wir können es immer noch nicht in Worte fassen. Wir sind stolz auf das was wir bisher erreicht haben. Doch haben wir das nicht alleine erreicht. Ohne all die Leute, die an uns glauben, wäre als dies nicht möglich gewesen. Wir werden für immer dankbar sein. 

Foto: Biking Borders

Ein weiterer schöner Moment war unsere Reise durch die Wüste. So abgeschnitten von der Außenwelt waren wir noch nie. Ganze vier Tage radeln wir durch die Wüste, sehen keine Menschenseele und sind komplett auf uns allein gestellt. Am zweiten Tag fängt es an zu schneien und wir suchen Unterschlupf in einer verlassenen Karawane. Als wir morgens aufwachen, ist der Schneesturm vorbei und wir können kaum glauben, wie beeindruckend die Landschaft um uns herum ist.

Ihr habt jetzt von Teheran aus noch ein paar tausend Kilometer vor euch bis ihr in Peking ankommt. Wisst ihr schon, wie es danach weitergehen soll?

Nach Ankunft in Peking fliegen wir nach Guatemala, schauen uns die Arbeit der Hilfsorganisation Vorort an, dokumentieren wohin die gesammelten Spenden fließen und teilen unsere Eindrücke mit allen Unterstützern. Darüber hinaus werden wir die Community besuchen, in der die erste Schule gebaut wird und die Menschen im Dorf kennenlernen.  

Ein paar Kilometer sind es noch bis zum Ende der Reise, die Pläne für die Zeit danach sind aber bereits klar. (Foto: Biking Borders)

Und danach geht’s dann nach vielen, vielen Monaten zurück in die Heimat! Worauf freut ihr euch zuhause am meisten?

Definitiv auf unsere Familie, Freunde und Freundinnen. Unsere Reise verdeutlicht uns Tag für Tag, dass wir auch mit sehr wenigen Dingen glücklich sein können. Doch sehnen wir uns häufig danach unsere Liebsten bei uns zu haben. Materielle Dinge fehlen uns nicht. 

Foto: Biking Borders

Dann wünsche ich euch bis dahin noch viel Erfolg!

Wenn ihr wissen wollt, wie es bei Nono und Max weitergeht – oder sie sogar unterstützen möchtet, dann könnt ihr ihnen bei Instagram, Facebook oder auf ihrer Website folgen und sehen, wohin die Reise sie noch führen wird!

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