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Buchtipps aus Schleswig-Holstein

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Draußen ist es kalt, nass und ungemütlich – perfektes Lesewetter also. Ich persönliche lese fast alles: Krimis, Romane und auch gerne mal eine schnulzige Liebesgeschichte zwischendurch, die eh ein gutes Ende nimmt. Die Bücher spielen meist an fremden Orten, die ich noch nie gesehen habe. Stockholm, London oder Nairobi beispielsweise. Da ich so oft Werke aus unbekannten Gebieten lese, ist es noch reizvoller für mich, heimische Literatur zu lesen. Eventuell kenne ich die Schauplätze, Gepflogenheiten und Redensarten. Irgendwie macht es Spaß, bekannte Verhaltensmuster, Essgewohnheiten und Orte wiederzuerkennen oder neu zu entdecken. Ich zum Beispiel konnte mir nicht vorstellen, wie es ist, abgeschieden auf einer Hallig zu leben. Auch wusste ich bis vor kurzem nicht, dass die Nordseeinsel Pellworm keinen Sandstrand hat. Aus diesem Grund stelle ich euch vier Bücher vor, die alle in Schleswig-Holstein spielen und zum Großteil von norddeutschen Autoren stammen. Wer weiß, vielleicht lernt ihr auch noch etwas Neues über das nördlichste Bundesland und seine Bewohner.

 

Das Grab im Deich von Kari Koester-Loesche

Kari Köster-Lösche – Das Grab im Deich

Was wäre eine Vorstellung von Literatur aus Schleswig-Holstein ohne einen Küsten-Krimi? Kari Köster-Lösche ist geborene Lübeckerin und mittlerweile Inselbewohnerin der Hallig Langeneß. Dort spielt auch „Das Grab im Deich“. Die Autorin ist vor allem für ihre historischen Romane bekannt, diese Vorliebe spiegelt sich auch in diesem historischen Kriminalroman wieder.

1895 findet der Wasserbauinspektor Sönke Hansen ein totes Neugeborenes in dem halbfertigen Deich der Hallig. Er beginnt, zu ermitteln. Weshalb musste das Kind sterben? Wer sind die Eltern? Die Inselbewohner atmen auf, als sie hören, dass die Mutter keine von ihnen ist, sondern mit der Fähre von Wyk auf Föhr kam. Hansen verfolgt ihre Spuren bis in das Seebad. Dann geschieht noch ein Mord. Diesmal an einem Badegast. Der Wasserbauinspektor stellt fest, dass es einen Zusammenhang geben muss. Nach und nach bemerkt er, dass dieser heikler und komplizierter ist, als zunächst gedacht.

Wenn ihr ein spannendes Buch zum Schmökern sucht, dann ist „Das Grab im Deich“ genau das Richtige für euch. Wer danach Sympathie zu Inspektor Hansen aufgebaut hat, der freut sich bestimmt, dass dies sein dritter Fall ist. Bei „Mit der Flut kommt der Tod“ und „Der Austernmörder“ könnt ihr an zwei weiteren Ermittlungen teilnehmen.

 

Klaras Haus von Sabine Kornbichler

Sabine Kornbichler – Klaras Haus

„Klaras Haus“ ist ein weiterer Inselroman – diesmal aber ohne Mord, dafür mit mehr Herz.

Nina Tilden, ihre Geschwister, Cousins und Cousinen erben das Haus ihrer verstorbenen angeheirateten Tante Klara Wilander auf der Nordseeinsel Pellworm. Das Erbe ist an eine Bedingung geknüpft: Sie dürfen das Haus nicht als Ferienhaus benutzen, nur als Zufluchtsort. Das Haus steht ihnen nur zur Verfügung, wenn sie „nicht mehr weiterwissen oder weiterkönnen.“ Nina belächelt diese Vorgabe unwissend, dass sie das Haus schon ein Jahr später aufsuchen wird.

Nachdem sie einen Liebesbrief von ihrer Freundin Simone an ihren Mann findet, flüchtet sie nach Pellworm in Klaras Haus. Doch es kommt noch schlimmer, als gedacht. Simone ist schwanger und Ninas Mann ist der Vater, obwohl er mit Nina nie Kinder wollte. In dem Haus ist sie nicht lange allein. Ihre Cousine Charlotte – Ehefrau und vierfache Mutter – kommt bald dazu. Zunächst möchte Nina nichts mit ihr zu tun haben, da Charlotte über Jahre eine Affäre mit einem verheirateten Mann hatte. Aufgrund ihrer eigenen Situation empfindet Nina zunächst nur Unverständnis und Ablehnung für Charlotte. Aber das ändert sich mit der Zeit. Die beiden werden Freundinnen und es entwickelt sich eine besondere und komplexe Beziehung. Auch gegenüber ihrer Tante Klara ändert Nina ihre Meinung. Für sie und ihre Geschwister war Klara immer eine fremde, graue Maus ohne Gesicht. Schlau, aber langweilig. Mehr nicht. Bald wünscht Nina, sie hätte Klara Wilander besser gekannt.

Auch wenn es die ersten Seiten nicht vermuten lassen, ist das Buch spannend. Die Charaktere, die die Autorin liebevoll beschreibt, fühlen sich wie alte Freunde an. Wenn ihr auf neue Perspektiven steht und „etwas fürs Herz“ möchtet, empfehle ich euch „Klaras Haus“.

 

Ulrich Grode So war das mit Booker

Ulrich Grode – So war das mit Booker

Das Einzige der vier Bücher, das im Binnenland von Schleswig-Holstein spielt. Hauptsächlich in einer Stadt, die generell unterschätzt wird: Neumünster. Das Buch ist sozusagen der „Underdog“ in diesem Artikel. Ulrich Grode ist ehemaliger Deutsch- und Geschichtslehrer, der mittlerweile sein drittes Buch im Selbstverlag veröffentlicht hat. „So war das mit Booker“ ist seine erste Erzählung.

Es gibt vier Hauptpersonen: Den frisch pensionierten Lehrer Max Demant, den radikalen Ökoaktivisten Georg und die Oberstufenschüler Booker und Maja. Vier Personen, die etwas antreibt oder die, wie Maja und Booker, noch herausfinden, was sie antreibt. Alle drei haben etwas gemeinsam: Sie setzen sich „mehr oder weniger“ mit ihrer Umwelt und Lebensweise auseinander. Direkt oder indirekt kreuzen sich ihre Wege. Mit Konsequenzen.

Grodes Buch ist tiefgründig und gesellschaftskritisch. Mit seiner feinsinnigen Beobachtungsgabe hält er einem den Spiegel vor. Seine Verweise zeugen von einem Wissensreichtum und Intellekt, bei dem jeder Professor grün vor Neid würde. Dennoch schafft er es dabei, den Leser nicht zu verlieren. Immer wieder beschlich mich beim Lesen das Gefühl, der Autor zwinkert mir zu. Das Buch ist für jeden etwas, der gerne zum Nachdenken angeregt wird und nichts für die unter euch, die Spannung von Anfang bis Ende bevorzugen.

 Der Roman Deutschstunde von Siegfried Lenz

Siegfried Lenz – Deutschstunde

Zum Schluss noch ein Klassiker. „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz habe ich mir auf einem Bücherflohmarkt gekauft. Der Roman erschien 1968 und setzt sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinander.

Die Hauptfigur Siggi Jepsen sitzt in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche ein, die sich auf einer Insel in der Elbe befindet. Im Arrest soll Siggi als erzieherische Maßnahme einen Aufsatz über das Thema „Die Freuden der Pflicht“ schreiben. Zunächst gibt er ein leeres Heft ab. Aus seiner Sicht gibt es zu viel zu erzählen. Dann macht er es sich zur Aufgabe, seine ganzen Erlebnisse niederzuschreiben, indem er freiwillig seinen Arrest verlängert. Abwechselnd wechselt die Erzählperspektive von Gegenwart zu Vergangenheit. Siggi berichtet von seinem Vater Jens Ole Jepsen, dem „nördlichsten Polizeiposten Deutschlands“ im schleswig-holsteinischem Dorf Rugbüll. 1943 erhält dieser den Befehl, ein Malverbot gegen den Maler – und Jens Ole Jepsens Freund – Max Ludwig Nansen zu vollziehen. Jens Ole Jepsen folgt diesem Befehl aus fanatischen Pflichtgefühl – nicht aus nationalsozialistischer Überzeugung. Vom Nationalsozialismus überzeugt hingegen ist seine Frau Gudrun Jepsen. Sein Sohn Siggi schlägt sich heimlich auf die Seite des Malers. Dann verstümmelt Siggis Bruder Klaas sich freiwillig, um nicht wieder in den Krieg zu müssen. Das Familiendrama ist perfekt.

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