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Ein Tag in Lübeck: Norddeutschland entdecken

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Holstentor Lübeck aus der Vogelperspektive

Der Nebel hängt noch über dem ehrwürdigen Holstentor, als der Morgen in Lübeck anbricht und ich über die Puppenbrücke schlendere. Wenig später bricht die Sonne durch die Wolken, ich knipse das erste Bild des Tages. Lübeck ist ein Paradies für Fotografen, Kunstgenießer, Leckermäulchen, Gottesfürchtige, Architekturinteressierte, Historiker, Entdecker. Kurzum: In der Hansestadt an der Trave kommt jeder auf seine Kosten. Nachdem Johanna unsere Genossenschaftsstadt Lübeck schon ausgiebig erkundet hat, hat es auch mich wieder hierher gezogen, um mich selbst von der Altstadt, den Gassen und Denkmälern begeistern zu lassen und meine Kamera wieder aus dem Schrank zu holen. Lübecker Holstentor von vornDer Stadtrundgang durch die Lübecker Altstadt beginnt unter dem Holstentor, wo meine erste Geschichtsstunde mich lehrt: Das Lübecker Wahrzeichen ist das bedeutendste spätmittelalterliche Stadttor Deutschlands, wurde 1464 bis 1478 nach dem Vorbild flandrischer Brückentore erbaut und war einmal das Mitteltor der Lübecker Stadtmauer. Im Inneren des Tors gibt es ein kleines, aber feines Museum. Über drei Etagen wird man in Lübecks Vergangenheit entführt. Heute ist das Wetter zu schön für einen Museumsausflug — ich wandere weiter. Fassade das Lübecker HolstentorsRechts und links die erste Giebelhäuser an der Trave entlang, die ersten Kirchtürme in der Ferne. Vielleicht keine schlechte Idee: Einen Überblick über den historischen Stadtkern kann ich mir sicher auf einem der Kirchtürme verschaffen?Giebelhäuser Lübeck

Angekommen bei St. Petri, der Kirche der Fischer, nehme ich für 2,50 Euro den Aufzug nach oben auf die Plattform. „Von dort oben können sie alles sehen!“, versichert mir nämlich die Dame an der Kasse. Panorama von St. Petri

50 Meter später bin ich oben, trete in den pfeifenden Wind und gebe der Ticketverkäuferin recht: Von hier oben sehe ich ganz deutlich, dass Lübecks Altstadt auf einer Flussinsel liegt und von den berühmten Sieben Türmen geprägt wird. Die fünf großen Kirchen tragen diese Türme. St. Petri selbst, dann der Dom zu Lübeck, die Marienkirche der Kaufleute, die Seefahrer-Kirche St. Jacobi und St. Aegidien, die Kirche der Handwerker. Das Lübecker RathausDer Rundblick ist beeindruckend, auch das Rathaus mit seiner glänzend schwarzen Steinfassade und den daneben leuchtend weißen Ratskeller kann ich erkennen. Das will ich mir näher ansehen. Buddenbrookhaus in LübeckVon St. Petri laufe ich Richtung Rathaus. Mein Weg führt mich zuerst zum Buddenbrookhaus in der Mengstraße 4. Leider kann ich das alte Gedenkzentrum der literarischen Schaffenkünste von Heinrich und Thomas Mann heute nicht besuchen, da der Bundespräsident zu Gast ist — was aber ein deutliches Zeichen dafür ist, sich die beiden Ausstellungen „Die Buddenbrooks — ein Jahrhundertroman“ und „Die Manns — eine Schriftstellerfamilie“ nicht entgehen zu lassen, wenn es die Zeit in Lübeck erlaubt.

 Besuch des Bundespräsidenten in LübeckIch wende mich ab, schlendere vorbei an der Marienkirche und halte inne: Da sitzt doch eine Teufelfigur neben einem Gotteshaus? St. Marien in Lübeck

Neugierig wie ich bin, finde ich die alte Legende der Figur heraus: 

„Als man die Grundmauern der Marienkirche legte, glaubte der Teufel, dass man dabei sei, ein Weinhaus zu errichten. Das gefiel ihm, denn schon manche Seele hatte über einen solchen Ort den Weg zu ihm genommen. Er mischte sich deshalb unter die Arbeiter und half. Kein Wunder, dass der Bau staunenswert schnell in die Höhe wuchs. Doch musste der Teufel eines Tages erkennen, worauf es hinauslief mit dem Bau, und voller Wut schleppte er einen gewaltigen Felsbrocken herbei, die angefangene Kirche damit zu zertrümmern. Schon brauste er durch die Lüfte heran, da rief ihm ein kecker Geselle zu: „Haltet ein, Herr Teufel! Lasst stehen, was steht! Wir bauen Euch dafür neben der Kirche ein Weinhaus!“ Das schien dem Teufel geratener. Er ließ den Stein hart vor der Mauer der Kirche fallen. Dort liegt er noch und zeigt deutlich die Eindrücke der Teufelskrallen, und gleich neben der Kirche wurde der Ratsweinkeller erbaut.“Der Teufel auf dem Teufelsstein in Lübeck

Die Figur ist eine Plastik vom Lübecker Bildhauer Rolf Goerler und ziert seit 1999 den Teufelsstein. Kirchengang neben St. Marien in Lübeck

Weiter geht es durch einen alten Kirchgang. Kaum komme ich auf dem weitläufigen Rathausplatz an, herrscht Trubel vor dem Ratskeller: Eine Feierlichkeit hat sich einen Dudelsackspieler bestellt und genießt die Musik. Ich geselle mich dazu und lausche eine Weile.

 Auf dem Rathausmarkt in Lübeck

Wer die Räume hinter den schwarzen Backsteinen des Rathauses erleben möchte, kann sich wochentags für 4 Euro einer der Führungen um 11.00 Uhr, 12.00 Uhr oder 15.00 Uhr anschließen.

Mir ist danach, eine der Kirchen von Lübeck näher kennenzulernen. Kurzentschlossen laufe ich Richtung St. Aegidien, die erstmals 1227 in den historischen Aufzeichnungen der Stadt erwähnt wurde und dem heiligen Ägidius von St. Gilles gewidmet ist. Die Kirche im spätromanischen Stil wurde zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert immer wieder umgebaut und verändert. St. Aegidien in Lübeck

Hinter herbstlichen Laubbäumen versteckt sich der Kirchturm. Im Kirchenschiff findet ein Gottesdienst für Kinder statt. Kirchenschiff von Aegidien

Um die kleinen nicht zu stören, besuche ich den Aegidienkonvent. Eine nette Dame, die ich am Eingang treffe, erklärt sich bereit, mir mehr über die Geschichte des Konvents zu verraten: „Im Viertel rund um die Kirche lebten schon immer viele Leute, die soziale Hilfe brauchten, fast alle waren ärmlichere Handwerker“, sagt sie. „Heute wohnen hier immer noch viele Leute aus ärmeren Verhältnissen.“ 

Der Konvent zu St. Aegidien wurde nach der Reformation ein Wohnstift für Frauen, danach eine Armenanstalt, dann zum Wohnviertel ausgebaut.  „Wir setzen uns hier immer noch sehr stark für soziale Belange ein“, berichtet mir die nette Frau des Konvents. Ich bedanke mich für ihre Zeit. Lübeck kommt mir immer heimeliger vor: Ein gut behütetes Netz für alle Menschen, die hier leben.

 Fassadenkunst in Lübeck

Gegenüber der Kirche entdecke ich ein großes Gemälde eines Mädchens an einer Hauswand. Stadtkunst ist in Lübeck heute sehr verbreitet, die moderne Ausdrucksform passt perfekt zum historischen Hintergrund. Das Mädchen gehört zu einem Outings-Projekt von Julien de Casabianca von Mai 2016. Es stellt ein Detail des Gemäldes  „Kind im Spielzimmer“ von Heinrich Eduard Linde-Walther dar. Kirchentürme des DomsKirchenschiff des Dom zu Lübeck

Um meine Kirchgänge zu komplettieren, besichtige ich den Dom zu Lübeck, ehe ich im kleinen Kräutergarten des Museums für Natur und Umwelt stehenbleibe. Ein Bienenhaus, tausende kleine Löcher im Holz, steht inmitten des Lavendels und soll Besucher dazu anregen, selbst ein Bienenhaus im eigenen Garten oder auf dem Balkon aufzubauen. Auch mir sind die kleinen Tiere wichtig — und sie sind unheimlich spannend. Bevor ich mich mit den wichtigen Aufgaben der Bienen für die Natur beschäftigt habe, wusste ich beispielsweise nicht, dass die typische Biene nicht in Staaten, sondern als Single lebt. Außerdem sind Bienen Vegetarier und es gibt mehr Bienen- als Vogelarten. Im Haus des Lübecker Museums für Natur und Umwelt leben unter anderem Mauerbienen, Seidenbienen, Maskenbienen, Wollbienen, Scherenbienen und Blattschneiderbienen.  Bienenhaus in Lübeck

Wer durch Lübeck wandert, sollte hin und wieder einen Blick in die stillen Gassen und Hinterhöfe werfen, die sich zwischen den ehemaligen Kaufmannshäusern verbergen. So stoße ich auf den Füchtingshof von 1639 in der Glockengießerstraße. Hinterhof Füchtingshof in Lübeck

Der herrlich bepflanzte Hinterhof mit zart rosa getünchten Fassaden, weißen Bänken und einem Brunnen lädt zum Verweilen ein. Im Durchgang direkt hinter dem Sandsteinportal finde ich ein Schild: Ein Kaufmann namens Johann Füchting hat sich hier, in einem der schönsten Lübecker Hinterhöfe aus dem Mittelalter, mit Denkmälern verewigt. Heute sind die Wohnungen rund um den Hof von Privatleuten bewohnt und gefördert, doch einmal, in einem Lübeck längst vergangener Zeiten, lebten hier Schiffers- und Kaufmannswitwen. Solche lauschigen Plätze findet man überall in Lübeck: Eine Laube, ein Denkmal, Brunnen, Bäume. Lübecker Fensterläden

Auf meinem Weg zum Heiligen-Geist-Hospital erwartet mich noch mehr bunte Straßenkunst auf den Stromkästen der Stadt…Stadtkunst in Lübeck

… und die wehende Fahne über dem Willy-Brandt-Haus, dem Museum für den ehemaligen SPD Politiker. Willy Brandt Haus Lübeck

Auch der gemütliche Laden „Shabby Sisters“ lockt mich hinein: Hier gibt es aufgearbeitete Möbel, Dekorationsideen und Farben, mit denen man sogar seine eigenen Einrichtungsstücke aufhübschen kann. Ich verliebe mich sofort in einen Nachtschrank, aber im Zug kann ich den leider nicht mitschleppen. Ich vertröste mich mit den guten Tipps der Inhaberin: „Es ist ganz leicht, sowas selber zu machen!“Im Laden der Shabby SistersBei den Shabby Sisters

Ein Andenken finde ich dann doch noch. Im Heiligen-Geist-Hospital findet ein riesiger Handwerkermarkt statt. Es gibt Genähtes, Gestricktes, Eingemachtes, Getöpfertes. Das geschichtsträchtige Sozialhospital ist auch heute noch zum Teil ein Pflegeheim. Andere Teile werden für Weihnachts- und Herbstmärkte genutzt. An einem Stand kaufe ich zwei Postkarten aus alten Atlanten. Weil mir der Spruch so gut gefällt: „Das Meer hat Sehnsucht nach dir.“Handwerkermarkt im Heiligen Geist Hospital

Ein wunderschöner Besuch in unserer Genossenschaftsstadt geht zu Ende. Ich komme wieder!

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