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Städterin sucht Grün

Ok, man kann darüber streiten, ob Flensburg groß genug ist, um ein echtes „Stadtgefühl“ aufkommen zu lassen. Fest steht: Es gibt auch hier viele Autos, viele Menschen und dementsprechend auch immer mal wieder typisch urbane Anblicke und Geräusche. Blechlawinen auf den Ausfallstraßen und grölende Horden vor den Clubs gehören zumindest zu Feierabend und an den Wochenenden zum Alltag – und ich wohne mittendrin.

Als ich mit Mann und Hund vor etwa zwei Jahren in unsere Genossenschaftswohnung gezogen bin, war das eine bewusste Entscheidung gegen ein neues Zuhause auf dem Land: Unsere Wohnung ist gemütlich und bezahlbar. Wir genießen es, abends spontan zum Konzert oder an den Hafen zu gehen, freuen uns, wenn Freunde nach einem Stadtbummel reingucken, und vor Allem wollen wir kein Auto. Trotzdem: Die Sehnsucht nach Grün und Ruhe blieb. Ich wollte ein Ausweichzuhause und „Zuhause“ heißt für mich Bett, Tisch, Sitzgelegenheit, Dach über dem Kopf und zumindest die Möglichkeit, mir eine Kleinigkeit zu kochen.

Die erste Idee „Wir kaufen uns ein Ferienhaus“ verwarfen wir schnell: Zu teuer.

Die nächste Idee: Wir kaufen uns einen ausgebauten VW-Bus oder Caddy und fahren an den Wochenenden einfach ins Grüne. Schon besser, zumindest etwas günstiger. Sehnsüchtig guckte ich jedem VW-Bus hinterher, einige hatten sogar bunte Gardinen an den Fenstern – ein untrügliches „Zuhause“-Zeichen. Ich recherchierte, aber irgendwie zündete es nicht. Nach ein paar Monaten war mir klar, das hat einen Grund. Denn mit Wohnmobil hätten wir, was wir gar nicht wollen: ein eigenes Auto. Ökologisch grenzwertig, von den Kosten her oft unkalkulierbar, und eine Garage gibt es in der Innenstadt auch nicht grad an jeder Ecke.

Jetzt ging ich die Sache systematisch an: Was erfüllt meine Zuhause-Bedingungen, ist bezahlbar und ökologisch zu vertreten? Die Antwort: ein Kleingarten! Kolonien gibt es in Flensburg genug, die Miete ist überschaubar, das Grün, das dort wächst, kann man auch noch essen und die Kleingartenkultur hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt: weniger Deutschlandfahnen, mehr Familien auf Selbstversorgertripp. Ich guckte mir ein paar Kolonien in der Nähe schon einmal von außen an. Eines fiel mir dabei schnell auf: Die Kleingärtner taten, was ihr Name besagt, sie gärtnerten. Daran hatte ich nicht gedacht. Kleingärtnern heißt Gartenarbeit. Ich strich das Bild von Lesenachmittagen mit Pflaumenkuchen in der eigenen „Datscha“. Den würden wir nur genießen, wenn wir den Pflaumenbaum vorher gehegt und gepflegt hätten, und dazu verspürte ich nicht die geringste Lust. …

Dann sah ich ihn. Auf einer kleinen Runde mit dem Hund durch die zugeparkten Straßen der Stadt stand er am Bürgersteig: ein Miniwohnwagen. Er sah aus wie ein Ei, ein bisschen auch wie ein Schneckenhaus. Genau das richtige für mich. Ein Haus, das ich überall mit hinnehmen, aber auch einfach fast überall abstellen könnte. Mein Mann war auch schnell überzeugt, und wir waren uns einig: Klein sollte er sein, damit wir ihn gut rangieren können, mit einfachster Ausstattung, aber „winterfest“, kein Chemie-Klo, aber gern eine Heizung. Miniwohnwagen gibt es viele. Die Wahl fiel schließlich auf ein „Ei“, wie ich es schon am Bürgersteig gesehen hatte. Und ein passendes Modell stand sogar bei einem Gebrauchtwagenhändler in der Stadt. Das rollende Zuhause ist gerade einmal rund 3×2 Meter, hat alles, was wir brauchen – inklusive kleinem Kühlschrank. Der Hund passt auch dann noch rein, wenn die Liegefläche ausgeklappt ist, und Gardinen gehören zur Grundausstattung!

Fehlte nur noch ein Zuhause für unser neues Zuhause, denn fürs Erste sollte es ein fester Standplatz sein, maximal zwei Stunden von Flensburg entfernt, mit öffentlichem Nahverkehr erreichbar, ganzjährig geöffnet und hundefreundlich. Wer – wie wir – kein Auto hat, sollte außerdem darauf achten, dass es vor Ort eine Einkaufsmöglichkeit gibt. Wir hatten Glück: Gleich zwei Plätze erfüllten unsere Suchkriterien und hatten eine gemütliche Ecke frei. Die Entscheidung fiel, als wir den Betreiber „unseres“ Platzes und seine „Regeln“ kennenlernten: keine Gartenzwerge, keine Jägerzäune und keine Saufgelage. Schnell war klar: Hier fühlen wir uns wohl! Lauter friedliche, Lauter friedliche, fröhliche Menschen, die ihre Ruhe suchen.

 

Inzwischen hat unser „Wochenend-Zuhause“ ein Vorzelt bekommen, und wir sind – allen Lästereien unserer Freunde zum Trotz – begeisterte Dauercamper geworden. Jedes freie Wochenende steigen wir in den Überlandbus, lassen Laptop und damit die Arbeit zuhause. Wir lesen, gehen spazieren, grillen und gucken in die Wolken. Kurz: Wir sind angekommen: Auf unserem Campingplatz mitten im Nirgendwo – und in der Stadt, mitten im kulturellen Leben. Meine perfekte Mischung. Unsere Pläne: In einem Jahr wollen wir uns ein Auto mieten und unser Zuhause „ausfahren“. Bis dahin erkunden wir das Camperleben – mit Dosensuppe, Frotteebademantel von Oma für den täglichen Gang zum Bad und immer wieder neuen Nachbarn. Mehr demnächst an dieser Stelle.

 

2 Responses
  • Hanne
    5. Oktober 2018

    Hört sich gut an. Aber wie habt ihr den platz gefunden? Denke daran, dass wir in einigen jahren vielleicht nicht mehr so fit sind. Mag aber diese plätze auch nicht gerade, wo alles so in reih und glied steht. Haben momentan ein womo. Den idealen platz, wie ihr ihn beschreibt, haben wir leider noch nicht gefunden. Wasser, städtchen, wohnen in der nähe von husum. Ostsee gefällt uns sehr gut. Könnt ihr vielleicht was über die kosten schreiben? Viel spass euch.

    • Johanna
      12. Oktober 2018

      Hallo Hanne,
      wir haben in einem ersten Schritt online gesucht, wo es Campingplätze gibt, die unsere Kriterien erfüllen (Hund willkommen, ganzjährig etc.). Das geht zum Beispiel über https://www.camping.info. Danach haben wir die zwei, die in frage kamen, kontaktiert, ob sie einen freien Platz für uns haben. Da beide einen hatten, sind wir hingefahren und haben uns von den Betreibern den Platz zeigen lassen. Gleich beim ersten fühlten wir uns sehr wohl – und haben zugesagt. Die Preise sind sehr unterschiedlich – je nachdem, was der Platz bietet und wo er liegt. Unser liegt nicht am Wasser und kostet rund 1300 Euro Jahresmiete. Dazu kommt Strom nach Verbrauch. Da haben wir aber noch keine Erfahrung.
      Viel Erfolg bei der Suche nach deinem Erholungsort,
      Imke

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