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Wer kennt sie nicht, die Rasenflächen in Hinterhöfen, am Gehweg und zwischen einzelnen Bauten. Normalerweise wächst hier nichts weiter als Gras und vielleicht etwas Löwenzahn. Die Baugenossenschaft Mittelholstein eG (bgm) hat dies nun geändert. Auf einigen Testflächen in Büdelsdorf bei Rendsburg sind eben solche Flächen zu einem kleinen Paradies für Bienen und Hummeln umgestaltet worden. Hier wurden für diesen Sommer zum ersten Mal Wildblumenmischungen ausgebracht, die Bienen und Co als wertvolle Nahrungsquelle dienen sollen. Obendrein bringen die Blumen auch noch etwas Farbe ins Spiel! Marius Städler, Mitarbeiter der bgm, hat mir im Interview mehr über dieses Projekt verraten.

Wie ist die bgm darauf gekommen, Rasenflächen zu Wildblumenwiesen umzugestalten?

Im Prinzip haben wir schon immer Wert auf eine gute Gestaltung unserer Außenanlagen gelegt und dabei den Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Zum Beispiel beim Anlegen von Nachbarschaftsgärten gemeinsam mit der lokalen Initiative „Gärten der Vielfalt“. Sich dabei aber nun auch verstärkt Gedanken zur Tier- und Insektenwelt zu machen, macht durchaus Sinn. Insekten sind ja nicht nur Nahrung für andere Tiere, sondern sichern durch das Bestäuben von Pflanzen auch die Ernährung von uns Menschen. Also haben wir überlegt, welchen positiven Beitrag wir als Wohnungsbaugenossenschaft im Kampf gegen das Insektensterben leisten können. Ein häufig genannter Grund für das Insektensterben ist das Fehlen ökologisch wertvoller Flächen. Hier wollten wir ansetzen: In unserem Bestand befindet sich viel Rasen, der mit etwas Einsatz in blühende Wildblumenwiesen verwandelt werden kann. Hier finden Insekten deutlich mehr Schutz und Nahrung.

Wie groß ist die Testfläche in Büdelsdorf?

Wir haben zunächst fünf Flächen angelegt, die im Schnitt je 100 Quadratmeter groß sind. Die Flächen liegen in und an unserem Wohnungsbestand. Eine Fläche befindet sich direkt vor unserer Geschäftsstelle.

Was für Blühpflanzen wurden auf den Flächen ausgebracht?

Wir haben unter anderem eine spezielle Saatmischung aus dem Fachhandel verwendet, die zu 90 % aus ganz unterschiedlichen Wildblumen besteht und vor allem für Wildbienen und Schmetterlinge attraktiv ist. Darunter ist zum Beispiel Ackersenf, der zuerst blühte und die Wiesen in ein gelbes Meer verwandelte. Später wurde es dann richtig bunt, als zum Beispiel Mohn und Kornblumen dazukamen.

Was sagen die Anwohner zu der Veränderung der anliegenden Grünflächen?

Die Rückmeldungen sind durchweg positiv! Bereits bei der Vorbereitung der Flächen bekam unser Gärtner viel Zuspruch von den Anwohnern. Mittlerweile schreiben uns auch Menschen, die auf das Projekt aufmerksam geworden sind und sich mit der Idee dahinter identifizieren. Für den Fall, dass sich jemand fragen sollte, was es mit diesen Wiesen auf sich hat, haben wir kleine Schilder mit dem Hinweis „Hier blüht es für Bienen, Hummeln & Co!“ aufgestellt.

Kann nach dem ersten Sommer schon eine Bilanz gezogen werden? Wie erfolgreich war die Umgestaltung?

Der Erfolg war glücklicherweise sehr schnell sicht- und dann auch hörbar! Im April wurden die Flächen gesät, bereits im Mai blühte es und die ersten fliegenden und summenden Besucher kamen. Ab dann herrschte richtig viel Flugbetrieb. Dass das Projekt auch bei den Menschen gut ankommt, ist ein positiver Nebeneffekt.

Haben die Blühflächen gegenüber Rasenflächen noch weitere Vorteile (sind sie z.B. pflegeleichter?)

Aus wirtschaftlicher Sicht sind die Blühwiesen nicht unbedingt vorteilhafter. Denn auch solche Flächen müssen gepflegt werden und je nach Bedarf gemäht, gefräst oder neu angesät werden – und in hochwertige Saatmischungen muss man auch ein wenig investieren. Trotzdem lässt sich mit einem relativ geringen Einsatz schon viel für die Natur erreichen. Der Vorteil der Wildblumenwiesen liegt daher also zum einen im Nutzen für Bienen und Co, zum anderen sind sie aber auch einfach schön anzusehen und bringen tolle Farbakzente in die Nachbarschaft. 

Ist eine Umgestaltung weiterer Rasenflächen in den kommenden Jahren denkbar?

Auf jeden Fall. Die fünf Flächen waren der Startschuss und eine Möglichkeit für uns, Erfahrungen zu sammeln, welche Standorte sich gut eignen und wie sich die Saatmischungen entwickeln. Im nächsten Jahr sollen dann weitere Flächen dazukommen, so dass hier in Büdelsdorf aus den 500 m² bestimmt schon 5.000 m² werden können. Wenn sich dann vielleicht auch noch die Stadt daran beteiligt, wäre das natürlich toll.

Sind über Blühpflanzen hinaus weitere Aktionen für den Artenschutz geplant? Beispielsweise die Errichtung von Insektenhotels o.ä.

Wir unterstützen regelmäßig Projekte zur Entwicklung von Nachbarschaftsgärten und setzen generell auf ein umweltbewusstes Handeln. So verzichten wir bei der Pflege unserer Grünflächen, Wege und Höfe auf den Einsatz von chemischen Unkrautvernichtern und werben dann auch bei unseren Mietern um Verständnis, wenn dadurch an der einen oder anderen Stelle etwas mehr „Grün“ hervorkommt. Auch bei der sogenannten Schädlingsbekämpfung – also wenn sich zum Beispiel Wespen an unseren Gebäuden ansiedeln – setzen wir alles daran, das Nest nach Möglichkeit zu erhalten oder im Zweifelsfall umzusiedeln. In unseren Beständen befinden sich außerdem viele Obstbäume, die nicht nur den Insekten, sondern jetzt zur Erntezeit auch den Anwohnerinnen und Anwohnern zugutekommen. Auch ein weiteres Blumenprojekt ist in Planung: Ende des Jahres werden wir eine gemeinsame Krokus-Pflanzaktion auf einem unserer Grundstücke durchführen.

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