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Ganz große Kunst in Büdelsdorf

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Wie Henning bereits schon in dem Artikel „Alternativen für Kieler-Woche-Muffel“ angekündigt hat, findet dieses Jahr in Büdelsdorf bis zum 7. Oktober eine der größten jährlichen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa statt: die NordArt. Sie wird jedes Jahr zum Sommer neu konzipiert. Mehr als 200 ausgewählte Künstler aus aller Welt bekommen die Chance, dort ihre Bilder und Skulpturen, Fotografien und Installationen zu präsentieren und das schon seit 1999. Die NordArt feiert in diesem Jahr nämlich 20-jähriges Jubiläum. Träger der Kunstausstellung ist die Non-Profit-Kulturinitiative „Kunst in der Carlshütte gGmbH“, hinter der die ACO Gruppe und die Städte Büdelsdorf und Rendsburg stehen. Das heißt, es wird kein Gewinn erwirtschaftet und alle Erlöse kommen der NordArt und den Künstlern zu Gute.

Leider habe ich das Gefühl, dass viele die NordArt mit einer klassischen Touristen-Attraktion gleichsetzen. Denn meistens werden große Sehenswürdigkeiten, die in der näheren Umgebung liegen, eben eher von Urlaubern aufgesucht. Mit der NordArt ging es mir bis letztes Jahr genauso wie wahrscheinlich vielen Kölnern mit dem Kölner Dom: Ich wohne in der Nähe, kenne sie schon lange aber selbst besucht habe ich sie noch nie. Nach meinem letzten Besuch, zu dem mich eine Freundin überredet hatte, war ich begeistert und wollte diesen Sommer auf jeden Fall noch einmal hin. Da ich finde, dass Kunstwerke erst interessant werden, wenn eine Verbindung zwischen Titel, Künstler und Kunstwerk entsteht, habe ich eine Führung gebucht. Die Führung kostet acht Euro plus Eintritt und dauert eineinhalb Stunden. Ihr seid auch noch nie da gewesen und euch noch nicht sicher, ob sich ein Besuch der NordArt lohnen könnte? Vielleicht helfen euch bei eurer Entscheidung ja die Highlights meines eigenen kleinen NordArt-Rundgangs, die ich hier zusammengestellt habe.

Die Führung beginnt draußen im Park. Das erste Kunstwerk stammt von dem norddeutschen Künstler Jörg Plickat aus Bredenbek. Diese Skulptur ist ein typisches Beispiel für das Phänomen, das ich oben bereits beschrieben habe: Ohne Hintergrundwissen ist hier für mich lediglich eine Art große Stahlkette zu sehen. Als unser Guide aber erzählt, dass das Werk „Helping Hands, Hommage to Humanity“ heißt – also lego-ähnliche Hände darstellen soll, die ineinandergreifen – wird einiges klarer. Das fünf Tonnen schwere Kunstwerk steht symbolisch dafür, dass die Menschen wieder zueinanderfinden, um sich gegenseitig zu unterstützen, so unser Guide. Für die „Helping Hands“ gewann Jörg Plickat sogar den mit 10.000 Euro dotierten NordArt-Preis. Mit diesem wird seit 2010 jedes Jahr ein Künstler der NordArt ausgezeichnet. Gestiftet wird der Preis von Hans-Julius Ahlmann, Geschäftsführer des Familienunternehmens ACO Gruppe, und seiner Frau Johanna Ahlmann.

Die Skulptur „Helping Hands, Hommage to Humanity“ von dem Künstler Jörg Plickat aus Bredenbek.

Das fünf Tonnen schwere Kunstwerk von Jörg Plickat „Helping Hands, Hommage to Humanity“.

Als nächstes gelangen wir zu zwei Werken von David Černý, der laut unserem Guide in der internationalen Kunstszene vor allem für provokante Kunstobjekte bekannt ist. Die erste Skulptur ist ein riesiger Mittelfinger. Ich stelle mir ehrlich gesagt zunächst die Frage, ob es überhaupt jemanden gibt, der sich einen Mittelfinger kaufen beziehungsweise aufstellen würde aber darum machte sich Černý wohl keine Gedanken. Der ursprüngliche Hintergrund des Mittelfingers ist nämlich eine politische Provokation. Der Tscheche positionierte diesen über Nacht mitten auf der Moldau. Von dort aus zeigte er der Prager Burg, der Residenz des tschechischen Staatspräsidenten Miloš Zeman, den Mittelfinger. Dem Ganzen setzte er noch die Krone auf, indem er seine Skulptur „Fuck You“ taufte. Das Kunstwerk richtete David Černý an den Staatspräsidenten Miloš Zeman, weil dieser, nachdem der alte Ministerpräsident wegen eines Skandals sein Amt abgeben musste, einfach einen alten Freund zum Ministerpräsidenten ernannte.

Übrigens klärt uns der Guide am Ende noch auf: Irgendjemand hat den Mittelfinger tatsächlich gekauft. Černý hat ihn der NordArt noch bis Oktober ausgeliehen, da der Käufer noch damit beschäftigt ist, den Platz für die Skulptur herzurichten.

Die Skulptur „Fuck You“ von dem Künstler David Černý sorgte bereits für viel Aufregung.

Das nächste Werk des Künstlers sind zwei riesige krabbelnde Babies aus Fiberglas, die auf mich irgendwie hässlich und faszinierend zugleich wirken. Sie tragen den unerwarteten Namen „Babies“. Der andere Teil der Serie krabbelt immer noch als Dauerinstallation den Prager Fernsehturm hinauf. Dabei hält sich das nie bestätigte Gerücht, in einem der Babies hätte Černý – Skandalkünstler durch und durch – Cannabis versteckt. Besonders bizarr an den Babies ist ihr Gesicht, das einen Abdruck von einem Scart-Anschluss darstellt. Laut unserem Guide wollte der Tscheche damit die digitale „Fütterung“ symbolisieren.

Die Skulptur „Babies“ von dem Künstler David Černý steht nicht nicht nur auf der NordArt sondern krabbelt weiterhin den Prager Fernsehturm hinauf.

Das Gesicht der „Babies“ von David Černý stellt den Abdruck eines Scart-Anschlusses dar.

David Černýs krabbelnde „Babies“ aus Fiberglass sind eines der Highlights der NordArt.

Es wird nicht langweilig. Nachdem wir die provokanten Werke Černýs hinter uns gelassen haben, führt uns der Guide zu einer riesigen Lotusblüte aus Edelstahl, in der Kugeln eingearbeitet sind, die sich bewegen. Die Skulptur mit dem Namen „Lotus Talks“ stammt von dem chinesischen Bildhauer Zeng Chenggang. Die Kugeln in der Blüte sollen Brüste darstellen, erklärt uns der Guide. Dadurch, dass das Material aus Edelstahl ist, wolle Chenggang die Vergänglichkeit einer Blüte aufheben. Das Kunstwerk gewann 2010 den NordArt-Preis.

Die Skulptur mit dem Namen „Lotus Talks“ von dem chinesischen Bildhauer Zeng Chenggang gewann 2010 den NordArt-Preis

Die Skulptur „Lotus Talks“ von dem chinesischen Bildhauer Zeng Chenggang ist aus Edelstahl.

Dann geht es weiter in die 22.000 qm große Carlshütte, dem ehemals größten Eisenwerk Norddeutschlands. Ein gutes Beispiel dafür, dass Kunst nicht immer schön sein muss, um eindrucksvoll zu sein, stellt das Werk „Naked Beyond Skin“ von der chinesischen Bildhauerin Xiang Jing dar. Anfangs erscheinen mir die Figuren nämlich skurril und abstoßend – bis ich die Geschichte zu dem Kunstwerk höre. Der Pelikan auf dem nassen Stein im Vordergrund steht symbolisch für das Wasser. Die nackten Personen, die unterkühlt und irgendwie verloren aussehen, baden gemeinsam ihre Füße. Nackt sind diese übrigens nur, weil Kleidung vom Gesamtkunstwerk ablenkt, so unser Guide. In dieser Skulptur aus Fiberglas verarbeitet Jing ein autobiographisches Erlebnis: In ihrer Kindheit musste sie nach dem Spielen in der Natur mit ihrem Bruder gemeinsam die Füße waschen. Dieses Ritual hat sie sehr positiv in Erinnerung, sodass durch ihr Werk gezeigt werden soll, wie die nackten kahlköpfigen Personen beim Füße waschen wieder zueinanderfinden.

Die Skulptur „Nake Beyond Skin“ von Xiang Jing ist aus Fiberglass.

Die chinesische Bildhauerin Xiang Jing zeigt mit ihrem Werk „Naked Beyond Skin“, dass Kunst nicht immer schön sein muss.

Der Länderfokus richtet sich in diesem Jahr auf die Tschechische Republik, sodass der Länderpavillon mit Werken aus diesem Land gefüllt ist. Kuratoren des Pavillons sind die Prager Galeristin Lucie Pangrácová und der Bildhauer Michal Gabriel, der selbst mehrere der Kunstwerke erstellt hat.

Sein erstes Werk aus Fiberglas heißt „Birth of Venus“ und soll – Überraschung – die Geburt einer Venus darstellen. Die große Frau in der Mitte ist die fertige Venus. Nach Gabriel verkörpert die Venus in der Mitte seine eigene Frau, so unser Guide.

Die Skulptur von Michal Gabriel aus Fiberglass heißt „Birth of Venus“.

Das zweite Werk des tschechischen Künstlers ist ein Hai aus Edelstahl mit dem Titel „Moonlight“. Das Kunstwerk kostet schlappe 299.000 Euro. Fragt mich nicht, wie in diesem Fall der Titel „Moonlight“ mit dem Kunstwerk selbst zusammenhängt. Ich habe es leider versäumt, beim Guide nachzuhaken.

Die Skulptur „Moonlight“ des Tschechen Michal Gabriel ist ein Hai aus Edelstahl.

Mein persönlicher Favorit sind die beiden Phönixe aus Schrott von dem Chinesen Xu Bing. Das Kunstwerk erhielt 2017 den Publikumspreis der NordArt, für den die Besucher jedes Jahr nach ihrem Besuch einem Kunstwerk ihre Stimme geben können. Die Phönixe sind jeweils 30 Meter lang und acht Tonnen schwer. Ursprünglich sollte der Künstler sie für das Finanzzentrum in Peking erstellen. Denn die Phönixe stehen symbolisch für das Kaiserpaar – also für Ruhm, Reichtum und Schönheit. Als Xu Bing jedoch im Finanzzentrum zu Besuch war und die schlechten Arbeitsbedingungen der Finanzarbeiter bemerkte, beschloss er kurzerhand, die Phönixe aus Schrott zu bauen. Mit der Ausstellung im Finanzzentrum wurde es somit nichts. Die Vögel schafften es allerdings schon auf Ausstellungen in Shanghai, New York und Venedig, bis sie nun in Büdelsdorf ihren Platz fanden.

Die beiden Phönixe aus Schrott von dem Chinesen Xu Bing erhielten 2017 den Publikumspreis der NordArt.

Das Ende des Rundganges führt in die Wagenremise, in dem die Werke des diesjährigen Fokuskünstlers Jan Koblasa ausgestellt sind, der 2017 verstarb. Der Tscheche war Professor an der Muthesius Kunsthochschule und unterrichtete dort Bildhauerei. Die hier ausgestellten Werke decken von biblischen Szenen bis hin zu politischen Botschaften verschiedenste Themengebiete ab.

Jan Koblasa ist der diesjährige Fokuskünstler der NordArt.

Eine Skulptur heißt beispielsweise „The Demons of the 20th Century“ und zeigt von links nach rechts vier bekannte historische Personen: Lenin, Mao Tse-tung, Hitler und Stalin. Der Guide fragt uns, wen wir erkennen, ich komme selber nur auf die letzten drei Namen. Die Füße der Vier gestaltete Koblasa angeblich so groß, weil diese die Menschenrechte mit Füßen getreten haben. Außerdem sind die Fußsohlen der vier Skulpturen rot. Sie sollen für das Blut stehen, das unter ihrer Herrschaft vergossen worden ist.

Die Skulptur „The Demons of the 20th Century“ stellt vier bekannte historische Personen des 20. Jahrhunderts dar.

Am Ende noch ein kleiner Tipp von mir: Da die Carlshütte schlecht isoliert ist, kann es dort bei kälteren Temperaturen eisig und umgekehrt bei heißen Temperaturen sehr warm werden. Also zieht euch dem Wetter entsprechend an.

Mein Rundgang ist nur ein klitzekleiner Ausschnitt der NordArt und gibt lediglich einen winzigen Einblick. Wer neugierig geworden ist, kann unter www.nordart.de mehr erfahren und wer weiß: Vielleicht besucht ihr schon bald selbst eine Führung.

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