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Ein Tag in Flensburg — Schiffe, Rum und Meer

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Es sind die letzten Tage des Sommers: Bei uns im Norden vielleicht schon zu frisch für das Dösen am Strand und kurze Hosen, aber ganz sicher noch warm genug für Eis, Spaziergänge am Wasser und jede Menge Kultur. Ich habe mich deswegen auf den Weg in unsere Genossenschaftsstadt Flensburg gemacht, um die Spuren der alten Kolonialheeren, Seefahrer und Rum-Brauer zu entdecken und den Alltag einfach Alltag sein zu lassen. 

Von Kiel aus fahre ich über die A7 vorbei an Ortschaften mit so malerisch-nordischen Namen wie Schuby, Süderschmedeby, Sünderup und Jarplund, bis ich den öffentlichen und kostenlosen Parkplatz „Exe Flensburg“, die Kurzform für Exerzierplatz, erreiche. Auf dem alten Fest- und Versammlungsplatz wurde früher mit Vieh gehandelt, an Pfingsten getanzt und Markt gehalten. Da der Platz im Ortsteil Friesischer Berg liegt, sind es zu Fuß nur wenige Minuten hinunter in die historische Innenstadt von Flensburg. 

Mein erstes Ziel liegt auf der rechten Seite: Die Rote Straße. Hier residierten in den vergangenen Jahrhunderten viele Gasthöfe und eine Lateinschule — und auch heute noch ist die Rote Straße in Flensburg für ihre kleinen Spezialitäten-Geschäfte, Gaststätten und Kunstgalerien bekannt.Hinterhof in der Roten Straße

Ich lasse mich über die Gehwege treiben und entdecke in den idyllischen Hinterhöfen tolle Fotomotive, einen Teeladen, aus dem es verführerisch duftet und ein leuchtend rotes Haus, das ich mir näher ansehe. Wein- und Rum-Manufaktur Braasch

Das Wein- und Rum-Haus Braasch, gegründet 1976 von Walter Braasch, kommt mir irgendwie bekannt vor. Und ja, als ich im Laden nachfrage, erfahre ich: Das Haus ist eines der beliebtesten Foto- und Postkartenmotive Flensburgs. Seit über 40 Jahren kümmert sich Familie Braasch hier um ihre Kundschaft, bietet Weine, Sekt, Champagner, Sherry und Madeira und natürlich Rum an. 

Sogar ein Rum-Museum gibt es hier, in dem man alles über die Geschichte des Flensburger Rums erfahren kann. Ich lerne, dass Flensburg im 18. Jahrhundert, als Seefahrt und Eroberungen Hochkonjunktur hatten, zu den bedeutendsten Handelshäfen der West-Indien-Flotte gehörte. Man schiffte Rohrzucker, Baumwolle, Tabak, Edelhölzer und Sklaven der in der Karibik liegenden, dänisch-westindisch besetzten Inseln St. Thomas, St. John und St. Croix in die Kontorhäuser, Speichergebäude und Kaufmannshöfe Flensburgs. Der Reichtum der Flensburger Kaufleute und Reeder war groß: Der Handel mit den Kolonien florierte und machte den Rum, ein Getränk der Ureinwohner aus Westindien, zum beliebtesten Getränk der Zeit. 

Die Rumfabriken in Flensburg machten aus dem Rohrzucker der Zuckerinseln das Getränk, das Familie Braasch heute noch in vielen Variationen anbietet. Von den einstmals 200 Rumhäusern gibt es heute nur noch wenige. 

Ich verabschiede mich aus dem Laden und nehme mir vor, dieser interessanten Geschichts-Spur weiter auf den Grund zu gehen. 

Auf dem Platz vor der Kirche St. Nikolai am Südermarkt ist heute Wochenmarkt. Ich schlängele mich zwischen den Händlern und ihren Waren durch, rieche frischen Fisch und Käse, jede Menge Schnittblumen in leuchtenden Farben. Über dem Treiben ragt der Kirchturm von St. Nikolai auf. Mit seinen 90 Metern ist er einer der höchsten Kirchtürme in Schleswig-Holstein.

Von fern höre ich Musik, die aus der Kirche kommen muss und öffne die Türen. Der Innenraum ist nur schwach beleuchtet, mächtige Pfeiler ragen in die abgeteilten Kirchenschiffe hinein.

Ich bin alleine hier, als ich mich auf eine der Bänke setze, nur direkt hinter mir auf der Sängerempore spielt der Organist der Kirche auf der weltweit einmaligen Doppelorgel, die aus zwei Instrumenten besteht.

Eine Weile lausche ich den Klängen und stelle mir vor, wie vielleicht schon die Seefahrer in der dem heiligen Nikolaus, dem Patron der Seeleute, gewidmeten Kirche gebetet haben. 

Weiter geht es über den Südermarkt durch die geschäftige Innenstadt:Hinterhof in Flensburg

Links und rechts gibt es neben den bekannten Geschäften auch winzige Buchhandlungen, in denen ich stöbere und fündig werde; Cafés und Restaurant; Antiquariate; Parfümerien.

In der Bäckerei Migge’s Danish Bakery decke ich mich mit einem Kürbisboller mit Sonnenblumenkernen ein. Für echte Naschkatzen gibt es hier zuckrige Zimtschnecken und Mandelrollen, Schokoladencremetorte, Kekse und andere Köstlichkeiten, die alle frisch aus dem Backbereich hinter der Theke stammen. 

Ich erreiche die zweite Kirche des Tages direkt am Nordermarkt. Auf dem Vorplatz der Marienkirche zu Flensburg plätschert das Wasser in einem Brunnen, hinter dem Gemäuer kann ich schon das Wasser erkennen. Einen Blick in die Marienkirche lasse ich mir aber nicht entgehen: Von der Decke hängen antike Schiffsmodelle, in den bunten Glasfenstern bricht sich das Sonnenlicht. Schon 1182 begann man damit, diese Kirche zu bauen. 

Wer mehr von den Flensburger Kirchen sehen und hören möchte, sollte am 08. September zur Nacht der Kirchen unter dem Motto „atem. häuser. leben.“ in die Stadt kommen. Die Gemeinden haben sich zusammengetan, um einen Abend mit Musik, Meditation und Gesprächen zu gestalten. In St. Nikolai kann man zum Beispiel ab 18.00 Uhr mit dem Chor singen oder um 21.00 Uhr Yoga zur Orgelmusik mit Songs von Yan Tiersen machen. In der Marienkirche wird es unter anderem um 22.15 ein Nachtgespräch geben, um mehr darüber zu lernen, wie man mehr Ruhe und Spiritualität in den eigenen Alltag bringen kann. 

Nun geht es für mich aber ab zur Flensburger Förde! 

Noch ein letztes Brötchen vor der dänischen Grenze? Am Museumshafen in Flensburg werdet ihr satt.

Am Historischen Hafen setze ich mich auf die Kaimauer, lasse die Beine baumeln und genieße meinen Kürbisboller, während ich den Blick schweifen lasse. Masten, Segel, die sich in der Brise aufblähen, das Knarzen der Jollen, eine kreischende Möwe fliegt über die Szenerie.

Neben mir liegt die Dampferbrücke mit dem ältesten, in der Flensburger Förde noch seegehenden Passagierschiff Deutschlands: der Salondampfer ALEXANDRA, das Flaggschiff des Historischen Hafens. Gebaut 1908 und getauft von der Prinzessin Alexandra zu Schleswig-Holstein/Glücksburg, gilt das Schiff als schönstes der Fördeflotte. Es überstand beide Weltkriege unbeschadet, nahm als Regatta-Begleitschiff an zwei Olympiaden teil und wurde 1982 zum Kulturdenkmal. Ich staune nicht schlecht: So ein alter Master und noch immer auf dem Wasser…Rundherum gab es früher Werften, Reedereien, die Kaufmannshöfe, Seefahrerkneipen. 

Hier komme ich dem Ruf Flensburgs als Rum-Stadt sicher näher.

Gegenüber liegt das Zolllager, das heutige Schifffahrtsmuseum. Als ich sehe, dass es im alten Zoll-Keller auch ein Flensburger Rum-Museum gibt, ist es um mich geschehen. Für die nächsten zwei Stunden tauche ich ein in die 700 Jahre alten Abenteuer der Westindienfahrt, den Reichtum der Stadt, die Geschichte der Sklaverei, die Technik und die Maschinen der Schiffe und das beengte Leben an Bord. Die vier Gebäude des Museums gruppieren sich um einen Hof. Trakt 1 trägt den Namen Hafen & Höfe und beherbergt das Rum-Museum und ein Café, Trakt 2 und 3 sind der Schiffstechnik, dem Tauwerk und der Takelage gewidmet. In Trakt 4 lerne ich bei meinem Rundgang alles, was ich noch nicht über Rum und Zucker wusste. 

Kindergeburtstage kann man im Museum übrigens auch verbringen: zwei bis drei Stunden dürfen die Kleinen dann in die Welt der Seebären eintauchen, auf Entdeckungsreise über die Handelsrozten gehen, schauen, raten, malen, zeichnen, basteln und selbst „seetüchtig“ werden.

Kinder bekommen im Museum nämlich einen eigenen Audio-Guide, kindgerechte Erläuterungen zu allem, was sie sehen und die Möglichkeit, Ausstellungsstücke auch anzufassen und selbst zu steuern. 

Auch Kurse zum Knoten-Legen sind tolle Erlebnisse für Familien. Und apropos Familien: am 16. September ist im Schifffahrtsmuseum Flensburg Familientag: Kostenloser Eintritt für alle, viele Mitmach-Aktionen und Überraschungstüten für Kinder.

In so einem Geschäft besorgten sich die Seefahrer früher ihren Rum und andere Konsumgüter des täglichen Gebrauchs.

Geöffnet hat das Schifffahrtsmuseum dienstags bis sonntags von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Erwachsene zahlen 6 Euro (ermäßigt 3 Euro), Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren besuchen das Museum kostenfrei. 

Mit einem Spaziergang vorbei am Nordertor, das Flensburg als Stadttor begrenzte, gelange ich in die Norderstraße und schaue verwundert nach oben: Über mir baumeln hunderte Turnschuhe, Sandalen, Stiefel an einer Leine zwischen den Fassaden der Häuser. Was es damit wohl auf sich hat?

Ich frage in einer Kunstgalerie nach (denn irgendwas mit Kunst hat das hier bestimmt zu tun) und erfahre: Das weiß keiner so genau. „Man nennt das Shoefitti“, sagt mir die Besitzerin der Galerie. „Es heißt, das fing an, weil Leute ihre alten Schuhe hier gelassen haben, als sie sich neue gekauft haben. Der Ladenbesitzer hat dann angeblich alle über eine Leine gespannt, weil er sie nicht wegwerfen wollte.“

Kunst und Meer: Verbunden in Flensburgs Galerien und Ateliers entlang der Norderstraße.

Schulterzuckend und mit einem Lächeln verabschiedet sie mich pünktlich zum Ladenschluss. Ich genieße die frische Luft auf dem Rückweg und bin ganz zufrieden, dass ich dieses letzte Mysterium der Hafenstadt Flensburg nicht lösen muss. 

1 Response
  • Britta
    3. September 2018

    Super Bericht und tolle Fotos! Da konnte sogar ich als Flensburgerin noch einiges Neues erfahren

Und was meinst du?

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