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Fasten | Woche 6: Gestrauchelte Gefährten

Marie von Ebner-Eschenbach hatte es drauf. Der österreichischen Schriftstellerin wird der Satz zugeschrieben: „Zwischen Können und Tun liegt das Meer und auf seinem Grund die gescheiterte Willenskraft.“ Das passt leider auf allzu viele Anlässe in jedermanns Leben – und erst recht auf sämtliche guten Vorsätze des Verzichts.

Im Laufe der letzten Wochen habe ich mehr oder weniger zufällig von immer mehr Freunden, Bekannten und Kollegen erfahren, dass sie am Aschermittwoch auch mit hehren Vorsätzen in sieben selbstkasteiende Wochen gestartet waren – aber diesen Pfad mittlerweile wieder verlassen haben. Einige wollten auf Alkohol verzichten, andere den Fernseher ausgeschaltet lassen, und wieder andere wollten nicht naschen – so wie ich.

Aber während ich mit meinen Vorsätzen noch voll im Spiel bin, weil in den vergangenen fünf Wochen kein Stück Schokolade, kein Keks und keine Waffel, kein Gummibärchen und kein Kartoffelchip meine Lippen berührt hat (obwohl das „Berühren“ genau genommen sogar noch erlaubt gewesen wäre), sind viele Gefährten gestrauchelt und rückfällig geworden. Einige mit gleichgültigem Schulterzucken, andere zerknirscht und mit chronisch schlechtem Gewissen.

Während ich es bis jetzt geschafft habe, die zerklüfteten Klippen des Scheiterns zu umschiffen (um in Ebner-Eschenbachs Meer-Bild zu bleiben), ähneln sich die Misserfolgs-Geschichten meiner Ex-Mitverzichter und -innen auffällig. Meine total subjektiv zusammengestellten Top-Szenarien, in denen der Rückfall besonders hinterhältig lauert:

Platz 4: Erfolgserlebnisse.

Hört sich erstmal merkwürdig an, ist aber so. Wer sich – wie auch ich ­– bisher für gelungene Aktionen gerne mit Genussmitteln belohnt hat, dem sitzt dieses Prinzip natürlich auch nach fünf Wochen Verzicht noch in den Knochen. Egal, ob es dabei um die entspannte Zigarette, den gemütlichen Pott Kaffee, das Feierabend-Bierchen oder die Tafel Schokolade geht – Geist und Körper sind durch jahrelanges Training darauf gedrillt, dass im Anschluss an ein Erfolgserlebnis eine Belohnung wartet.

Platz 3: Zuviel gewollt.

Wer realistisch bleibt, hat mehr vom Leben. Wenn ich mir am Aschermittwoch vorgenommen hätte, sieben Wochen lang auf Kaffee, Zucker und Alkohol, Fleisch, Fernsehen und das Auto zu verzichten, dann wäre ich wahrscheinlich gerade in der Werbepause meiner Lieblingsserie mit dem Auto auf dem Weg zum Supermarkt, weil mir beim Kaffeetrinken zwischen zwei Stück Schokotorte aufgefallen wäre, dass für heute Abend zum Steak noch das Bier fehlt. Kurz gesagt: Wer auf eine Sache verzichtet, hält wahrscheinlich länger durch.

Platz 2: Feste und Feiern.

Der Überfluss ist des Asketen Feind. Ich bin zwar davon überzeugt, dass man sich mit ein bisschen Konzentration fast alles für einen bestimmten Zeitraum verkneifen kann, aber ein stundenlanges Ausgeliefertsein gegenüber warmen und kalten Buffets, mehrgängigen Menüs oder mehrstöckigen Torten ist in der Natur einfach nicht vorgesehen. Der Homo erectus in mir würde nur noch schreien: Iss! Iss! Leg ein Polster an, solange es Nahrung gibt – bevor wir im Winter wochenlang in unserer Höhle sitzen und nicht zum Jagen kommen.

Platz 1: Emotionale Belastung.

Stress stresst. Und Genussmittel sind für viele von uns handliche Ventile, um nervige Chefs, laute Nachbarn und andere Plagen der Menschheit besser zu ertragen. Auf der ewigen Party meines Gehirns war Schokolade immer der DJ, der dafür sorgte, dass die Welt da draußen gerade nicht so wichtig war und auf der Tanzfläche alle die Arme in die Luft rissen. Gerne auch im Duett mit meinem alten Kumpel MC Kaffee. Der ist zum Glück immer noch am Start – und hat mir in den vergangenen Wochen schon so manchen Nachmittag gerettet.

Nächste Woche: Der Countdown läuft.

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