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Fasten | Woche 3: Bin ich ein Zucker-Junkie?

Ich bin zwei Wochen Schoko-clean. Und die schlimmsten Entzugserscheinungen scheinen vorüber zu sein. Mein Verlangen nach Schokolade, Gebäck und anderen klebrig-süßen Verlockungen hat sich auf ein normales Level eingependelt. Das heißt: Ein paar Schokokekse zum nachmittäglichen Kaffee wären immer noch ganz nett, aber wenn nicht, dann eben nicht. Trotzdem lauert die Versuchung überall – und mit ihr das Rückfallrisiko. In geschäftlichen Meetings mit Keks-Sortiment auf dem Tisch, in Cafés mit facettenreicher Muffin-Kollektion und natürlich bei jedem Supermarkt-Einkauf. Stichwort Quengelware.

Eigentlich kann ich gar nichts dafür. Denn unsere Vorliebe für Süßes ist angeboren. Irgendwann haben unsere Vorfahren am Feuer gekauert, sich mit ihren Keulen gekratzt und kombiniert: Von den süßen Sachen, die wir bisher gegessen haben, ist noch nie jemand krank geworden – süß bedeutet also nicht giftig. Dafür fühlen wir uns danach immer so energiegeladen. Dazu das positive Geschmackserlebnis und das aktivierte Belohnungssystem unseres Gehirns – und zack: Damit wäre die Abstammungslinie des heutigen Schokoholics geklärt.

Apropos Schokoholic, also Schoko-Abhängiger: Gelten das unbändige Verlangen nach Süßem und die Symptome bei Verzicht eigentlich schon als Suchtverhalten? Bin ich ein Zucker-Junkie auf Entzug? Oder habe ich nur einer meiner vielen ungesunden Gewohnheiten den Kampf angesagt? Die Wissenschaftler sind sich da nicht ganz einig.

Der US-amerikanische Psychologe und Neurowissenschaftler Bartley G. Hoebel hat mit seinem Team mehrere Laborexperimente zum Thema Zuckersucht durchgeführt. Dabei zeigten Ratten, die regelmäßig Zuckerwasser zu Trinken bekamen, tatsächlich milde Entzugserscheinungen, sobald die Zuckerversorgung unterbrochen wurde: Zähneklappern, häufigeres Quieken, verstärktes Rückzugsverhalten und Schreckhaftigkeit.

Ob sich diese Ergebnisse allerdings eins zu eins auf den Menschen übertragen lassen, ist nach wie vor umstritten. Viele Wissenschaftler argumentieren, dass Zucker keine Droge wie Nikotin oder Heroin sei, sondern lediglich ein Belohnungsmittel, das zu einem suchtähnlichen Verhalten führen kann. In diese Kerbe schlägt auch eine aktuellere Studie unter der Leitung des Psychiaters Johannes Hebebrand. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Zucker abhängig mache, sondern eher die Handlung des Naschens. Damit ginge es nicht um die Abhängigkeit von einer Substanz, sondern um ein zwanghaftes Verhalten.

Bewiesen ist damit allerdings noch gar nichts. Was ich selbst in jahrelangen Studien zweifelsfrei belegt habe: Besonders zuverlässig und intensiv auf mein Belohnungssystem wirkt die Kombination von Zucker und Fett – womit wir wieder bei Schokolade wären. Mit der führe ich zwar gerade eine mittel-glückliche Fernbeziehung, aber ein persönliches Wiedersehen ist gar nicht mehr so weit entfernt.

Studien:

Avena, Rada, Hoebel, 2007. Evidence for sugar addiction: Behavioral and neurochemical effects of intermittent, excessive sugar intake

Hebebrand et al. 2014. „Eating addiction“, rather than „food addiction“, better captures addictive-like behaviour

Nächste Woche: Der Weg aus der Heißhunger-Falle

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