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Fasten | Woche 2: Die 5 Phasen des Zucker-Entzugs

Mir fehlt meine Schokolade. Wir hatten so schöne Tage zusammen. Und Abende. Nach einer Woche ohne sie fühle ich mich unkonzentriert, schneller gereizt und immer müde. Ich starre kleine Kinder böse an, die an der Supermarktkasse vor mir stehen und sich ein Snickers kaufen. Ich meide Bäckereien. Und ich versuche, Alternativstrategien zu entwickeln. Dazu gleich mehr.

Dabei entspricht mein Verhalten verblüffend genau dem 5-Phasen-Modell der schweizerisch-US-amerikanischen Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross. Das bezieht sich ursprünglich zwar auf die Phasen des Sterbens, lässt sich aber mit ein bisschen Interpretationsspielraum auf viele Bereiche des täglichen Lebens anwenden – unter anderem auch auf den Süßigkeiten-Entzug.

Phase 1: Leugnen Wird schon nicht so schlimm werden. Wir werden ja wohl auf ein bisschen Zucker verzichten können. Das hatten meine Frau und ich uns eingeredet, während wir uns am Faschingsdienstag die Reste unserer Schoko- und Keksvorräte mit vollen Händen in unsere Münder stopften. Welche Naivität. Welche Hybris. Nach einer Woche kann ich sagen: Es ist natürlich doch schlimm. Nicht Ich-habe-mir-den-Arm-gebrochen-schlimm, aber doch Meine-Lieblings-Fernsehserie-wird-nach-einer-Staffel-eingestellt-schlimm. Mindestens.

Phase 2: Zorn Ich habe Kopfschmerzen und bin gestresst. Das Kind schreit irgendwie mehr als sonst, dafür gehorcht der Hund weniger. Die Nachbarn basteln irgendwas im Garten. Mit einer Säge. Oder ist es eine Flex? Nervt jedenfalls. Bei der Arbeit ziehen sich „ganz schnelle“ Projekte in ewigen Diskussionen hin und hin und hin. Jetzt ein Keks und die Welt sähe schon ganz anders aus. Es gibt aber keine Kekse in diesem ganzen verdammten Haus! Mann!

Phase 3: Verhandeln Was genau sind eigentlich Süßigkeiten? Schokolade – okay. Gummizeug – klar. Chips – sind ja eigentlich nicht süß. So beginnt es. Wie sieht’s zum Beispiel mit Studentenfutter aus? Fruchtjoghurt? Knusper-Müsli? „Das ist nur optisch gesund aufgemachter Zucker“, sagt meine Frau. Natürlich hat sie Recht, aber darum geht es nicht. Es geht darum, Schlupflöcher in unserem selbst auferlegten Süßigkeiten-Embargo zu finden. Eigentlich geht es also darum, mich selbst auszutricksen.

Phase 4: Depression Natürlich kann ich mir Ausreden ohne Ende zurechtlügen. Streuselkuchen? Ist ja keine Schokolade. Energie-Riegel? Ist Functional Food. Meine innere Liste ist endlos lang und macht mich doch nicht zufrieden. Lässt sich meine stahlharte Willenskraft mit einem soft gebackenem Milka Tender brechen? Es ist so ausweglos, so hoffnungslos. Ich bin traurig. Jetzt ein Keks …

Phase 5: Akzeptanz Meinetwegen. Wäre doch gelacht, mein Leben von ein bisschen Schokolade bestimmen zu lassen. Die erste Woche ist fast vorbei, meine Kopfschmerzen sind weg, ich bin stark. Ich träume nachts von einem Schwimmbecken, das mit Schoko-Eiern gefüllt ist. Ich stehe auf dem 3-Meter-Brett und blicke sehnsuchtsvoll nach unten – Nougat, Trüffel, Knickebein. Ich will springen, aber bleibe hart und steige lieber ganz langsam die Leiter runter. Wird schon.

Nächste Woche: Bin ich ein Zucker-Junkie?

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