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Hüpfburg, Spanisch und Rhabarber-Torte: unter Nachbarn im Anscharpark

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Am Freitagnachmittag herrscht auf der zentralen Rasenfläche des Kieler Anscharparks noch die Ruhe vor dem kulturellen Sturm. Vor einer Großleinwand unter freiem Himmel sind Tische und Bänke in langen Reihen aufgebaut. Weiße Tischdecken flattern träge im Wind und Männer, die nach Arbeit aussehen, stehen lachend neben Boxentürmen. Die Bankreihen sind noch komplett leer. Nur ein einsamer Besucher hat es sich auf einem Klappstuhl gemütlich gemacht und genießt mit geschlossenen Augen die Sommerbrise und das Rauschen der Bäume. Heute Abend wird hier die Musical-Version von Shakespeares „Was ihr wollt“ über die Leinwand flimmern.

Bis dahin kann man sich beim „Sommerfest im Anscharpark“ die Zeit verkürzen. Dazu gibt es verschiedene Angebote, die quer über den weitläufigen Park verteilt sind: An der Kindertagesstätte in der Südwest-Ecke wird der Nachwuchs in bunten Farben geschminkt. Es wird gebastelt und gewerkelt und an einer Backsteinwand baumeln weiße Pappteller mit bunten Handabdrücken an einer Wäscheleine. Am anderen Ende des Parks werden auf der Wiese vor der Petruskirche die Tanzbeine geschwungen und Würstchen gegrillt, typisch iranische Salate serviert und Stockbrote über offenem Feuer gebacken. Dazwischen schlendern wir zwischen historischen Gebäuden und modernen Neubauten an Ständen mit Kunsthandwerk, Fischbrötchen-Buden und Sängerinnen in weißen Pavillons vorbei.

Als zwei Knirpse an uns vorbeiflitzen, die ununterbrochen „Hüpfburg. Hüpfburg.“ rufen, bevor sie um die nächste Ecke verschwinden, ist unser zweijähriger Sohn Moritz nicht mehr zu halten. Als wir die Verfolgung aufnehmen, steuern wir auf die östliche Seite des Parks zu, machen kurz an einem gelben Bagger halt, dessen Schaufel wir ausgiebig bestaunen und landen schließlich beim Nachbarschaftsfest in der Boltenhagener Straße. Hier haben vier schleswig-holsteinische Baugenossenschaften neue Gebäude mit insgesamt 155 Wohnungen auf rund 11.000 mWohnfläche errichtet.

Die neuen Mieterinnen und Mieter sind mittlerweile eingezogen und wurden heute von der Baugenossenschaft Mittelholstein eG (BGM), der Wankendorfer Baugenossenschaft für Schleswig-Holstein eG, dem Genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen Eckernförde eG (GWU) und der Wohnungs-Genossenschaft Kiel eG (WOGE) zu einem Nachbarschaftsfest eingeladen.

Hier kann man Torwandschießen und Dosenwerfen und an einer langen Tafel entspannt zusammensitzen. Es gibt Kaffee und Kuchen, selbstgebackene Waffeln und – ein Renner bei Jung und Alt – gemischte Süßigkeiten-Tütchen für 50 Cent. Außerdem steht hier besagte Hüpfburg – quietschgrün und im Stil des gemeinsamen Logos der Wohnungsbaugenossenschaften.

Bei diesem Anblick ist Moritz sofort on fire: Schuhe aus und ab die Post, stürzt er sich gemeinsam mit vier anderen Kindern unter lautem Freudengequietsche todesmutig in die riesigen Luftkissen. Als Zuschauer kommt man sich dabei ein bisschen so vor, wie bei der inoffiziellen Hüpfburg-Weltmeisterschaft: In den rund 20 Minuten, in denen wir uns im Beobachtungs- und Anfeuerungsbereich aufhalten, freuen und unterhalten sich Kinder und Eltern auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Neben mir raunt eine junge Mutter einer anderen zu: „Wenn die Jungs so früh schon andere Sprachen kennenlernen – das ist schon ganz cool.“

D’accord. Aber nach ausgiebigem Gehüpfe geht’s für Moritz jetzt erstmal weiter auf den Spielplatz nebenan. Hier wartet neben einer Rutsche und Balancierseilen unter anderem auch ein kleiner Hügel, den man offenbar besonders schnell und gut herunterlaufen kann, wenn man dabei aus vollem Hals lacht und gackert. Als besorgten Vater begeistern mich besonders die Fallschutzmatten aus Gummi-Granulat, mit denen hier alles ausgelegt ist. Damit verlaufen die unvermeidlichen Stürze bei diversen Vollsprints ganz ohne Schürfwunden und mit deutlich weniger Tränen.

Obwohl eigentlich nur einer richtig Sport macht, beschließe ich, dass ich mir eine Waffel-Pause verdient habe und setze mich mit meinem Kaffee an einen Tisch zu einer Gruppe, die sich angeregt unterhält. „Wir wohnen alle da drüben“, bezieht mich Gabriele Zenk gleich ins Gespräch mit ein. „Da drüben“ ist Nummer 8c, ein Gebäude der bgm. Alle am Tisch wirken sehr vertraut und locker miteinander, als würden sie sich schon jahrelang kennen. Es wird konsequent geduzt und gut gelaunt gescherzt. „Vor vier Wochen gab’s das erste Kennenlernen“, lacht Gabriele Zenk. Da hatten Mieterinnen und Mieter auf eigene Faust eine erste Begegnung organisiert.

„Ganz unkompliziert und ungezwungen“, ruft jemand unter allgemeinem Gelächter vom anderen Ende der Tafel. „Wir waren so um die 50 bis 60 Leute. Jeder hat etwas mitgebracht und dann haben wir gemütlich Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und ein bisschen darüber geklönt, wie gut es uns hier gefällt.“ Besonders gelobt werden die einmalig schöne Lage des neuen Zuhauses und die gelungene Durchmischung der Altersstruktur im Quartier. Auch in Bezug auf das kulinarische Highlight beim ersten Treffen ist man sich ohne Diskussion einig: „Die Rhabarber-Baiser-Torte“, tönt es gleich aus mehreren Richtungen. „Die müssen wir unbedingt mal wieder machen.“ Klingt ganz so, als seien Nachbarschaftstreffen hier in Zukunft die Regel.

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