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Zu Besuch in der ersten Pferdeklappe Deutschlands

Früher war ich ein kleines Pferdemädchen. Reitschule, mein Pflegepony Mona, Ausritte, Stall ausmisten, Bodenarbeit und natürlich auch der Traum vom eigenen Pferd waren an der Tagesordnung. Ich weiß ehrlich gesagt nicht wie oft ich meinen Eltern damit in den Ohren lag, dass ich doch bitte bitte bitte ein Pony haben wolle – aber es war wohl sehr oft. Ich wälzte mich durch den Kleinanzeigen-Teil im Wochenendexpress und legte Spardosen an, mit deren Inhalt ich vermutlich nur einen halben Heuballen hätte kaufen können, war aber der festen Überzeugung, dass ich davon bestimmt ein Pferd unterhalten könne. Wohl eher nicht.

Klein aber oho! Auch ein kleines Shetty futtert viel Heu und will beschäftigt werden.

Denn ein Pferd zu halten beutetet, dass man viel Verantwortung trägt und es kostet viel Geld – Unterbringung, Futter, Ausrüstung, Hufschmied – allein das sind die Basiskosten, auf die man sich einlässt.  Hinzukommen unvorhersehbare Ausgaben, wie Tierarztkosten, wenn das Pferd sich verletzt oder sich etwas einfängt. Kosten, die manch einen schnell in eine finanzielle Schieflage bugsieren können und es schwer machen noch gut genug für das geliebte Tier aufkommen zu können.

Doch es gibt auch andere Gründe, die Pferdehalter an ihre Grenzen bringen. Eine plötzliche Krankheit, familiäre Probleme, ein Todesfall oder Veränderungen im Job – all das kann einen aus der Bahn werfen und plötzlich ist da nicht mehr die Energie, der Platz, das Geld oder die nötige Zeit für den geliebten Vierbeiner.

Dieses Pferd wurde vom Amt beschlagnahmt und wartet auf Petras Hof darauf, wie es mit ihm weitergehen soll. Auch solche Fälle finden hier ein Zuhause auf Zeit.

Wer an diesem Punkt steht und nicht mehr weiter weiß, der findet bei Petra Teegen und ihren Unterstützern  in Norderbrarup bei Kappeln Hilfe: denn hier befindet sich die erste Deutsche Pferdeklappe. Gegründet wurde diese im Juli 2013 – vor nun etwa fünf Jahren. Doch auch davor hat sich Initiatorin Petra Teegen schon im Tierschutz engagiert und Pferde, die beispielsweise vom Verterinäramt beschlagnahmt wurden, in Obhut genommen. Seit der Gründung der Pferdeklappe gibt es auch eine offizielle Anlaufstelle für Privatpersonen.

Ich verfolge die Arbeit von Petra und der Klappe nun schon seit mehreren Jahren online auf Facebook und Instagram und habe diesen Artikel zum Anlass genommen mir den Hof mal in echt anzusehen. Das kann übrigens jeder tun, denn jeden Samstag gibt’s um 14:30 eine Klappenführung. Und so hab ich mich bei Schnee und Eis auf nach Norderbrarup gemacht und mir zusammen mit ein paar anderen Gästen die Klappe zeigen lassen.

Die eigentliche Pferdeklappe, bzw. die Notbox, befindet sich nur ein paar Gehminuten von Hof entfernt. Eine unscheinbare Koppel mit dem Schild „Notbox“ und einem  Briefkasten für die wichtigen Dokumente – denn auch wenn man hier anonym sein Pferd abgeben kann, geht nichts ohne den nötigen Papierkram, ohne den das Pferd nicht weitervermittelt werden kann.

Bei besserem Wetter sind Petras Ponys Beach Boy und Pirat hier das Empfangskomitee für die Neuankömmlinge – das beruhigt die neuen Pferde, die so schnell erkennen: hier will mir keiner etwas Böses. Bei meinem Besuch ist die Koppel allerdings so eingeschneit, dass von ihnen wohl nur noch der Schopf herausgucken würde – daher haben es sich die zwei im Stall bequem gemacht. Der würde übrigens erst diesen Winter neu gebaut und mit Hilfe von Spenden finanziert. Ein großes, helles Gebäude mit reichlich Platz und schönen Boxen.

Petra und die kleinsten Besucher der Klappenführung mit kleinsten Pony der Klappe – Galateia – im neuen Stall.

Doch Pirat und Beach Boy werden häufig gar nicht gebraucht und können auf der Koppel unter sich sein. Die meisten Pferde werden inzwischen nämlich von ihren Besitzern direkt bei Petra abgegeben. Sie wollen wissen, wo ihr geliebtes Tier hinkommt und es in guten Händen wissen. Hinzukommt, dass Petra für fast jede Situation Verständnis hat und den Haltern so gut es geht Trost spendet, sodass sich niemand schämen muss sein Pferd hier abzugeben.

Die Pferde und Ponys kommen inzwischen aus dem gesamten Bundesgebiet auf den Hof in Norderbrarup, wo sich Petra und ihr Team ihrer Vermittlung und Pflege annehmen. Bei manchen Tieren geht es ganz schnell, andere müssen erst mühevoll aufgepeppelt werden, weil sie unterernährt oder krank zu Petra kommen „Die dürfen wir dann nicht vermitteln.“ erklärt sie. Das gehe nur, wenn die Tiere gesund sind.

Suchen noch ein Zuhause: Ein geschecktes, ehemaliges Zirkuspferdchen und eine braune Stute.

Das Interesse an den Klappenpferden ist groß: auf Facebook hat sich in den vergangenen Jahren eine riesige Community an Pferdefreunden gebildet. Etwa 41.000 Menschen haben dafür ihren „Daumen hoch!“ dagelassen. Sie fiebern bei den Geschichten aus der Klappe mit, sind zum Teil Mitglieder im Verein, lassen Petra Spenden zukommen oder sind sogar an einem Pferd aus der Klappe interessiert. Neue Klappenpferde, die vermittelt werden sollen, postet Petra hier – meistens mit Erfolg. Die Beiträge werden zahlreich kommentiert und geteilt. Auf diesem Weg findet sich in der Regel schnell ein neuer Besitzer mit einem guten Plätzchen.

Inzwischen gibt es bereits Wartelisten mit Interessenten, die gern ein Klappenpferd übernehmen wollen. Mit viel Feingefühl sucht Petra aus ihnen allen den geeigneten neuen Halter für Pferde und Ponys. Wer erst aufgepäppelt werden muss oder aus anderen Gründen länger bleiben soll, der wird erstmal ein Patenpferd und mit Hilfe von Spenden durchgebracht. Wie zum Beispiel Luna und Winnie.

Patenpferd Winnie ist eine ehemalige Zuchtstute, die Jahr um Jahr ein neues Fohlen gebären musste und tagein tagaus im Stall stand – bis sie plötzlich nicht mehr tragend wurde. Dann sollte es für sie zum Schlachter gehen. Nach ihrer Rettung  fand sie als Patenpferd in der Pferdeklappe ein neues Heim.

Patenpferd Luna kam ganz abgemagert und fast ohne Zähne in die Klappe und futtert sich seitdem langsam wieder auf Normalgewicht.

Bereits über 800 Pferde gingen seit der Gründung in der Pferdeklappe ein und aus. Allein an die vierzig Tiere fanden bis Anfang März diesen Jahres ihren Weg in die Klappe und zum Teil auch schon in neue Ställe.

Über 800 Geschichten von Pferden, die so verschieden sind, wie die Tiere selbst. Manche kommen von überforderten Besitzern, denen im Alter die Pferdehaltung über den Kopf wuchs, aus verdreckten Ställen oder aus dem Nachlass von Verstorbenen, für andere ist aus den unterschiedlichsten Gründen kein Platz mehr im Leben ihrer Besitzer. Viele der Geschichten gehen unter die Haut und beschäftigen Petra, ihr Team und die gesamte Community noch lange. Wie zum Beispiel die Geschichte der kleinen Hope, die aus schlechter Haltung gerettet wurde und die es trotz der größten Bemühungen in der Pferdeklappe nicht schaffte.

Doch es gibt auch viele lichte Momente in der harten Klappenarbeit. Zum Beispiel wenn die neuen Besitzer der Klappenpferde Petra Fotos und Nachrichten zukommen lassen, wie es ihren ehemaligen Schützlingen so geht. Oder wenn die Follower auf Facebook mal eben dafür Sorgen, dass die Pferdeklappe eine Charity-Aktion gewinnt und mit einem neuen Pferdeanhänger nach Hause düsen darf. Und es gäbe noch so vieles mehr zu erzählen!

Ich ziehe wirklich meinen Hut (oder sollte ich sagen „meinen Reithelm“?)  vor dieser Arbeit und bewundere sehr, was in der Pferdeklappe alles geleistet wird.

Falls auch ihr die Pferdeklappe unterstützen wollt, findet ihr hier alle Infos. Und hier auf Facebook bliebt ihr immer auf dem Laufenden!

 

 

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