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„Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum!“

Im Kieler Tierheim Uhlenkrog kümmern sich 25 Mitarbeiter pro Jahr um rund 2.400 Tiere und vermitteln so viele wie möglich in ein neues Zuhause: von Katzen und Hunden bis zu Kleintieren, wie Kaninchen, Meerschweinchen und Mäusen. In der Vorweihnachtszeit herrscht hier allerdings Vermittlungsstopp – wie in vielen anderen Tierheimen auch. Zwischen dem 11. Dezember 2017 und dem 3. Januar 2018 wird im Kieler Tierheim kein Tier einem neuen Besitzer übergeben. Im Gespräch mit Neue Etage erklärt Leiterin Elisabeth Haase, was dahinter steckt.

Frau Haase, warum stoppen Sie die Vermittlung in der Vorweihnachtszeit?

Das handhaben wir bereits seit fünf Jahren so. Einfach um zu verhindern, dass Tiere als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum landen, ohne dass sich die Menschen vorher ausreichend Gedanken gemacht haben, was das für sie, für ihre Familie und ihr Leben bedeutet. Die nötige Ruhe dazu fehlt oft an den hektischen Wochen vor Heiligabend. Für ein Tier ist das übrigens sowieso nicht die beste Zeit, um sich an ein neues Zuhause zu gewöhnen.

Das müssen Sie erklären.

Weihnachten herrscht in der Regel mehr Trubel und Unruhe als an anderen Tagen. Alle haben frei und sind zu Hause, die Weihnachtsvorbereitungen laufen und dazu gibt es wahrscheinlich auch noch mehrfach Besuch. Das alles ist Stress für ein Tier, das ja in einer völlig neuen Umgebung erst einmal zurechtfinden muss.

Und dann kommt auch noch Silvester.

Stimmt. Das Tier ist noch gar nicht richtig angekommen und soll dann mit dem ungewohnten Lärm von Böllern und Raketen zurechtkommen. Das geht oft schief. In dieser Zeit häufen sich jedenfalls bei uns regelmäßig die Meldungen von Tieren, die entlaufen sind oder allein aufgefunden wurden.

Mal unabhängig von der Jahreszeit: Was wird denn bei der Adoption generell oft unterschätzt?

Ganz kurz gesagt: Zeit und Verantwortung. Oft fehlt einfach das Bewusstsein dafür, welche Verpflichtungen man eingeht, wenn man ein Tier adoptiert. Deshalb prüfen wir schon im Vorfeld sehr genau, welches Tier zu welchem Menschen passen könnte und beraten ausführlich zu allen Fragen, über die man sich vorher Gedanken gemacht haben sollte.

Zum Beispiel?

Welche Lebenserwartung hat das Tier, das ich mir wünsche? Gibt es soziale Voraussetzungen, die es erfüllen soll? Muss es zum Beispiel mit kleinen Kindern verträglich sein? Auch über mögliche Kosten sollte man sich Gedanken machen: Kann ich zum Beispiel den Tierarzt bezahlen, wenn mein Tier krank wird? Darüber hinaus informieren wir sehr genau über die Ansprüche der potenziellen neuen Mitbewohner. Ein Hund muss zum Beispiel mehrmals täglich vor die Tür – bei Wind und Wetter und auch, wenn ich als Besitzer mal krank bin. Dann muss ich mich eben um eine Vertretung kümmern.

Wie viele der von Ihnen vermittelten Tiere werden wieder zurückgegeben?

Unsere Rückkehrer-Quote ist zum Glück sehr niedrig. Allerdings landen ja nicht alle Tiere von uns auch automatisch wieder hier, wenn sie zurückgegeben werden. Als die Tierheime die einzigen Anlaufstellen waren, hatte man da einen besseren Überblick. Heute läuft auch viel über das Internet. Deshalb bin ich mit genauen Zahlen eher vorsichtig.

Gibt es eigentlich klassische Rückgabe-Zeiten?

Um den Jahreswechsel herum sind das die ersten Wochen nach Silvester. Dann müssen die Menschen nach den Feiertagen wieder zur Arbeit und in vielen Familien kehrt der Alltag ein. Dann fällt häufig auf, dass man bei der Entscheidung für ein Tier eine Menge nicht bedacht hat. Eine weitere klassische Zeit sind die Osterferien. Dann steht für viele der erste Urlaub des Jahres an und es taucht plötzlich die Frage auf: Wohin mit meinem Tier?

Ihr Geschenk-Tipp statt Hund, Katze oder Kaninchen?

Zukünftigen Tierhaltern sollte man lieber mit Sachgeschenken eine Freude machen. Da gibt es viele schöne Möglichkeiten: zum Beispiel Gutscheine für den Tierarzt oder für Stunden in einer Hundeschule, Ratgeber-Literatur, DVDs oder geeignetes Zubehör aus dem Zoofachhandel. Damit steigt dann schon mal die Vorfreude und man beschäftigt sich schon mal mit dem Thema, aber die eigentliche Entscheidung kann später getroffen werden – ganz in Ruhe und vor allem vom Beschenkten selbst.

Warum ist das wichtig?

Die Entscheidung für ein Tier sollte niemals von Dritten getroffen werden. Denn keine noch so gut gemeinte Auswahl ersetzt das persönliche Kennenlernen. Ich habe es schon oft erlebt, dass Menschen mit ganz konkreten Vorstellungen zu uns gekommen sind und sich am Ende für ein ganz anderes Tier entschieden haben. Die Chemie muss einfach stimmen. Auch deshalb gehören Tiere nicht unter den Weihnachtsbaum.

 

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