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Ein Traum von königlichen Pferden

Ich war irgendwann im letzten Jahr bei der WG-Feier einer Freundin, als ich dort Quint kennenlernte. Wir kamen ins Gespräch und auf die übliche „Und, was machst du so?“-Frage antwortete er mir, dass er vor einiger Zeit einen Hof gepachtet habe und dort dabei sei eine Pferdezucht aufzubauen. Das kam unerwartet und klang so spannend, dass mir klar war: da muss ich mal vorbeischauen.

Qunit mit seinem Hengst Dantes (Foto: Privat)

Und das habe ich nun getan. Der Hof, den Quint gepachtet hat, liegt im dörflichen Kieler Stadtteil Rönne und hat alles, was ein kleiner Hof so braucht. Einen Stall, der von Kater Leo mausefrei gehalten wird, eine Reithalle, einen großen Reitplatz und drum herum ganz viele Weiden, auf denen die Herde grasen kann und wo sich auch drei Schafe wohlfühlen dürfen. Aktuell wird hier einiges umgebaut: Paddocks sollen entstehen, damit die Pferde auch im Winter raus können, der Stall soll von innen neu strukturiert werden. Alles nach und nach.



Doch bis hierhin war es ein weiter Weg. Quint ist 26 Jahre alt, gebürtiger Schleswig-Holsteiner, und von kleinauf mit Pferden aufgewachsen. Er reitet inzwischen seitdem er 7 Jahre alt ist und hat seitdem auch eigene Pferde. Nach dem Abi kam dann die große Frage, was nun kommen sollte. Er schnupperte in verschiedene Studiengänge rein und arbeitete nebenbei in diversen Nebenjobs, um sich weiterhin seine Pferde leisten zu können und wollte eigentlich am liebsten nur mit ihnen arbeiten.


Seinen Traumjob hat er sich dann nach und nach selbst gestrickt. „Meine Eltern wollten erstmal, dass ich etwas sicheres lerne, aber als sie gemerkt haben, dass ich das hier wirklich will, haben sie mich voll unterstützt“ sagt er. Quint lernte in mehreren Praktika in Dänemark die Akademische Reitkunst kennen, die der Däne Bent Branderup nach der Tradition alter Reitmeister dort an seine Schüler weitergibt. Er begann seine Ausbildung bei ihm und gibt sein Wissen inzwischen als Bereiter für Privatpersonen weiter. „Reitkunst ist ein immer fortlaufender Prozess“ erklärt mir Qunit „man lernt eigentlich nie aus. Es ist ein lebenslange Passion, sich selbst zu bilden und das Pferd zu schulen.

Bei der Akademischen Reitkunst geht es im Prinzip darum sowohl Pferd, als auch Reiter durch gezielte Übungen so zu schulen, dass beide harmonisch und ohne Schaden zu nehmen miteinander arbeiten können – ein ganzheitlicher Ansatz von dem beide Seiten profitieren: Das Pferd ist ausgeglichen und gesund, der Reiter kennt sein Pferd und weiß, wie er gut mit ihm arbeiten kann. „Unser Idealbild ist der Zentaur – die Verschmelzung von Pferd und Reiter“ sagt Quint.

Für diese Art und Weise mit dem Pferd zu arbeiten braucht es viel Zeit und noch mehr Geduld. Denn ein Pferd ist nicht von Natur aus darauf aus, dass es einen Menschen tragen soll, es kann aber in einem langsamen Prozess daran gewöhnt werden, mit dem Menschen zu Arbeiten und an dieser Arbeit Freude zu haben.

Viele denken ja immer, dass nur das Pferd trainiert werden muss. Aber man muss sich das mal so vorstellen: Wenn ich jemanden Huckepack nehme und der lehnt sich zu sehr nach hinten, falle ich um. Lehnt er sich zu weit nach vorne, kippe ich ebenfalls um. Und wenn er komisch sitzt, bekomme ich Rückenschmerzen. Es liegt also nicht nur am Pferd, wenn etwas nicht klappt, sondern auch am Reiter. Also müssen beide gleichermaßen lernen.

Seit fast genau einem Jahr hat Quint mit der Reitanlage in Kiel Rönne den perfekten Ort für seine Arbeit und seine Philosophie gefunden – und das nach fast drei Jahren Suche. Denn in „normalen“ Reitställen passte er nie so richtig rein. Hier hat er genug Platz für seine 7 eigenen Pferde und Pferde anderer Leute, die er ausbildet. Wie zum Beispiel Stute Nova aus Kopenhagen, die ihre Besitzer gern mal abgeworfen hat. Über einen Zeitraum von fünf Monaten hat Quint intensiv mit ihr trainiert und ihre alten Verhaltensweisen korrigiert. „Ich glaube, ich kann so gut mit komplizierten Pferden, weil ich ihnen sehr unvoreingenommen entgegen trete. Das merken sie und lassen sich auf die gemeinsame Arbeit ein.“ sagt er, während Nova versucht meine Kamera anzuknabbern.

Mit viel Geduld bei der Arbeit – hier mit Stute Nova (Foto: Privat)


Auf diesem Hof hat er auch damit begonnen eine Pferderasse zu züchten, von der es nur noch wenige Exemplare gibt: den Fredriksborger, die älteste Stammbuchgeführte Pferderasse der Welt. Diese Rasse stammt ursprünglich vom dänischen Königshof und wurde als Prestigepferd gezüchtet. Als Gastgeschenke und Mitgiften wurden die Pferde dieser Rasse in ganz Europa verteilt – so begann zum Beispiel die Lipizzaner Zucht in Österreich mit einem weißen Fredriksborger Hengst. Als der königliche Hof zum Beginn des 20. Jahrhunderts immer weniger wichtig wurde, wurde auch die Zucht der Pferde ausgegliedert und es ist wenigen Züchtern zu verdanken, dass die Rasse noch nicht ganz ausgestorben ist.

Fredriksborger sind die älteste Stammbuchgeführte Pferderasse der Welt – das Stammbuch dieser Stute geht mehrere Jahrhunderte zurück.

Der Vater der nächsten Generation Fredriksborger: Hengst Dantes, der auch Vorfahren aus Plön hat.

Mit seinem Hengst Dantes – den er vor einigen Monaten von einem dänischen Züchter gekauft hat – und mehren Zuchtstuten möchte Quint diese schöne und im Wesen sehr ausgeglichene Rasse nun wiederbeleben und auf den Urtyp zurückzüchten, sie ausbilden und verkaufen. Aktuell hat er zwei tragende Stuten in seinem Stall stehen und erwartet ihre Fohlen für Mai und Juni kommenden Jahres. Ich glaube, dann muss ich nochmal vorbeischauen und euch ein kleines Update präsentieren – in diesem Sinne „to be continued…“ 🙂

 

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