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Bilder mit Wow-Effekt: im Fotoworkshop des SBV.

„Eigentlich machen wir das hier zu zweit“, sagt Uwe Wolkenhauer. „Aber meine Co-Referentin Aniko Kürthy ist gerade in Indien“. Wir sind in einem Kursraum im ersten Stock des 360°-Gemeinschaftshauses des Selbsthilfe Bauverein eG Flensburg (SBV) und der Leiter des Workshops „Foto und Fantasie“ ist gerade dabei, seinen Laptop an einen Beamer anzuschließen, mich in die Grundzüge des Kurses einzuweisen und gleichzeitig die nach und nach eintrudelnden Teilnehmer zu begrüßen.

Einmal im Monat trifft sich die Gruppe, um gemeinsam neue Aufnahmen zu begutachten und sich über alles auszutauschen, was ein tolles Foto so ausmacht: Bildaufbau und Perspektive, Auflösung und Belichtungszeit, Möglichkeiten der Bearbeitung und so weiter. „Wir wollen Bilder mit Wow-Effekt machen“, sagt Wolkenhauer. „Dazu entwickeln wir uns hier Schritt für Schritt weiter und lernen immer mehr dazu.“ Und das in lockerer, fast familiärer Stimmung und ganz ohne Schlaumeierei. „Der Austausch ist wichtig, um besser werden zu können“, sagt Nobert, der links neben mir sitzt und mit rund 60 Jahren Erfahrung der fototechnisch älteste Hase im Raum ist.

Die anderen Teilnehmer sind in der Regel deutlich kürzer dabei und die Kenntnisstände innerhalb der Gruppe sind sehr unterschiedlich. Der konstruktiven Atmosphäre des Workshops tut das allerdings keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die erinnert eher an einen gut gelaunten Stammtisch. Es wird locker geplaudert und interessiert zugehört. Die Erfahrenen beantworten die Fragen der weniger Routinierten. Erhobene Zeigefinder oder dogmatisches „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es hier nicht.

Was besprochen wird, bestimmt die Gruppe: Mal wird über den optimalen Einsatz des Blitzes philosophiert und über das Zusammenspiel von Blende und Verschlusszeit. Mal schildert jemand die eigenen Erfahrungen mit der Stromversorgung bei längeren Wandertouren („Powerbank pro oder contra?“). Mal geht es um die Vor- und Nachtteile handlicher Kleinkameras mit optischem Zoom gegenüber schwerem Gerät.

Das verwenden hier längst nicht alle. „Allerdings haben sich viele in der Gruppe mittlerweile kameramäßig upgegraded“, sagt der Kursleiter nicht ohne Stolz. Zwei Plätze weiter lässt Heinz dabei wie zufällig seine neue Spiegelreflex lässig auf den Tisch gleiten. In den nächsten Minuten wandert das gute Stück von Hand zu Hand und wird ausführlich begutachtet. Mit dem Know-how wächst eben auch der Anspruch an das Arbeitsgerät.

Die unverkrampfte Herangehensweise an das Thema Fotografie zeigt sich auch bei der Bewertung der neuen Aufnahmen, die jetzt nach und nach auf der Leinwand erscheinen. Mein Sitznachbar hat schon mal den Raum verdunkelt, Heinz hat seine neue Kamera wieder eingepackt und Uwe Wolkenhauer hat die Fotos der Teilnehmer von diversen USB-Sticks auf seinen Laptop kopiert. Es kann also losgehen.

„Unser aktuelles Thema lautet ‚Heimat’“, erklärt der Kursleiter nochmal extra für mich. „Unter dieser Überschrift werden wir im Rahmen des Weihnachtsbasars hier im Haus am 9. Dezember die besten Aufnahmen ausstellen.“ Bis dahin gilt es, die Favoriten auszuwählen und neue Aufnahmen zu sichten. „Die Vorausscheidung läuft“, sagt Wolkenhauer mit einem Hauch Dramatik in der Stimme. „Wir haben einen Topf voller Bilder, aus dem wir gemeinsam die geeigneten auswählen.“

Die Motive, die dann auf die Leinwand geworfen werden, sind äußerst abwechslungsreich: von sanften Sylter Dünen, poppigen Rapsfeldern und japanischen Kirschbäumen im eigenen Garten bis zu knorrigen Fischerhäusern, weitläufigen Flusslandschaften und eleganten Oldtimern. Bewertet werden die Ergebnisse trotz aller Lockerheit sehr konstruktiv und durchaus kritisch. Mal ist der Bildausschnitt ungünstig gewählt, mal die Komposition nicht ganz gelungen, mal der Aufhänger des Motivs nicht richtig scharf.

Nachdem den Urhebern praktische Möglichkeiten zur handwerklichen Verbesserung an die Hand gegeben wurden, bleibt immer auch Zeit für den einen oder anderen Exkurs. Dann wird ausgiebig über die Inflation von Rapsfeldern in der Fotografie gescherzt oder darüber diskutiert, warum in alte Autos auch zwangsläufig alte Menschen gehören. Dabei bleibt der Ton immer entspannt. Alle betrachten die Fotografie als Hobby, wollen dazulernen, eigene Erfahrungen teilen und freuen sich, wenn eins der eigenen Fotos bei den anderen gut ankommt. Auch ich habe als Foto-Novize in dieser Runde keine Hemmungen nachzufragen, was „ASA-Werte“ aussagen oder was „Fotografieren mit P“ bedeutet.

Nach zwei Stunden habe ich ein bisschen mehr über Fotografie gelernt und würde garantiert auch im nächsten Monat wiederkommen – wenn ich nicht knapp 90 Kilometer entfernt in Kiel wohnen würde. Am Ende fasst Heinz die Stimmung des Workshops wohl am treffendsten zusammen: „Nur mit konstruktiver Kritik kann man besser werden. Wir wollen hier schließlich das Fotografieren lernen“, sagt er unter allgemeinem Gelächter. „Alles andere ist doch nur Knipsen.“

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Der nächste Workshop „Foto und Fantasie“ findet am 23. November 2017 von 10 bis 12 Uhr im 360°-Gemeinschaftshaus des SBV statt, Mürwiker Straße 28, 24943 Flensburg. Neue Teilnehmer mit Interesse an der Fotografie sind jederzeit willkommen, eine Mitgliedschaft im SBV ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Die besten Bilder des Fotoworkshops zum Thema „Heimat“ werden am 9. Dezember 2017 während des Weihnachtsbasars im 360°-Gemeinschaftshaus zu sehen sein. Die Bilder in diesem Beitrag sind Fotos der Gruppe, die zu anderen thematischen Schwerpunkten entstanden sind. Die Rechte liegen bei den jeweiligen Fotografen.

Infos zu den diesem und weiteren Workshop-Angeboten des SBV gibt’s online auf www.sbv-flensburg.de (Menüpunkt „Leben > 360° Mittelpunkt Mensch“).

2 Responses
  • Norbert
    Oktober 11, 2017

    Moin Henning,
    sehr guter, treffender Beitrag. Schöne Formulierungen. Wir freuen uns dich mal wieder zusehen.

    • Henning
      Oktober 16, 2017

      Moin Norbert,
      toll, dass ihr euch gut getroffen fühlt. War wirklich ein interessanter und schöner Vormittag. Würde ich etwas näher dran wohnen, wäre ich sicher öfter mal dabei …

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