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Reparieren oder neu kaufen?

An der Türschwelle zum Salon war alles aus. Von jetzt auf gleich, einfach so und ohne Vorwarnung: Stille. Unsere kleine blaue Staubsaugerkugel gab keinen Mucks mehr von sich. Ein Wackelkontakt? Ich ruckelte ein bisschen am Schalter herum, zog den Schlauch einmal ab und setzte ihn wieder dran. Drückte wieder auf den Schalter. Nichts zu machen. Der Motor sprang einfach nicht wieder an. Sollten sich an dieser Schwelle unsere Wege nach fast 15 Jahren unter einem Dach trennen?

 

 

Das kann ja nichts Schlimmes sein, lässt sich bestimmt reparieren, dachte ich. In all den Jahren war die Leistung immer gleich gut gewesen. Keinerlei Anzeichen von Altersschwäche. Nun ist das Alter von Elektrogeräten ja relativ. Ich bin mit solchen groß geworden bin, die ewig hielten. Heute gilt es als selbstverständlich, dass ein Gerät schon nach wenigen Jahren den Geist aufgibt. Schmeiß weg, kauf neu. Einen 15 Jahre alten Staubsauger reparieren? Lohnt sich nicht! Nennt mich antiquiert, aber so schnell wollte ich unseren Staubsauger bloß wegen eines kaputten Schalters nicht aufgeben. Martin auch nicht. Er stellte sogar die Gretchenfrage: Wenn wir das Ganze so nachhaltig wie beim einkaufen von Lebensmitteln und Klamotten angehen wollten, welche Aspekte spielen jetzt eine Rolle? Halb im Ernst und halb im Spaß beschlossen wir unser Staubsaugerproblem in einem Wenn-Dann-Ausschlussverfahren zu lösen. In der Zwischenzeit verabredeten wir ein Staubsauger-Sharing mit meinem Bruder.

 

Was ist überhaupt nachhaltig?

Und wie nachhaltig ist es, das alte Gerät möglichst zu behalten? Es ist ja schon da, für uns muss kein neues produziert werden. Aber es verbraucht aufgrund seines Alters sehr wahrscheinlich mehr Strom als ein neuer Staubsauger. Ein neuer dürfte außerdem leiser sein und einen besseren Staubfilter haben. Ergibt unterm Strich künftig eine bessere Bilanz. Einerseits. Andererseits: Will man es ganz genau nehmen, betrachtet man nicht nur das Endprodukt, sondern die ganze Prozesskette von der Fabrikation über die Arbeitsbedingungen bis hin zum Lieferweg (fast immer erst aus China auf Containerschiffen und dann weiter auf Schiene und Straße) und den weiteren Vertriebswegen. Da kommt dann wiederum einiges an Energieverbrauch, Emissionen und anderem zusammen, was für den alten spricht.

 

Reparatur oder Kauf?

Die Frage hatten wir ja bereits entschieden: erstmal herausfinden, was überhaupt kaputtgegangen war. Und das war schwieriger als gedacht. Meine Recherche erbrachte gerade mal eine Handvoll Adressen von Elektrofachhändlern in Kiel, die überhaupt noch einen Reparaturdienst anbieten. Zwei winkten beim Thema Staubsauger gleich ab. „Machen wir nicht. Lohnt sich meistens sowieso nicht.“ Der Bosch-Dienst hatte gerade seinen allerletzten Tag bevor die Türen endgültig schlossen. Die Dame reichte uns noch eben eine Visitenkarte des Online-Kundendiensts über die Theke. Aber einschicken wollten wir unsere blaue Kugel nicht. Schon mal gar nicht für 60 Euro. Bei der vorletzten Adresse auf unserer Liste hatten wir Glück. Für 35 Euro überließen wir unser Gerät der fachkundigen Inspektion des Meisters. Ohne Gewähr. Wäre es zu reparieren, könnten die 35 Euro verrechnet werden, erklärte uns die Frau hinterm Tresen. Die Diagnose kam telefonisch. Nicht der Schalter sei defekt, das Kabel war gebrochen. Darum müsse die Kabeltrommel musste erneuert. Kostenpunkt 65 Euro Material und noch mal 60 Euro Arbeitslohn plus Mehrwertsteuer.

 

 

Selber reparieren oder reparieren lassen?

War es das wert? Für das gleiche Geld oder etwas mehr bekämen wir einen neuen. Heimwerker bestellen sich eine passende Kabelrolle nach Hause und reparieren das selbst. Sind wir aber nicht – ich gar nicht und Martin jedenfalls nicht, was Elektroartikel betrifft. Er hätte ins Reparaturcafé gehen können, das einmal im Monat in Gaarden stattfindet. Die gibt es inzwischen in vielen Orten. Experten helfen Laien dabei, kaputte Dinge wieder heil zu machen. Eine gute Sache, aber für Martin mit seinen Arbeitszeiten nicht zu vereinbaren.

 

Gebraucht oder neu kaufen?

Auf ebay gab es erwartungsgemäß ein großes Angebot gebrauchter Bodenstaubsauger für kleines Geld. Auch unser Modell „wenig benutzt, in gutem Zustand“. Wir fremdelten mit fremdem Staub, der ja irgendwann durch die gebrauchten Rohre gewandert war. Dann also doch ein neues Gerät. Und wenn schon ein neues Gerät, dann eines, das die neuen Effizienzvorgaben der EU zu Energieverbrauch, Schall und Staubemissionen erfüllt. Die EU Kommission schätzt, dass durch ihre Vorgaben ab 2020 europaweit 19 Terrawattstunden Strom pro Jahr eingespart werden können. Das ist so viel wie die Leistung von vier Atomkraftwerken.

 

 

Online oder beim Händler vor Ort kaufen? Kette oder Einzelhändler?

Ganz klar vor Ort. Wir schauten uns verschiedene Modelle an. Der Einzelhändler hat uns genauso gut beraten wie die Mitarbeiterin einer kleineren Kette, wo wir allerdings mehr Auswahl hatten. Beide sind schon lange in Kiel, beide schaffen hier Arbeitsplätze. Insofern spricht für beide gleichermaßen viel. Unseren Neuen – made in Germany – haben wir schließlich bei der Elektronikkette gekauft. Aus unserer Sicht war es das beste Preis-Leitungsverhältnis im Rahmen unseres Budgets. Und er saugt ganz prima. Relativ leise, energiesparend und mit sechs Jahren Garantie auf den Motor.

Fazit: Sicher hätten wir auch schneller zu einem Ergebnis kommen können. Ich finde, es hat sich trotzdem gelohnt, sich auf diesen Prozess einzulassen, auch wenn wir uns manchmal ein bisschen so vorkamen wie das Ehepaar bei Loriot, das ein neues Bett kaufen will. In jeder Phase gibt es mehrere Möglichkeiten, sich zu entscheiden. Wegwerfen ist nur eine davon.

Wie macht Ihr das, wenn etwas kaputt gegangen ist? Habt Ihr Tipps oder nützliche Adressen für Reparaturen? Dann hinterlasst gerne einen Kommentar auf dieser Seite.

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