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Vaterfreuden: Die ersten zehn Monate

Von No tags 0

Seit August 2016 bin ich Vater und unser Sohn Moritz hat mich nach wie vor fest im Griff: mit seinem bezaubernd-unschuldigem Baby-Charme, der hemmungslos-juchzenden Spaßbereitschaft und selbst mit seiner abgrundtief-verzweifelten Schreierei wegen eigentlich gar nichts. Kurz gesagt: Die letzten zehn Monate waren bisher die spektakulärsten, wildesten und duftesten, aber auch die anstrengendsten meines Lebens. Und obwohl ich weiß, dass ich noch keine drei Prozent von dem auch nur ahne, was noch auf mich zukommt, habe ich doch schon einiges gelernt, was für andere junge Eltern vielleicht hilfreich ist.

Meine Top 3:

Platz 3: Superkräfte sind auch superanstrengend.

Wenn Kinder mobil werden, multiplizieren sich automatisch die Gefahrenherde. Bei uns ganz aktuell in Mode: Auf Stühle klettern (wollen), alles aus erreichbaren Regalreihen räumen und in der neuen Sandkiste eine Handvoll Sand in den Mund stopfen und dann brüllen wie am Spieß. Ich kann mich ganz dunkel erinnern, dass ich mich früher und bei anderen Kindern immer gefragt habe, ob die ihre Eltern einfach nur in den Wahnsinn treiben wollen. Heute bin ich sicher: Wollen sie nicht. Jedenfalls noch nicht in diesem Alter. Sehr kleine Menschen haben einfach auch noch sehr kleine Gehirne und einen sehr kleinen Erfahrungsschatz. Sie fangen gerade erst an herauszufinden, wie sie ihre Umwelt beeinflussen können und welche Folgen das hat. Wie großartig und überwältigend muss das sein? Wohl so ähnlich, als wenn ich jeden Tag eine neue Superkraft an mir entdeckte. Und ich würde damit wesentlich Schlimmeres anstellen, als ab und zu ein Buch runterzuschmeißen, mit dem Essen rumzuschmieren oder ohne ersichtlichen Grund zu heulen. Ganz sicher!

Platz 2: Der Tod des Glücks ist der Vergleich.

„Unser Torben hat schon mit neun Monaten seine ersten Schritte gemacht.“ „Was, euer Kleiner hat immer noch nicht alle Zähne?“ „Joschi schläft schon seit Wochen durch.“ Gähn – ich kann die Prahlereien anderer Eltern nicht mehr hören. Kann ja sein, dass das alles stimmt und Moritz als einziges Kind auf diesem Planeten kein Genie ist, das jede der typischen Entwicklungsphasen schon ein halbes Jahr früher durchläuft. Halte ich aber für unwahrscheinlich. Ich finde, auch die beliebten Entwicklungs-Kalender oder -Apps solltet ihr nur mit äußerster Vorsicht genießen. Zu leicht gerät man dadurch in einen fatalen Strudel aus Erwartungen und Normen, die es zu erfüllen gilt – bis man irgendwann schuldbewusst bemerkt, das man das eigene Kind ganz nebenbei ständig nach den nächsten „Meilensteinen“ abscannt. Irgendein schlauer Mensch hat mal gesagt: „Der Tod des Glücks ist der Vergleich.“ Ich finde, das gilt für fast alles im Leben. Besonders für die eigenen Kinder.

Platz 1: Der beste Tipp: Keine Tipps!

Ich glaube, eine unserer Hebammen hat uns noch vor der Geburt den Ratschlag gegeben, den ich mir irgendwann auf ein Kissen sticken werde: „Der beste Tipp, den ich euch geben kann: Hört nicht auf Tipps.“ Was sie gemeint hat: Nehmt euch die Ratschläge der zahllosen selbsternannten Erziehungs-, Pädagogik- und Alles-Experten um euch herum nicht zu sehr zu Herzen. Nickt höflich, sagt vielleicht noch danke und macht dann einfach so, wie ihr es für richtig haltet.

Natürlich haben wir als Neulinge im Eltern-Geschäft auch ständig jemandem um Rat gefragt (und tun es noch heute): von Kinderärzten, Osteopathen und Hebammen bis zu anderen Müttern und Vätern. Schließlich ist da plötzlich ein sehr kleiner Mensch, der oft schreit und wahrscheinlich gerade irgendwas ganz dringend braucht. Leider kann man anfangs nur raten, was das sein könnte. Trinkt das Kind zu wenig? Schläft es zu warm? Ist es zu hell? Zu laut? Schaukeln wir es zu langsam? Oder zu schnell? Und so weiter.

Der Witz ist: Im Zweifel weiß es keiner besser als ihr selbst. Das gilt natürlich ausdrücklich nicht für medizinische Probleme. Aber alles rund um das gemeinsame Leben mit Moritz ist jetzt unser Ding – und wird es mit der Zeit immer mehr. Ich weiß heute zum Beispiel ganz genau, in welchem Winkel ich den Löffel beim Füttern halten muss, damit es ohne Matscherei klappt. Wenn geschrien wird, kann ich gut erahnen, ob gerade Müdigkeit, Hunger, Langeweile oder die Zähne das Problem sind. Und ich habe ein Gespür dafür entwickelt, ob gerade Trösten, Quatschmachen oder einfach nur Dabeisein angesagt ist. Kurz gesagt: Das eigene Kind versteht keiner so gut wie man selbst. Jedenfalls noch mit zehn Monaten.

2 Responses
  • Silvia
    Juni 1, 2017

    Immer schön, auch mal die Erfahrungen aus der Vaterperspektive zu lesen. Tip 3 kann ich nur zustimmen
    Grüße, Silvia aus Kiel (Mutter von Henri, 16 Monate (mitten in der Trotzphase, viel Spaß es wird noch schlimmer ).

    • Henning
      Juni 1, 2017

      Hallo Silvia, danke für die Warnung. Ich bin gespannt optimistisch: Bis jetzt habe ich Mo noch alles in Nanosekunden verziehen, sobald er seinen Baby-Charme angeknipst hat.

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