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Die Zukunft des Wohnens – Inklusionshaus im Anscharpark

Die Stiftung Drachensee ist eine der größten Institutionen für Menschen mit Behinderungen in Schleswig-Holstein. Mit vielen modernen und individuellen Angeboten trägt sie entscheidend dazu bei, den Betroffenen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen – unter anderem mit 620 anerkannten Werkstattplätzen, mit Angeboten zur Beruflichen Bildung und Arbeitsmöglichkeiten in Integrationsbetrieben.

Darüber hinaus verfügt die Stiftung über mehr als 200 anerkannte stationäre Wohnplätze in Kiel und betreut rund 400 Menschen mit Behinderungen ambulant. Ab Anfang 2018 leben 14 von ihnen in einem von der Wankendorfer Baugenossenschaft errichteten Inklusionshaus im Kieler Anscharpark. Über Ziele dieses Projekts, die Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner und über das Geheimnis guter Nachbarschaft haben wir mit Stiftungs-Vorstand Klaus Teske (links im Bild) und Wolfgang Assel, Leiter des Bereichs Wohnen, gesprochen.

Herr Teske, wie haben Sie die wankendorfer eigentlich dazu gebracht, der Stiftung Drachensee ein komplettes Haus für ein Inklusionsprojekt zu vermieten?

Klaus Teske: (lacht) Das war gar nicht so schwer. Wir denken ja eigentlich ständig über die Zukunft des Wohnens nach und sind immer mit vielen Menschen, Institutionen und Unternehmen im Gespräch. Dabei haben wir schon öfter die Erfahrung gemacht, dass die wankendorfer für neue Ideen ein offenes Ohr hat und unsere Haltung teilt, dass man vor der Zukunft keine Angst haben darf, sondern sie gemeinsam gestalten sollte.

Wie sieht denn die Zukunft des Wohnens für Menschen mit Behinderung aus?

Klaus Teske: Ganz kurz gesagt: selbstbestimmt und mit der notwendigen Betreuung, individuell und offen. Denn das Leben in der eigenen Wohnung fördert ja nicht nur die Eigenständigkeit und die persönliche Entwicklung, sondern steht auch für eine Öffnung in die Gesellschaft. So gesehen, ist das Inklusionshaus im Anscharpark auch ein De-Institutionalisierungs-Projekt.

Orientieren Sie sich dabei an Vorbildern?

Wolfgang Assel: Im Laufe der Planung und Vorbereitung für das Inklusionshaus im Anscharpark haben wir uns natürlich umgeschaut und zum Beispiel in München oder Karlsruhe sehr interessante Projekte mit einer ähnlichen Idee ausfindig gemacht. Aber die Voraussetzungen und die Bedürfnisse der Bewohner unterscheiden sich von Projekt zu Projekt so deutlich, dass die Lösungsansätze kaum übertragbar sind.

Klaus Teske: Das ist ja auch ein Charakteristikum des neuen Wohnens: Die alten Angebote waren standardisiert und deshalb gut zu vergleichen. Zeitgemäße Angebote sind dagegen sehr individuell und können vor Ort in vielen Varianten flexibel gestaltet werden. Deshalb müssen wir von Null starten und einfach unseren eigenen Weg gehen.

Wer zieht eigentlich in das Haus im Anscharpark?

Wolfgang Assel: Die neuen Bewohner leben aktuell noch in einem unserer Wohnhäuser in Kronshagen in einer betreuten Wohngemeinschaft. Als wir ihnen das Projekt vorgestellt haben, konnten sich alle sofort vorstellen, in Zukunft in einer eigenen Wohnung im Inklusionshaus zu leben.

Worauf muss man beim Bau eines Inklusionshauses achten?

Wolfgang Assel: Da gibt es gar nicht so viele Besonderheiten. Eine barrierefreie Bauweise ist ja mittlerweile fast schon Standard. Ansonsten ging es in erster Linie um Schnitt und Ausstattung der einzelnen Wohnungen. Bei Planung und Umsetzung war die Zusammenarbeit mit der wankendorfer immer vorbildlich.

Wann würden Sie sagen: Dieses Projekt ist ein Erfolg?

Wolfgang Assel: Wenn sich alle Bewohner zu Hause fühlen, wenn die Einbindung der Menschen mit Behinderungen in ein lebendiges Quartier gelungen ist und wir damit einen weiteren Schritt zur Entwicklung des neuen Wohnens gemacht haben.

Was können Sie dafür tun?

Wolfgang Assel: Unsere Erfahrung mit anderen Wohnprojekten zeigt, dass eventuelle Vorbehalte gegenüber Menschen mit Behinderung schnell verschwinden, wenn man offen damit umgeht und selbst aktiv wird. Das werden wir auch im Anscharpark tun: Wir werden auf unsere Nachbarn zugehen und zum Beispiel gemeinsame Feste veranstalten.

Klaus Teske: Bei all unseren Projekten gilt eine ganz wichtige Prämisse: Es darf keine Verlierer geben. Bezogen auf das Inklusionshaus im Anscharpark betrifft das neben den Bewohnern auch deren Eltern und Familien, außerdem unsere Mitarbeitenden, die wankendorfer als Vermieter und natürlich auch die Menschen der Nachbarschaft. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit besteht darin, für alle Beteiligten ein Klima zu schaffen, das von Vertrauen geprägt ist – und dieses Vertrauen dürfen wir natürlich nicht enttäuschen.

Auch im ehemaligen Kesselhaus haben Sie noch ein Projekt in Planung?

Klaus Teske: Stimmt. Dort sollen Werkstätten für Künstler und ein Café als Begegnungsraum entstehen, in dem Menschen mit und ohne Behinderungen arbeiten. Wir haben solch ein Modell mit dem Restaurant „Freistil“ in der Kieler Lessinghalle schon sehr erfolgreich realisiert und würden im Anscharpark gerne einen Ableger eröffnen. Bevor wir die Räumlichkeiten mieten können, muss die Atelier im Anscharpark GmbH als Vermieter allerdings noch die Finanzierung des nötigen Umbaus sicherstellen. Aber wir bleiben optimistisch, dass das bis Anfang 2018 klappt.

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